Ende August ist Schluss

Ausgetrunken! Münchens erster Spät-Kauf-Markt schließt

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Muss seinen "Späti" in wenigen Wochen schließen: Bei Inhaber Franz Huemer gilt bald das Motto "Flasche leer".

München - Flasche leer bei Münchens erstem Spät-Kauf-Markt. Inhaber Franz Huemer muss seinen Laden an der Baaderstraße in wenigen Wochen räumen. Ein Aus für immer?

Im Sommer 2014 ging ein ­Aufschrei beinahe durch die ganze Republik - die Nachricht schaffte es sogar in eine Berliner Zeitung: In München eröffnete der erste "Späti": ein kleiner Supermarkt, ein Spätkauf also, der unter der unter der Woche und sonntags bis 23, freitags und samstags bis 3 Uhr geöffnet hat. Und wo man eben auch noch dann ein Bier kaufen kann, wenn alle anderen Märkte längst geschlossen haben. Doch nun droht auch an der Baaderstraße der Ladenschluss: "Deadline ist am 31. August", sagt Inhaber Franz Huemer. "Dann müssen wir raus!"

Der 66-Jährige hat klein angefangen. Mit einem Laden für hochwertige Spirituosen und Softdrinks am Simon-Knoll-Platz in der Au - vor vier Jahren. "Das hat sich dann immer besser entwickelt, und wir wollten ein Tages­café eröffnen." Doch laut Vertrag war eine gastronomische Nutzung in diesem Bereich untersagt. "Dann haben wir gesagt, dass wir ganz rausgehen", sagt Huemer. "Wir wollten ohnehin in Richtung Glockenbach." Dort fand der 66-Jährige auch Räume, an der Baaderstraße 15.

Im Sommer 2014, als dann ein paar Häuser weiter ein Geschäft aufgab, sah Huemer seine Chance. Auch die Räume an der Baaderstraße 66 mietete er. An der Baaderstraße 15 gibt es seither den Szenedrinks Liquor Store - mit hochwertigen Spirituosen. Und an der Hausnummer 66 Münchens ersten Späti. "Das ist super angekommen, die Leute waren total geflasht."

Mietvertrag wird nicht verlängert

Nun aber läuft der Mietvertrag aus, und er wird auch nicht verlängert. Eine Begründung hat Huemer nie erhalten, sagt er. "Ich verstehe es auch nach wie vor nicht. Der Laden ist bekannt, eine Aufwertung fürs Viertel und die Immobilie." Zudem habe es nie Beschwerden von Nachbarn bei der Polizei oder der Stadt gegeben, sagt Huemer. Das bestätigt die Polizei auf Anfrage der tz. Ärgern würden sich laut Huemer nur die Kunden über die Schließung.

Doch nun ist es so, am 31. August 2016. Man hat sich damit abgefunden. "Das viel größere Problem ist, dass wir noch nichts Neues haben", sagt Huemer. Es gebe zwar leere Gewerbe-Immobilien im Umfeld, doch "die haben alle nicht die Größe, die wir brauchen".

Das schließt auch die Baaderstraße 15 aus, in der es noch den Szenedrinks Liquor Store gibt. Der soll auch bestehen bleiben. Für die nächsten Sommer.

Das Späti-Angebot

Ein Späti oder Spätkauf ist ein vor allem in Berlin üblicher Laden, der seine Waren auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten verkauft - teils sogar rund um die Uhr. In einem Spätkauf werden ­zumeist ­Getränke und Tabakwaren ­angeboten, gelegentlich aber auch ­Zeitschriften und Lebensmittel sowie Dinge des täglichen Bedarfs. Einige Spätis bieten zudem Internetzugänge an und dienen als Postfiliale im Einzelhandel.

Sascha Karowski

Sascha Karowski

Sascha Karowski

E-Mail:sascha.karowski@tz.de

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