„In der Realität ein Männerwohnheim“

Wohnungsprojekt: Dantebad-Anwohner wehren sich gegen Vorwürfe

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Direkt neben dem Dantebad plant die Stadt, einen Parkplatz zu überbauen.

München - Die Anwohner des Dantebads wehren sich gegen den Vorwurf, ihr Nein zum Haus für Flüchtlinge und Obdachlose sei fremdenfeindlich motiviert.

Die Anwohner des Dantebades verwahren sich gegen den Vorwurf, dass sie das geplante Wohnhaus für Geringverdiener und Flüchtlinge am Dantebad aus fremdenfeindlichen Motiven ablehnen. Eine Anliegerin hat jetzt sogar einen Brief an Bayerns Innen- und Bauminister Joachim Hermann (CSU) geschrieben und ihre Bedenken gegen das Projekt vorgebracht.

Bei einer Informationsveranstaltung vor zwei Wochen hatte die Verwaltung den Plan der Stadt präsentiert, über dem Parkplatz des Dantebads an der Homerstraße 112 günstige Einzimmerappartements bauen zu wollen. Bereits zum Jahresende werden die Wohnungen bezugsfertig sein. Die Appartements sollen an einkommensschwache Menschen und anerkannte Flüchtlinge vergeben werden – genau davor fürchten sich mehrere Anwohner. Sie rechnen mit steigender Kriminalität, einem neuen „sozialen Brennpunkt“.Sogar von möglichen „Vergewaltigungen“, begangen durch Flüchtlinge, war die Rede. Diese Ausfälle hatte SPD-Fraktionschef Alexander Reissl (SPD) als „Pegida-Ton“ bezeichnet.

In mehreren Schreiben an unsere Redaktion weisen Anwohner jedoch den Eindruck zurück, ein grundsätzliches Problem mit Flüchtlingen in der Nachbarschaft zu haben. „Die Wahrheit ist, dass zwar leider drei von den anwesenden 160 Personen rassistische Äußerungen von sich gaben, alle anderen Anwohner aber berechtigte und fundierte Einwände zu Architektur, Konzept und Kommunikation vorbrachten“, sagt Ursula Harper, die nur wenige Meter von dem geplanten Stelzenbau entfernt wohnt. Mehrfach hätten die Anwohner auf das Einverständnis mit einem solchen Bau hingewiesen. „Allein das Wie wurde konstruktiv kritisiert“, betont Harper, die selbst seit zwei Jahren in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, wie sie sagt.

Anwohner fürchten Probleme zwischen Obdachlosen und Flüchtlingen

Als hoch-problematisch sehen die Anwohner die geplante Belegung der „Micro-Wohnungen“ mit anerkannten Asylbewerbern und Wohnungssuchenden der Dringlichkeitsstufe 1. Dabei handelt es sich um Obdachlose oder Menschen, die akut von Obdachlosigkeit bedroht sind. „Flüchtlinge aus einem fremden Kulturkreis werden mit sozial am Rande der Gesellschaft stehenden und somit oftmals gescheiterten Menschen mit den unterschiedlichsten Historien und Lebenslinien zusammengepfercht“, analysiert Anwohner Ferenc Tahy. „Diejenigen, die am Rande stehen, haben durchaus nachvollziehbar recht wenig Verständnis für diejenigen, die ihnen aus ihrer Sicht die wenigen zu verteilenden ,Brotkrümel‘ streitig machen.“ Das sei menschlich und unter Berücksichtigung der Umstände nicht verwerflich, wenn auch nicht zutreffend, schreibt Tahy in einem Brief an den Stadtrat. „Mit diesem Modell erfolgt somit eine lokale Abschiebung der anerkannten Flüchtlinge in die Isolation, und obendrein sind sie mit Menschen konfrontiert, die aufgrund ihrer Situation, nun wahrlich nicht der Motivation und Integration dienen.“

"Garantie für Schaffung eines sozialen Brennpunkts"

Die nachträglich halbherzig gestreute Information, dass auch weibliche Belegung möglich sei und zum Teil durchaus Familien denkbar wären, könne selbst der naivste Befürworter nicht ernst meinen, so Tahy. „Die Kenntnis über die Bauweise (nicht für Familien und Kindern zulässig) und die Belegung erübrigen an dieser Stelle weitere Erklärungen. Dieses Projekt ist in der Realität ein Männerwohnheim. Mit sozialem Charakter und Integration hat dies nichts zu tun.“ Dies sei eine „Garantie für die Schaffung eines sozialen Brennpunkts“.

„Die politisch geschuldete 50:50-Belegung soll besorgte Bürger beruhigen, wird sich aber als äußerst schwierig erweisen“, glaubt Anwohnerin Agnes Griesbeck. Auch der sich natürlich ergebende „dauernde Wechsel“ werde eine stabile Struktur im Haus nicht erlauben. „Für uns Anwohner bedeutet dies permanenter Neuanfang anstelle langfristigen Zusammenwachsens.“ Die Anlieger werfen der Politik vor, das Projekt „durchgepeitscht“ zu haben. „Der Eindruck, der sich uns an diesem Abend aufdrängte, war der Versuch, puren Aktionismus nachträglich rechtfertigen zu müssen“, so das Fazit von Agnes Griesbeck und Ursula Harper. 

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