Lkw rammt Brücke

Unfall hat tagelang Folgen - für Autos, S-Bahn, Züge

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Ein Betonpumpen-Laster krachte um 5 Uhr früh gegen diese Unterführung. Das Foto zeigt die Aufräumarbeiten.

München - Freitagfrüh wurde die "Seufzerbrücke" in Moosach schwer beschädigt, der Schaden geht in die Millionen. Und die Auswirkungen auf den Münchner Verkehr sind enorm.

Dieser Betonpumpen-Laster sorgte für fünf Millionen Euro Schaden.

Münchens Verkehrspolizisten nennen die alte Eisenbahnbrücke über die Dachauer Straße in Moosach schon lange die „Seufzerbrücke“, weil sie so oft gerammt wird. Jetzt seufzt und stöhnt die halbe Stadt: Freitagfrüh wurde das leidgeprüfte Brücken-Bauwerk so schwer beschädigt, dass es nur noch eingeschränkt von Zügen befahrbar ist und eventuell sogar abgerissen werden muss. Schuld daran ist ein italienischer Lkw-Fahrer (29), der um 5 Uhr früh versuchte, mit einer 3,90 Meter hohen und 250 000 Euro teuren Betonpumpe durch die nur 3,40 Meter tiefe Eisenbahnunterführung fahren. Er hatte sich blind auf sein Lkw-Navi verlassen.

Doch das Navi irrte. Dieser 50-Zentimeter-Irrtum bescherte dem Lkw-Fahrer einen schmerzhaften Nasenbeinbruch und wird Autofahrer, S-Bahn- und Zugverbindungen auf unabsehbare Zeit ins Chaos stürzen. Denn die Brücke ist ein Nadelöhr, über das außer den Güterzügen auch die Flughafen-S-Bahn S1, der Fernverkehr und alle Züge Richtung Niederbayern rollen.

Statiker stellten fest, dass das S-Bahn-Gleis bei dem enormen Aufprall um fünf Zentimeter angehoben wurde und nicht mehr befahrbar ist. Das Gleis und der Schotter werden in der nächsten Woche abgetragen. Erst dann ist ein Blick ins Innenleben der Brücke möglich. In der nächsten Woche wird sich dann vermutlich entscheiden, ob die Seufzerbrücke noch einmal repariert werden kann. Schon jetzt wird der Schaden auf fünf Millionen Euro geschätzt.

Bilder: Lkw bleibt in Unterführung stecken

Bilder: Lkw bleibt in Unterführung stecken

Die Verkehrspolizei leitete die Autofahrer am Freitag über die Max-Born-Straße um. „Wir arbeiten schon an einem Umleitungskonzept“, versprach der Chef des Münchner Unfallkommandos, Marcus da Gloria Martins. Er rechnet damit, dass die Unterführung während der Überprüfung und eventuellen Instandsetzung immer wieder gesperrt werden muss.

Einschränkungen gibt es schon jetzt für Bahn-Reisende: Bis auf Weiteres fahren die Regionalzüge Richtung Landshut, Regensburg oder Passau in beiden Richtungen stadtauswärts mit verminderter Geschwindigkeit über das freie Gleis, stadtauswärts auf Gütergleisen über den Nordbahnhof. Die Regionalzüge halten außerplanmäßig auch in Feldmoching und Moosach. Die Fahrzeiten verlängern sich um etwa zehn bis 20 Minuten.

Die S-Bahnen der Linie S1 beginnen und enden in/aus Richtung Freising und Flughafen vorerst in Feldmoching. Zwischen Ostbahnhof und Feldmoching fahren keine S-Bahnen. Fahrgäste können aus der Innenstadt die U2 und U3 nach Feldmoching und Moosach nutzen. Zusätzlich setzt die S-Bahn zwischen Moosach und Feldmoching Busse und Taxis ein.

Derzeit wird ein neues Verkehrskonzept entwickelt, um nach Möglichkeit auch wieder die S1 durchgängig fahren lassen zu können. Die S-Bahn informiert die Fahrgäste immer aktuell unter www.s-bahn-muenchen.de.

dop

Nicht aufregen!

Ich arbeite beim Tengelmann gleich hinter der Unterführung. Vermutlich komme ich ein paar Minuten zu spät. Aber hier passiert so oft was, so dass ich mich schon gar nicht mehr groß aufrege.

Fayaz Moradi (30), ­Angestellter, München

Oft Verspätung

Auf der Strecke kommt es oft zu Verzögerungen und Ausfällen. Ich bin gerade auf dem Weg in die Arbeit und komme sicherlich 30 Minuten zu spät, muss nochmal umsteigen.

Martin Spiekermann (54), Landschaftsplaner, München

Großer Umweg

Ich muss wegen der Sperrung ungefähr zwei Kilometer ­Umweg fahren und komme zu spät in die Arbeit. An dieser Unterführung passieren sehr oft irgendwelche Unfälle.

Rasit Cetin (49), Koch, ­München

Das nervt!

X-Mal ist das schon passiert. Ich wollte gerade mit der S-Bahn zum Marienplatz fahren. Jetzt muss ich die U-Bahn nehmen. Wenn man eh schon unter Zeitdruck ist, dann nervt’s.

Helga Gürster (75), Rentnerin, München

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

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