Mordversuche bei Entbindungen

Prozess: Das schreckliche Motiv der Hebamme

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Die 34-Jährige Hebamme ist wegen neunfachen Mordversuchs angeklagt. Foto: Sven Hoppe

München - Wegen mehrerer Mordversuche an schwangeren Frauen muss sich seit Dienstag eine Hebamme vor dem Münchner Schwurgericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 34-Jährigen vor, sie habe versucht, bei ihrer Arbeit im hessischen Bad Soden und am Münchner Klinikum Großhadern mehrere schwangere Frauen zu töten.

Von den ursprünglich neun angeklagten Fällen stellte das Gericht am ersten Verhandlungstag zwei ein. Es folgte damit einem Antrag der Staatsanwaltschaft, die davon ausgeht, dass die beiden Fälle das mögliche Strafmaß nicht sonderlich beeinflussen. Der Anwalt der Angeklagten bezeichnete die Anklageschrift insgesamt als "sehr, sehr dünne Geschichte". Es gebe beispielsweise keinen Tatnachweis von Heparin, schließlich "wurde keine Ampulle sichergestellt", so der Verteidiger. Nach Einschätzung unseres Reporters Stefan Sessler scheint es auf einen langen Indizienprozess hinauszulaufen.

Anklage: Blutverdünnende Mittel bei Kaiserschnitten

In mehreren Fällen hatte die Frau laut Anklage den Infusionen der Frauen vor Kaiserschnitten heimlich blutverdünnende Mittel zugefügt. Notoperationen verhinderten, dass die Frauen verbluteten. Zwei Frauen wurde die Gebärmutter entfernt. In einem Fall soll die Hebamme sogar ein Mittel verabreicht haben, das bei Abtreibungen eingesetzt wird.

Das Motiv der Frau laut Anklage: "Aufwertung ihres Selbstwertgefühls" und "insgeheime Demonstration einer Überlegenheit". Die Angeklagte wollte sich am Dienstag vor Gericht zunächst nicht äußern. Eine der betroffenen Frauen war als Nebenklägerin im Gerichtssaal anwesend. Sie brach bei der Verlesung der Anklage in Tränen aus.

Aufgrund eines Befangenheitsantrags von Seiten der Verteidigung gegen den Rechtsmediziner, der das Gutachten angefertigt hatte, wurde der Prozess am Dienstag unterbrochen. Der Antrag stützt sich auf die Anstellung des Rechtsmediziners an der Ludwig-Maximilians-Universität, zu der auch das Klinikum Großhadern gehört. Erst am 5. Februar wird der Prozess fortgesetzt.

Stefan Sessler/dpa

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