"Eine überfallartige Vorgehensweise“

Kleinstwohnungen am Dantebad: Anwohner fordern Stopp der Pläne

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112 Kleinstwohnungen will die Stadt über dem Parkplatz des Dantebads (rot umrahmt) errichten lassen.

München - Wird hier ein sozialer Brennpunkt geschaffen? Die Dantebad-Anrainer fürchten genau das und fordern Stadt auf, die Wohnungsbaupläne über dem Parkplatz an der Homerstraße sofort zu stoppen.  

Der geplante Bau von 112 Wohnungen für Geringverdiener und anerkannte Flüchtlinge am Dantebad sei ein „Integrationshindernis“, klagen die Anwohner. Bei der Einwohnerversammlung machten sie ihrem Ärger jetzt Luft.

Moosach ist wütend. Denn die Bürger haben nicht das Gefühl, gefragt worden zu sein. Über dem Parkplatz des Dantebads an der Homerstraße soll neuer Wohnraum entstehen: 112 günstige Einzimmerappartements. Bis Jahresende sollen die Wohnungen bezugsfertig sein. Bei der Einwohnerversammlung war die Stimmung hitzig. „Das ist eine überfallartige Vorgehensweise“, so ein Anwohner. „Wir sind Bürger eines sehr guten Viertels, und das steht auf der Kippe“, sagte ein anderer. In drei Anträgen forderten die Moosacher den Bezirksausschuss (BA) auf, die Planungen sofort zu stoppen.

Dabei sollte es doch um ein Vorzeigeprojekt gehen: Mit dem Programm „Wohnen für alle“ will die Stadt schnell günstigen Wohnraum schaffen, denn der Bedarf ist riesig. 3000 neue Wohnungen sollen bis 2020 entstehen. Der Neubau an der Homerstraße ist das Pilotprojekt. „Vielleicht schaffen wir es, Sie für das Projekt zu begeistern“, hatte Klaus-Michael Dengler, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag, zu Beginn der Veranstaltung gesagt. Doch viele der Bürger wollten ihrer Wut Luft machen. Schon jetzt sei das Parkplatzproblem im Viertel gewaltig. „Im Sommer schlagen sich die Leute um die Parkplätze“, klagte eine Anwohnerin.

"Männerwohnheim" mit "Käfighaltung"

Die Moosacher fürchten sich vor einem „Männerwohnheim“ am Dantebad. Es wird nur Einzimmerappartements geben, keine Wohnungen für Familien. Die Appartements sollen zu 49 Prozent an einkommensschwache Haushalte gehen, die beim Wohnungsamt registriert sind und sich auf die Wohnungen bewerben. 51 Prozent der Wohnungen werden an anerkannte Flüchtlinge vergeben. Die Vorstellung, die viele Nachbarn dabei haben: Viele alleinstehende Männer – aus einem anderen Kulturkreis, die keine Arbeit haben und denen in den kleinen Appartements die Decke auf den Kopf fällt. Als „Käfighaltung“ bezeichnete einer der Anwohner das Projekt.

Die Bewohner werden "handverlesen"

Dank der Modulbauweise können die Appartements später auch in größere Wohnungen umgewandelt werden, doch im Moment gibt es in München einen hohen Bedarf an Wohnungen für Singles. „80 Prozent der Flüchtlinge sind alleinstehend“, sagt Monika Betzenbichler vom Amt für Wohnen und Migration.

Viele Anwohner befürchten, dass die neuen Nachbarn auf dem Parkplatz und den umliegenden Straßen herumhängen werden. „Meine Frau traut sich jetzt schon nicht mehr abends mit der U-Bahn fahren“, so ein Nachbar. Auch die geplante Dachterrasse sei nicht hilfreich, von dort habe man Blick auf das Freibad mit FKK-Bereich. „Ich mache Sie für jede einzelne Vergewaltigung verantwortlich“, rief eine Moosacherin unter dem Applaus der Besucher. Monika Betzenbichler verwies darauf, dass die Stadt 40 Prozent Frauen und 60 Prozent Männer unterbringen wolle. Die Flüchtlinge würden „handverlesen“. Sie müssten in einem persönlichen Gespräch ihre Motivation und Integrationsbereitschaft beweisen. „Das ist schon ein Rosinenpicken“, sagt Betzenbichler. Auch einen Sozialpädagogen vor Ort solle es geben.

"Hier wohnt gesunder Mittelstand"

Die Stadt hofft aber auch, dass sich die Nachbarn bei der Integration beteiligen. Doch die sträuben sich. „Hier wohnt ein gesunder Mittelstand, und da bauen sie einen sozialen Brennpunkt hinein“, so ein Bürger. Eine Nachbarin, die selbst in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, warf der Stadtverwaltung vor, das Projekt sei „ein Wahnsinn“. In der Nachbarschaft seien viele bereit, sich zu engagieren, „aber wir wollen nicht die schlechte Planung der Stadt ausbügeln“.

Noch gibt es keine Baugenehmigung für das Gebäude. Anfang April startete die Ausschreibung. „Ihre Bedenken sind angekommen“, sagt die BA-Vorsitzende Johanna Salzhuber (SPD) am Ende. Sie hofft, dass sich der Aufruhr legt und das Projekt mit „kühlem Kopf“ beurteilt werde.

Judith Issig

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