Poschinger-Mord: Arzt soll Angeklagten entlasten

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Rainer H. (40) soll den Münchner Manager Dirk von Poschinger-Camphausen mit 13 Schüssen hingerichtet haben.

München - Verteidiger Christian Finke gibt nicht auf: Um zu beweisen, dass sein Mandant Rainer H., 41, den Manager Dirk von Poschinger-Camphausen, 36, nicht umgebracht haben kann, will der Anwalt jetzt einen Arzt des Angeklagten vorladen.

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Sein Mandant, sagte Finke am Donnerstag im Prozess vor dem Schwurgericht, sei zum Tatzeitpunkt am 10. Januar 2010 körperlich nicht in der Lage gewesen, die Leiche von Poschinger-Camphausen zu tragen. Dies aber hätte er tun müssen, sollten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zutreffen. 

Wie berichtet, gehen die Ankläger davon aus, dass Rainer H. sein Opfer in seine Garage in Laim gelockt und dort mit 13 Schüssen getötet hat, um dessen gut 50 000 Euro teuren Audi A 8 verkaufen zu können. Nach dem Mord soll Rainer H. die Leiche von Dirk von Poschinger-Camphausen in einen vor dem Haus geparkten VW Bus geschleppt haben, wo Polizisten die Leiche zwei Tage später fanden.

Zu diesem Kraftakt aber sei sein Mandant unmöglich in der Lage gewesen, sagt Finke. Rainer H. sei im August 2009 an der Leiste operiert worden und habe seither an starken Schmerzen gelitten. Mehr als 25 Kilogramm hätte sein Mandant zu dieser Zeit nicht heben können, gibt Finke an. Dies könne Rainer H.s Arzt bestätigen.

Deshalb solle das Gericht den Mediziner als Zeugen hören und ein Sachverständigen-Gutachten zu diesem Thema einholen. Danach würde feststehen, dass Rainer H. nicht als Alleintäter gehandelt haben könne. Da die Spuren aber auf keinen Zweittäter schließen lassen, bestünden folglich erhebliche Zweifel an der Schuld des Angeklagten.

Staatsanwältin Nicole Selzam reagiert gelassen auf den Antrag. Ihren Ermittlungen zufolge komme nur Rainer H. als Täter in Frage. Dafür sprächen zahlreiche Beweise und Indizien: Genspuren würden Rainer H. ebenso belasten wie Schmauchspuren an seiner Kleidung. Zudem gibt es einen Zeugen, der Rainer H. dabei beobachtet haben will, wie er einen schweren, sehr langen Plastiksack in den VW-Bus gehievt hat. Dort hatten Polizisten Poschinger-Camphausen in Leichensäcke gehüllt entdeckt. Der Prozess geht im Februar weiter.

bl

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