Münchner Unternehmer Otto Eckart gestorben

"Mr. Pfanni" ist tot

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Der Herr der Knollen: Otto Eckart im Kartoffelmuseum. 

München - „Pfanni – mein Leben“ lautet der Titel der Unternehmerbiografie, die Otto Eckart vor vier Jahren herausgegeben hat. Im Alter von 80 Jahren ist „Mr. Pfanni“ am Sonntag nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.

München verliert eine Persönlichkeit, die wirtschaftliche und soziale Verantwortung stets vorgelebt und umgesetzt hat.

Geboren wurde der Unternehmer am 25. Februar 1936 in München. Sein Vater Werner gründete 1949 das Unternehmen Pfanni. Nach dem Abitur studiert Otto in USA und Berlin, 1961 steigt er in Vaters Firma ein und baut die Pfanni-Werke München zu einem international agierenden Lebensmittelkonzern aus.

Die Pfanni-Werke in Berg am Laim entwickeln sich in den 60er-Jahren zur größten Kartoffelküche Europas: Jährlich werden hier drei Millionen Zentner Kartoffeln verarbeitet. Unter der Ägide Otto Eckarts eröffnen zwei weitere Produktionsstandorte in Deutschland. Pfanni erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 400 Millionen Mark. Doch Veränderungen auf dem Weltmarkt, sinkende Verkaufszahlen von Kartoffelfertigprodukten und die für Industrie zunehmend schwierige Lage im Münchner Stadtgebiet veranlassen Vater und Sohn Eckart, das Unternehmen 1993 zu verkaufen. 1996 wird die Produktion in München eingestellt. In die Münchner Pfanni-Hallen ziehen unter dem Titel „Kunstpark Ost“, später „Kultfabrik“, Künstler und Nachtleben ein. Derzeit wird das Areal unter der Regie von Ottos Sohn Werner zum Werksviertel samt neuem Münchner Konzertsaal umstrukturiert.

Mehrfach gewürdigt

Neben seiner Tätigkeit als Unternehmer war Otto Eckart in mehreren wirtschaftspolitischen Verbänden aktiv. Sein Credo: „Es ist die Verantwortung eines jeden Unternehmers, sich auch außerhalb seiner Firma zu engagieren.“ So war er unter anderem Beiratsmitglied der Hypo-Vereinsbank, Beiratsmitglied des Gerling-Süd-Konzerns und Präsident des Fachverbands der europäischen Kartoffelverarbeiter. Von 1974 an agierte er als Honorarkonsul von Guatemala in Bayern, half dort bei Notfällen und Naturkatastrophen, ermöglichte den Bau von Schulen und die Wiederaufforstung des Regenwalds im Nationalpark.

Eckart übernahm auch den Vorsitz im von seinem Vater gegründeten Münchner Verein für Kinderspielplätze und Grünanlagen und stellte ihm die Münchner-Kindl-Stiftung zur Seite. Aus Anlass seines 60. Geburtstages gründete Eckart 1996 die Stiftung Otto Eckart, die Projekte von Kinder- und Jugendhilfe, Bildung, Umweltschutz sowie Kunst und Kultur fördert. Die Stiftung betreibt auch das „Kartoffelmuseum“ in München. Als Ehren-Erster Generalprior des internationalen „Ordre du Saint Fortunat“ zur Förderung des Guten und des Schönen baute der vielseitige Unternehmer zudem von Deutschland aus eine länderübergreifende Wohltätigkeitsvereinigung auf, die bis nach Japan wirkt.

Für seine Verdienste wurde Otto Eckart mehrfach gewürdigt, unter anderem war er Träger des Bundesverdienstkreuzes, des deutschen und des bayerischen Verdienstordens sowie weiterer Auszeichnungen aus dem In- und Ausland. In seiner Familie veranstaltete Otto Eckart große Familientreffen, zu denen rund 500 Eckarts aus der ganzen Welt zusammenkamen. Seine persönliche Vorliebe galt der bildenden Kunst sowie der Musik, der er sich – als Nachfahre des Flötenkonstrukteurs und Komponisten Theobald Böhm – besonders verbunden fühlte. Die Musik von Richard Strauss und Richard Wagner hatte es ihm besonders angetan. Mit namhaften Beträgen förderte Otto Eckart den Wiederaufbau der Staatsoper in Berlin sowie das Bayerische Nationaltheater.

Carmen Ick-Dietl

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