Massiver Schaden für den Einzelhandel

Sechsstellige Zahl: So viel wird täglich in München geklaut

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Die Kameras filmten alles mit: Hier marschiert der Schampus-Dieb aus dem Käfer-Stammhaus.

München - 50 Millionen Euro Schaden sind den Münchner Kaufleuten im vergangenen Jahr entstanden: durch Diebstahl. Das will der bayerische Einzelhandel nun ändern.

Bernd Ohlmann.

Alle 60.000 bayerischen Einzelhandelsunternehmen sind betroffen, vom Tante-Emma-Lädchen bis hin zum Warenhaus. Doch keiner spricht offen darüber – außer Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Handelsverbandes Bayern (HBE), der am Freitag die neuesten Ladendiebstahls-Zahlen vorlegte. Und die sind schockierend! Allein den Münchner Kaufleuten sind dadurch im letzten Jahr 50 Millionen (!) Euro Schaden entstanden. Ohlmann rechnet vor: „Ein Prozent des Münchner Jahresumsatzes in Höhe von zehn Milliarden Euro wird als Inventurdifferenz geführt. Sie beziffert den Schwund, also 100 Millionen Euro.“ Die eine Hälfte entsteht zu gleichen Teilen durch Transportschäden, Schlampereien, etc. und durch diebische Mitarbeiter. Die andere Hälfte aber rechnet man Ladendieben zu. Im wachsenden Maße auch „straff organisierten Banden aus Osteuropa, die alle Tricks kennen, hochaggressiv agieren und ihre Beute sofort im Internet verkaufen. Sie stellen ein ernstes und teils existenzbedrohendes Problem für den Einzelhandel dar.“ Heißt also: An 300 Werktagen mit durchschnittlich zehn Stunden Öffnungszeit werden in München täglich Waren im Wert von 167.000 Euro oder stündlich 17.000 Euro gestohlen! All das zahlt letztlich der ehrliche Kunde: „Die Inventurdifferenz wird natürlich auf die Preise geschlagen.“

Was tun? Der bayerische Einzelhandel hat laut HBE im letzten Jahr 165 Millionen Euro in technische Überwachung und Prävention gesteckt. Dem enormen Schaden standen in München lediglich 7606 Anzeigen wegen Ladendiebstahls gegenüber. Das liegt zum einen an der Dunkelziffer: Nur jeder zehnte Ladendieb wird erwischt. „Wir stellen aber auch eine gewisse Anzeigenmüdigkeit fest, weil damit so viel Aufwand verbunden ist. Ein Hausverbot allein ist natürlich zu wenig. Wir sind dafür, Diebe zum Beispiel mit Führerscheinentzug zu bestrafen. Das würde abschrecken.“

Chef Mario Stock von Feinkost Käfer und seine Kollegen warteten schon am Ausgang auf den Champagner-Dieb und riefen die Polizei.

Nicht jeder Ladenbesitzer kann sich teure Technik, einen Umbau oder gar einen Security-Mann an der Tür leisten. Die schärfste Waffe sind laut Ohlmann immer noch aufmerksame Mitarbeiter und ein gutes Betriebsklima. Wie das funktioniert, machte das Mitarbeiter-Team von Feinkost Käfer um Stammhaus-Chef Mario Stock (36) vor. Im März verschwanden dort nahezu täglich kostbare Champagnerflaschen – zuletzt im Wert von 7000 Euro! Kameras wurden installiert, die ganze Mannschaft lag auf der Lauer. Die Kassenchefin erkannte den Dieb, am Nebenausgang warteten schon Stock und seine Kollegen. Der Serientäter (46) hatte mit Champagner-Diebstählen seine Drogensucht finanziert …

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