"Du hast mir meinen Sohn genommen!"

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Lorenzo M. wollte eigentlich nur ein Auto kaufen.

München/Fulda - Er lockte den Münchner Lorenzo M. (17) mit einer fingierten Auto-Anzeige nach Fulda und erschoss ihn. Nun steht der mutmaßliche Mörder vor Gericht. Ein Verwandter drohte dem Angeklagten.

Der Tatort in Fulda.

Handschellen, Lederschnalle, zwei bewaffnete Muskelprotze – für den mutmaß­lichen Mörder des 17-jährigen Lorenzo M. aus München galt am Dienstag Sicherheitsstufe eins. In Fulda begann der Mordprozess gegen Oliver P. (39): Er soll im Februar Lorenzo und seinen Cousin Ali (20) nach Fulda gelockt haben, um ihnen 15 000 Euro für ein angebliches Autoschnäppchen abzunehmen.

„Wenn der rauskommt, machen wir unsere eigenen Gesetze“, drohten die Verwandten von Lorenzo, die zum Prozess­auftakt aus München angereist waren. Zehn schwarz gekleidete Beamte eines Mobilen Einsatzkommandos ließen die Fa­milie nicht aus den Augen. Selbst der Kinderwagen von Lorenzos Tochter Jaqueline (1) wurde peni­bel auf Waffen untersucht. „Glaubt ihr wirklich, dass wir so blöd sind?“, rief Lorenzos Mutter empört.

Die Emotionen kochten hoch, noch bevor Staatsanwältin Chris­tina Dern die Anklageschrift ver­lesen konnte. Als Oliver P. in den Saal geführt wurde, wurde er mit Schreien und Flüchen empfan­gen. „Du hast mir den Sohn genommen“, rief Rujita M. (37). Immer wieder hielt sie dem Mann, der wegen 15 000 Euro zum Mörder geworden sein soll, ein Foto ihres Sohnes hin: „Was waren seine letzten Worte? Sag es mir!“

Doch Oliver P. schwieg beharrlich, starrte eiskalt ins Publikum – oder such­te den Blick seiner mitangeklag­ten Freundin Mareen S. (31). Sie hatte Lorenzo und Ali laut Anklage zum Fuldaer Hauptbahn­hof bestellt – obwohl sie wusste, dass es gar keinen VW-Transporter zu verkaufen gab. Staatsanwältin Dern: „Sie wollte ihren Freund beim Betrug unter­stützen. Von der Waffe wusste sie nichts.“

Die Waffe – eine halbautomatische Gabilondo-Pistole, Kaliber neun Mil­limeter – soll der Tauchlehrer versteckt am Körper getragen haben, als er die zwei Münchner vom belebten Hauptbahnhof in eine dunkle Seitengasse lotste. Dort gab er vor, auf seinen Schwager warten zu müssen. Der verkaufe schließlich das Auto, behauptete er. Gegen 19.40 Uhr an jenem eiskalten Fe­bruartag dirigierte er sie aufs Gelände eines Bildungszentrums. Staatsanwältin Dern: „Sie liefen in der Dunkelheit vier bis fünf Meter vor dem Angeklagten, rechneten nicht mit einem Angriff auf ihr Leben.“ Dann fielen, so die Anklage, neun Schüsse: Sieben trafen Lorenzo, zwei waren tödlich. Ali konnte in eine Tankstelle fliehen. Während er um Hilfe schrie, durchsuchte Oli­ver P. laut Polizei das Opfer nach dem Geld. Vier Tage nach der Tat wurden Oliver P. und Mareen S. festge­nommen. Ein Polizist hatte den wegen Vermögensdelikten vorbe­straften Mann auf Fotos der Überwachungskamera am Fulda­er Hauptbahnhof wiederer­kannt. Seine Freundin führte die Ermittler zur im Feld versteckten Waffe.

Mareen S. ist nur wegen Beihilfe zum versuchten Betrug ange­klagt. Sie ist bisher auf freiem Fuß – zum Unverständnis von Lorenzos Familie.

Onkel Grancin M. (38): „Solche Leute dürfen nicht mehr raus aus dem Knast. Sie wusste doch, was ihr Freund vorhatte.“ Auf seinem Arm wiegt er bei diesen Worten Jaqueline, Lorenzos Tochter. Mit Billigung des Richters hatte sie die ersten Minuten des Prozesses im Sit­zungssaal bleiben dürfen. Doch als sie zu weinen begann, musste sie zur Empörung ihrer Familie raus. „Sie muss weinen, für Papa. Er ist ihr genommen worden“, riefen sie.

Tödlicher Autokauf

Münchner (17) bei Autokauf in Fulda erschossen

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