Neue Technik soll Probleme lösen

Dachauer Straße: Lichtschranke gegen Horror-Unfälle

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7. Mai 2016: Ein Bus steckt fest, keiner wurde verletzt

München - Immer wieder bleiben Busse und Laster an der Bahnunterführung in der Dachauer Straße hängen - und verursachen damit ein Verkehrschaos. Nun plant die Stadt eine neue Maßnahme, um das Nadelöhr zu entschärfen.

17. Mai 2010: 15 Schüler werden in diesem Bus verletzt.

Bei Münchens Polizisten hat sie längst ihren Namen weg: Die Bahnunterführung in der Dachauer Straße heißt bei ihnen schlichtweg die „Seufzerbrücke“. Doch während ihre Namenspatin in Venedig ein beliebtes Fotomotiv ist, hat die Bahnunterführung in der Dachauer Straße weit über die Stadt hinaus traurige Berühmtheit als Falle für Doppeldeckerbusse und hohe Laster erlangt: Es kracht regelmäßig, bislang gab es zum Glück nur Verletzte – dafür aber jedes Mal ein Verkehrschaos. Jetzt will die Stadt das Nadelöhr mit einer Lichtschrankenampel entschärfen.

9. Juni 2013: Ein dänischer Bus mit 50 Kindern rammt die Unterführung, 40 werden verletzt, ein Mädchen schwer.

Der letzte Unfall passierte Anfang Mai: Ein Doppeldeckerbus, frisch aus der Fabrik, bohrte sich in den Stahl der Unterführung, durch die nur maximal 3,4 Meter hohe Fahrzeuge passen. Die Brücke stammt wie viele andere Bahntunnels in München noch aus Zeiten, als Pferdekutschen oder Opel-Blitz-Fahrzeuge das Maß der Dinge waren. Erlaubt sind heute bis zu vier Meter im Normalbetrieb.

29. August 2014: Nachdem dieser Lkw hängen blieb, wurde ein Stahlträger der Brücke getauscht. Die Unterführung war bis Mitte September gesperrt, es herrschte Chaos in der halben Stadt.

Bei vielen Unterführungen schieben sich Stadt und Bahn seit Jahrzehnten die Verantwortung für die Verkehrstüchtigkeit hin und her. Nicht nur in der Dachauer Straße bleibt Fußgängern und Radlern nur eine schmale gemeinsame Spur direkt neben dem dichten Verkehr übrig.

Die Unterführung im Normalzustand.

In der Dachauer Straße soll jetzt wenigstens eine Lichtschrankenampel dafür sorgen, dass hohe Lastwagen und Busse nicht mehr stecken bleiben. Und das funktioniert so: Schon 70 Meter vor der Unterführung werden Lichtschranken eingebaut, die bei jedem Fahrzeug die Höhe erfassen. Gleichzeitig messen Induktionsschleifen im Asphalt, ob tatsächlich ein Fahrzeug unterwegs ist oder ein Messfehler vorliegt, etwa durch Schneeflocken.

Die Lichtschranke wurde ausgelöst.

Fährt ein zu hohes Fahrzeug durch die Lichtschranke, werden an der Brücke ein rotes Ampellicht, ein gelbes Blitzlicht sowie ein leuchtendes „Durchfahrt-verboten-Schild“ angeschaltet. Gleichzeitig wird die Unterführung auf der anderen Seite gesperrt, damit der Bus- oder Lkw-Fahrer Zeit zum Wenden hat.

Beschlossen wurde die Lichtschrankenampel vom Stadtrat schon im Juni 2015, damals war von einem Realisierungszeitraum von 18 Monaten die Rede. Also sollte sie im Dezember fertig sen. Wann der Bau beginnt, ist jedoch unklar. Die Baukosten sollen über 530 000 Euro betragen.

Auch bei diesem Tunnel gibt’s viel zu tun

Die Paul-Heyse-Unterführung am Hauptbahnhof gehört ebenfalls dringend modernisiert: Der Tunnel ist düster, dreckig, Abgase stauen sich. Auch hier müssten sich Stadt und Bahn die Aufgaben teilen:

Kaputt und dreckig: Die Paul-Heyse-Unterführung.

Abgeplatzte Fliesen: Der Grund für die losen Fliesen sei die feuchte Bausubstanz darunter, teilte die Bahn dem Münchner Merkur mit. Die alten Tunnelwände gegen die Feuchtigkeit abzudichten, ist Aufgabe der Bahn, und man arbeite daran. Neue Fliesen anzubringen – dafür sei die Stadt zuständig, heißt es.

Beleuchtung und Belüftung: Das, so die Bahn, muss nicht von uns, sondern der Stadt geregelt werden.

Tauben: Die Vögel verschmutzen den ohnehin schon schmuddeligen Tunnel noch mehr. Taubennetze könnten helfen. Die Netze zu beschaffen ist Aufgabe der Stadt, da sie aber am Bahngebäude nötig wären, müssten sich auch hier beide Seiten koordinieren.

Für einen Neubau der unbeliebten Unterführung sieht die Bahn übrigens keinen Anlass. Sie sei schließlich verkehrssicher…

Johannes Welte, Annika Schall

Johannes Welte

Johannes Welte

E-Mail:Johannes.Welte@tz.de

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