Streit landet vor Gericht

KVR verbietet ihr, lebende Mäuse an Pythons zu verfüttern

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Evelyn S. hält in ihrer Wohnung außer den vier Schlangen auch Vogelspinnen und Rotbauchunken. Die Schlangen brauchen alle zehn Tage fünf Mäuse.

München - Darf ein Schlangen-Fan seine Tiere mit lebendigen Mäusen füttern? Und wenn ja – unter welchen Bedingungen? Evelyn S. (46) hat dazu eine klare Meinung. 

„Meine vier Pythons fressen nichts Totes!“ Sie versuche seit vier Monaten, ihre Schlangen umzuerziehen – ohne Erfolg. Das KVR hatte die gelernte Bibliotheksassistentin per Bescheid aufgefordert, keine lebenden Mäuse zu verfüttern. S. sagt: „Ich kann meine Lieblinge doch nicht verhungern lassen!“

 Der Fall landete jetzt vor Gericht. Um den Schlangen-Streit zu lösen, mussten sich alle Beteiligten erst einmal durch den deutschen Paragrafendschungel kämpfen: Nummer 17 und 18 des Tierschutzgesetzes formulieren es so: Ohne einen vernünftigen Grund darf kein Wirbeltier getötet, ohne vernünftigen Grund darf ihm kein Leid zugefügt werden. Dort heißt es aber auch: „Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seiner Bedürfnisse entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen.“ 

Das KVR bezieht sich in seinem Bescheid auf eine Empfehlung der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz: S. müsse „auf Totfutter umstellen“. Also: handelsübliche, tiefgefrorene Mäuse oder eigene, sachgerecht getötete Tiere. Ausnahme: Lebende Mäuse dürfen nur noch an Schlangen verfüttert werden, die trotz „Futter-Umstellungsversuche keine toten Mäuse annehmen.“ Wasser auf die Mühlen der Schlangenhalterin. 

Markus Baur, Leiter der Reptilienauffangstation, sagt: „Die rechtliche Lage ist ein bisschen vertrackt.“ In seiner Station verfüttert er nur noch Tiefkühlkost. Aber auch er habe eine Python, die sich beharrlich weigere. Evelyn S. befürchtet, dass die Tiefkühlkadaver ihre Schlangen krank machen könnten. „Außerdem brauchen sie die Jagd als Training – sonst gehen sie ein!“ Sie geht davon aus, dass die Ausnahmeregelung bestehen bleibt. Entscheidung nicht vor dem 30. Juni.

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