Zeuge schildert den Todeskampf

Mord an der Isar: Oliver sah das Leid aus nächster Nähe

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Oliver M. zeigt, wo Domenico zusammengesackt war.

München - Der fiese Messermord an der Isar - Zeuge Oliver M. kam nur wenige Minuten nach dem schrecklichen Angriff am Tatort vorbei. In der tz schildert er seine unimittelbaren Eindrücke. 

Mordopfer Domenico L. (31) wird in seiner Heimat in Süditalien beerdigt

Von weitem sah es aus wie ein Radl-Unfall. Aber als Oliver M. (24) am Dienstagabend gegen 22.05 Uhr dem am Boden liegenden Domenico L. (31) näher kam, war ihm sofort klar: „Da ist ein furchtbares Verbrechen passiert. Die Blutlache wurde immer größer!“ Der Münchner Student sah das Leid aus nächster Nähe! Er joggte nur wenige Minuten, nachdem der unheimliche Messer-Mörder auf den EADS-Ingenieur eingestochen hatte (tz berichtete), am Tatort an der Erhardtstraße vorbei! „Es war noch kein Notarzt und keine Polizei da. Ich sah nur die Freundin, wie sie verzweifelt neben ihm kniete und betete. Sie war fix und fertig. Daneben stand ein Ersthelfer, der ihn in die stabile Seitenlage brachte“, sagt Oliver M. zur tz.

Er ist einer der wenigen Zeugen, die die Ermittler bislang befragen konnten. Nur 30 Hinweise sind bis Freitagmittag bei der Polizei eingegangen, die Spurenlage ist dürftig. Nach tz-Informationen haben die Rechtsmediziner auch nicht genügend Spucke, um sie schon jetzt eindeutig zuordnen zu können. Der Täter hatte Giulia (Name geändert) im Vorbeifahren ins Gesicht gespuckt. Als ihn Domenico deshalb zur Rede stellen wollte, kam es zur Rangelei – und zu dem tödlichen Stich ins Herz.

Zeugen vom Kulturstrand gesucht

Anwohner legten ein Herz am Tatort ab - darauf steht: „Du wirst uns in Erinnerung bleiben“.

Giulia hatte die Tat aus etwa 50 Metern Entfernung beobachtet. Zeuge Oliver M.: „Die Blutflecken deuteten darauf hin, dass Domenico seiner Freundin wohl noch ein paar Meter entgegen lief und dann zusammensackte.“ Die Rettungskräfte brachten Domenico sofort ins Klinikum rechts der Isar. Giulia aber blieb tapfer am Tatort zurück, beschrieb den Mörder und wiederholte mehrfach, dass er Richtung Corneliusbrücke geflüchtet war. „Der muss beim Kulturstrand vorbeigekommen sein. Vielleicht ist den Gästen dort etwas aufgefallen. Hoffentlich wird der Täter bald gefasst“, sagt Oliver. Im Rahmen seiner Aussage nahmen die Beamten auch von ihm eine (freiwillige) Speichelprobe: „Sollte ich beim Joggen an der Strecke Spuren hinterlassen haben, wollen sie die wohl schnell aussortieren.“

Gegen 23.30 Uhr machte sich der Student schließlich auf den Heimweg. Kurz zuvor hörte er noch den Funkspruch aus dem Klinikum: Domenico war seinen schweren Verletzungen erlegen.

Sebastian Arbinger

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