Nachfolgerin für Brigitte Meier

Dorothee Schiwy: Münchens neue Sozialreferentin

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Herzliche Übergabe: Noch-Referentin Brigitte Meier (re.) gratuliert ihrer Nachfolgerin Dorothee Schiwy.

München - Jetzt ist die Referenten-Riege komplett: Dorothee Schiwy, 43 Jahre, wird ab Juli das Sozialreferat leiten. Sie wolle künftig „das soziale Gewissen“ für die Stadt sein, kündigte sie an. Am Mittwoch wurde sie vom Stadtrat gewählt – in einer Wahl mit kuriosen Zügen.

Dorothee Schiwy hat eine bunte Haarsträhne, am Mittwoch leuchtet sie violett. Nein, die Farbe wechsele nicht je nach ihrer Stimmung, antwortet sie lachend auf eine Journalistenfrage. Aber ja, die Strähne sei ein „Statement“: Sie zeige, „dass ich Konformität hinterfrage. Dass ich Menschen gern zum Nachdenken anrege.“ Keine schlechten Eigenschaften für eine Sozialreferentin.

In dieses Amt wurde die Juristin Schiwy, 43 Jahre, SPD-Mitglied, gestern gewählt. Ziemlich eindeutig: Von 77 stimmberechtigten Anwesenden im Stadtrat bekam sie 48 Stimmen, also – entsprechend den schwarz-roten Mehrheitsverhältnissen – quasi genauso viel wie die fünf anderen Referenten, die bereits im Februar neu gewählt worden waren.

Die SPD-Fraktion hatte sich intern früh auf Schiwy festgelegt. In den vielen Jahren, in denen sie das Büro von Alt-OB Christian Ude (SPD) leitete, habe sie „die Verwaltung in allen Facetten kennengelernt“, sagte Stadtrat Christian Müller (SPD). Seit 2014 hatte sie eine Leitungsfunktion im Bildungsreferat inne, bis Noch-Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) sie vor einem halben Jahr als Stadtdirektorin und Stellvertreterin zu sich holte. Sie habe „bewiesen, dass sie gut, verständnisvoll, aber auch konsequent mit Mitarbeitern umgehen und Prozesse organisieren kann“, so Müller. Ihre Klientel, Menschen in Not, habe sie „klar im Blick“. In der Flüchtlingsfrage werde sie wohl Meiers Kurs fortsetzen.

Der Job der Sozialreferentin war bundesweit ausgeschrieben worden, nachdem Meier ihre Kandidatur für eine zweite Amtszeit zurückgezogen hatte. Eigentlich wollte sie weitermachen, stolperte aber über die Debatte um versäumte Erstattungsfristen für Flüchtlingskosten. Das Ende ging ihr nahe: Als OB Dieter Reiter (SPD) ihr gestern seinen „ganz, ganz herzlichen Dank für Ihren Einsatz“ aussprach, die enge Zusammenarbeit in der Flüchtlingsfrage lobte und dass sie ihren Job bis zum letzten Tag gut gemacht habe – da kämpfte Meier mit den Tränen.

Es ist ein trauriger, aber auch ein würdiger Abschied. Meier hat die letzten Monate ihre Nachfolgerin systematisch aufgebaut, ihr viel Wissen weitergegeben – und sie gestern beim Gratulieren herzlich umarmt. Danach erklärte Schiwy ihr Amtsverständnis: Sie hoffe, auch „ein Stück weit das soziale Gewissen“ zu sein. In München, der „Stadt der Reichen und Schönen“, gelte es sichtbar zu machen, dass es auch andere Menschen gibt. Und dafür zu sorgen, „dass sie auch in der Stadt bleiben können und sich zuhause fühlen“.

Es sind schwere Aufgaben, die ihr bevorstehen. Sie will einige Prozesse im Sozialreferat verbessern und dieses „noch besser aufstellen“. Man müsse lernen aus „den Erlebnissen“ mit dem Abrechnungschaos der wirtschaftlichen Jugendhilfe für Flüchtlinge. Der Fachkräftemangel drücke, und sie sorge sich um die tausenden fehlenden Sozialwohnungen.

Von Reiter erntete sie Vorschusslorbeer: „Ich glaube, dass wir mit Schiwy eine Frau gefunden haben, die alles mitbringt für diesen Job: das richtige Gefühl, eine soziale Einstellung, aber auch viel Erfahrung in der Verwaltung und juristischen Sachverstand.“

Trotz des wichtigen Amts, trotz der vorangegangenen Querelen um den Posten trieb auch diese Wahl wieder kuriose Blüten. Neben dem klaren Ergebnis für Schiwy waren 14 Stimmen ungültig, das gilt als normal. Doch 15 Stimmen wurden für Personen abgegeben, die gar nicht kandidiert hatten: 5 für Meier, 3 für die externe Bewerberin Sandra Hertha, 2 für die Künstlerin Petra Perle, 1 für Reiter und jeweils 1 für die Stadträte Jutta Koller (Grüne), Ursula Sabathil (FW), Christian Müller (SPD) und Dominik Krause (Grüne).

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