Amtsgericht München

Zwei Mädchen belästigt: S-Bahn-Täter muss drei Monate in Haft

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An einem Oktobersamstag im vergangenen Jahr passierte die Tat an der Donnersbergerbrücke.

München - Er belästigte zwei Mädchen an einem S-Bahnhof, versuchte, den Mann zu schlagen, der diesen zu Hilfe kam und zertrat eine Scheibe: Ein 39-Jähriger ist vom Amtsgericht nun zu drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden.

Die Tat ereignete sich an einem Samstag im Oktober vergangenen Jahres, als der bereits alkoholisierte 39-Jährige am S-Bahnhof Donnersbergerbrücke zwei Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren anging. Die Teenager saßen auf einer Treppe und warteten auf ihre S-Bahn, als der jetzt Verurteilte, der selbst Vater von zwei Kindern ist, sie als „Schlampen“ bezeichnete. Als die Mädchen den Mann aufforderten, sie in Ruhe zu lassen, reagierte dieser nicht. Stattdessen folgte er ihnen in die S-Bahn und belästigte sie weiter.

Ein Fahrgast kam den jungen Frauen schließlich zu Hilfe und forderte den Betrunkenen auf, die Mädchen in Ruhe zu lassen und auszusteigen. Doch der 39-Jährige stellte seine Taschen ab, krempelte die Ärmel hoch und sagte zu dem Helfer, er solle zu ihm kommen. Mit der rechten Hand holte er aus und versuchte, nach dem Kopf des Mannes zu schlagen, was ihm aber nicht gelang. Als der Attackierte den 39-Jährigen wegschubste, gingen mehrere andere Fahrgäste dazwischen und schoben den Angreifer an der nächsten S-Bahn-Haltestelle ins Freie.

Der 39-Jährige wehrte sich mit aller Kraft, beschimpfte alle Beteiligten mit „Halt’s Maul“ und „Arschloch“ und trat und hämmerte schließlich – wieder in der S-Bahn – so hart gegen eine Trennscheibe im Abteil, dass diese zu Bruch ging. Die beiden Mädchen, die am Harras völlig verstört aus der S-Bahn ausstiegen, versuchten, im Nachhinein, ihren Helfer über einen Facebook-Post zu finden. Ein Radiosender hatte den Mann schließlich ausfindig machen können.

Beim Strafmaß habe das Gericht berücksichtigt, dass der 39-Jährige umfassend geständig gewesen sei und sich auch bei den jungen Frauen entschuldigt habe, hieß es von Seiten des Münchner Amtsgerichts. Zudem habe der Mann, der kaum Deutsch spreche, in dem Verfahren bereits zwei Monate in Untersuchungshaft gesessen. Allerdings: Weil er die Sozialprognose für schlecht hielt, setzte der Richter die Freiheitsstrafe von drei Monaten nicht zur Bewährung aus. Der Verurteilte ist vorbestraft und war erst kurz vor der Tat aus der Haft entlassen worden.

Ausdrücklich betonte der Richter auch, dass das Urteil im Sinne einer generalpräventiven Abschreckung vor Straftaten im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs zu verstehen sei. Monika Andreß, Pressesprecherin des Amtsgerichts, relativierte diese Aussage auf Nachfrage allerdings ein wenig: Das rechtskräftige Urteil (AZ 855 Ds 258 Js 109321/16) sei nicht so zu verstehen, dass das Amtsgericht generell bei Straftaten in Bussen und Bahnen hart durchgreife, erklärte sie. Jeder Fall sei eine Einzelfallentscheidung. „Hier handelt es sich um eine persönliche Wertung des Richters.“

Das erklärte Ziel, Straftaten im Nahverkehr einzudämmen, hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ausgegeben. Erst im März stellte er die neue „Koordinierungsgruppe Körperverletzung“ vor. Landespolizei und Bundespolizei arbeiten bei der Verfolgung von Körperverletzungsdelikten im öffentlichen Nahverkehr nun im Kommissariat 24 an der Türkenstraße enger zusammen. Zudem gehen sie gemischt auf Streife. Die Zahl der Körperverletzungsdelikte im Öffentlichen Nahverkehr ist in den vergangenen Jahren nach Angaben des Innenministers zwar rückläufig. Dennoch gab es in ganz Bayern im Jahr 2015 noch 1790 Fälle. Herrmann setzt zudem auf Videoüberwachung. Sie erhöhe das subjektive Sicherheitsgefühl der Fahrgäste, leiste einen großen Beitrag zur Aufklärung von Straftaten und diene zur Abschreckung von potentiellen Straftätern.

Nach Angaben von Bundespolizeidirektor Jürgen Vanselow zeige sich bei Gewaltdelikten in der S-Bahn eine gleichbleibende Tendenz im Vergleich zum Vorjahr. Die S-Bahn sei angesichts der vielen Reisenden, die diese täglich nutzen, ein sicheres Verkehrsmittel. Laut Bundespolizei finde nur ein Bruchteil der Gewaltstraftaten direkt in der S-Bahn statt, der Großteil ereigne sich an Bahnhöfen oder Haltepunkten.

Die 253 Züge der S-Bahn München werden alle videoüberwacht. Laut S-Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp sind in den Wägen insgesamt 3938 Kameras installiert. Darüber hinaus seien im S-Bahn-Bereich München an Bahnhöfen insgesamt 582 Kameras aufgestellt.

Caroline Wörmann

Caroline Wörmann

E-Mail:Caroline.Woermann@merkur.de

Stefanie Wegele

Stefanie Wegele

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