Wohnungsprojekt in Moosach/Gern

Am Dantebad: Bürger begehren gegen „Mammutding“ auf

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120 Kleinstwohnungen in Stelzenbauweise will die Stadt über dem Parkplatz des Dantebads (rot umrahmt) errichten lassen.

München - Mit dem Projekt „Wohnen für alle“ will die Stadt rasch bezahlbare Unterkünfte schaffen. Doch es regt sich Protest von Anwohnern, etwa am Dantebad. Verhindern lässt sich der Neubau auf Stelzen dort kaum mehr – eine Bürgerversammlung soll zumindest informieren.

Begeisterung sieht anders aus: Nach dem Beschluss des Stadtrats vom vergangenen Mittwoch, mit dem Projekt „Wohnen für alle“ rasch günstigen Wohnraum in München zu schaffen, regt sich nun dort Widerstand, wo der erste günstige Wohnraum entstehen soll: am Dantebad in Moosach.

Dort sollen über dem großen Parkplatz an der Homerstraße in Stelzenbauweise vier Geschosse mit je 28 Kleinstwohnungen entstehen, insgesamt knapp 120. Darin wohnen sollen anerkannte Flüchtlinge, Geringverdiener, Lehrlinge der Stadt München und Studenten. Bürger und Stadtteilpolitiker fühlen sich schlecht informiert. Eine Bürgerversammlung soll nun zumindest für Klarheit sorgen, was die Stadt genau plant. Zu verhindern ist das Projekt aber kaum mehr – der Druck auf die Stadt München, günstigen Wohnraum zu schaffen, ist groß.

Beschluss wird auch Konflikte schüren

„Es ist schon relativ überraschend auch für uns, wie schnell das geht“, sagt Johanna Salzhuber (SPD), Vorsitzende des Bezirksausschusses Moosach. Da war es gerade einmal drei Tage her, dass der Stadtrat mit überwältigender Mehrheit das Konzept „Wohnen für alle“ verabschiedet hatte.

Von diesem Beschluss werden in den nächsten Jahren viele Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen profitieren – aber er wird auch Konflikte schüren, nämlich dort, wo der neue Wohnraum entsteht. „Die Frage, ob wir das wollen oder nicht, die stellt sich nicht mehr“, sagt Johanna Salzhuber. „Die Stadt braucht Wohnungen, die müssen günstig gebaut werden.“ Sie glaubt, die in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Pläne in Moosach seien als „Pilotprojekt“ eine Art Versuchsballon: „Ich gehe davon aus, dass es solche Vorhaben nicht nur in Moosach geben wird, sondern noch in mehr Stadtbezirken. Die Bürger können dann nur noch Details ändern.“

Schwer einzusehen ist das etwa für Peter Mayer, Vorsitzender des Sportvereins SC Amicitia, der mit einigen Anwohnern den Stadtteilpolitikern seine Bedenken in der jüngsten Sitzung vortrug. „Es ist ja auch alles richtig und wichtig“, sagt er, und der Verein sei „komplett aufgeschlossen. Schließlich heißen wir SC Freundschaft“. Aber: „Es stellt sich die Frage nach den Standorten.“ Den jetzigen Parkplatz hält der Architekt – „auch aus fachlicher Sicht“ – jedenfalls für denkbar ungeeignet. In einem offenen Brief an den Moosacher Bezirksausschuss schreibt er von einer „Kesselsituation“, da der Sportverein in Zukunft von drei Seiten mit Wohngebäuden umbaut sei: „Die akustische Belastung würde sich deutlich intensivieren.“

Schon jetzt fürchten sich Anwohner vor den neuen Bewohnern

Weil seines Wissens nach keine Freiflächen geplant seien, sieht er die Gefahr von „herumhängenden“ Bewohnern. 460 Mitglieder hat sein SC Amicitia, davon allein 210 Kinder bis 13 Jahre. „Die Leute kommen auf uns zu und fragen, ob man die Kinder noch alleine kommen lassen kann.“ Peter Mayer sieht die Gefahr eines „für uns nicht kontrollierbaren sozialen Brennpunkts unmittelbar vor unserer Tür. Unser freudiger Blick in die Zukunft hat sich sehr eingetrübt.“

Auch die unmittelbare Nachbarschaft protestiert gegen den massiven Neubau. In einer von einer Anwohnerin gestarteten Online-Petition „Rettet unser Viertel – keinen neuen Wohnraum ohne neue Parkplätze“ schreiben Unterstützer: „Es kann nicht angehen in dieser Gegend, die eh schon so verdichtet ist, dieses Mammutding reinzubauen!“ Vorgeschlagen werden Neubauten auf der Parkharfe des Olympiageländes.

Sicherheitsbedenken sind unbegründet

Johanna Salzhuber vom Moosacher Bezirksausschuss versteht die grundsätzlichen Sorgen, hat aber keine Sicherheitsbedenken: „Dass keine Spieler mehr kommen, das können wir auf jeden Fall entkräften.“ Beim Verein „PSV Moosach“ am Wintrichring gäbe es seit 30 Jahren Baracken für Bedürftige. „Da gehen auch alle direkt vorbei.“ Die Bedenken seien aus ihrer Sicht „unbegründet“. Eine „Belegungskommission“ werde sich um eine sinnvolle Zusammensetzung der Bewohner kümmern. Gleichwohl müssen auch aus ihrer Sicht die Anwohner besser informiert werden. „Wir als Bezirksausschuss werden sehr viel Wert legen auf soziale Betreuung.“ Idealerweise könne man sie „auch kleiner machen, die Kiste“.

Am 7. April, findet eine Anwohnerversammlung statt, bei der es um den geplanten Neubau geht. Beginn ist um 19 Uhr in der Gaszähler-Werkstatt der Stadtwerke München, Agnes-Pockels-Bogen 6. Der Bezirksausschuss wird ebenso daran teilnehmen wie Vertreter der Stadt.   

Martin Zöller

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