"WIR - Stimmen für geflüchtete Menschen"

"Danke-Konzert": Grönemeyer mit plakativem Seitenhieb gegen CSU 

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Herbert Grönemeyer kritisierte bei seinem Auftritt auf dem "Danke-Konzert" in München die CSU.

München - München hat den vielen Flüchtlingshelfern am Sonntag Danke gesagt- mit einem Gratis-Konzert auf dem Königsplatz. Oberbürgermeister Dieter Reiter, die Sportfreunde Stiller und Herbert Grönemeyer hatten wichtige Botschaften.

Das Bühnenprogramm verzögerte sich. Bis 17.40 Uhr hörten die Zuschauer keine Live-Musik und machten trotzdem gute Festival-Stimmung. Die Sportfreunde Stiller, die an diesem Sonntagabend wie alle Bands ohne Gage auftraten, sagten zur Begrüßung: "Lasst euch keine Angst vor fremden Menschen einreden. Lasst das Schweigen. Die ganze Scheiße, die damals passiert ist, darf sich nicht wiederholen."

Oberbürgermeister Reiter freut sich, Flüchtlinge in Sicherheit zu sehen

Oberbürgermeister Dieter Reiter trat als nächster auf die Bühne und sagte zu diesem "einmaligen Ereignis": "Ich finde es begeisternd, dass ihr alle hier seid." An die Flüchtlinge gerichtet sagte er auf Englisch, dass er sehr glücklich sei, sie in Sicherheit und Freiheit zu sehen. Sie sollen sich in München willkommen fühlen.

Blumentopf spielt auf dem Königsplatz.

Reiter sei glücklich darüber, dass das hilfsbereite München "ein sensationelles Bild" nach draußen sendet - ein "Bild, wie auch mit Flüchtlingen umgegangen werden kann". Er sagte: "Wir können gemeinsam respektieren. Wir können gemeinsam feiern. Und wir werden es in München schaffen, auch zu integrieren." Die Münchner, davon ist Reiter überzeugt, werden all die Gespenster, all die Drohgebärden und Horrorszenarien Lügen strafen, die täglich zu lesen sind. "Wir werden weiterhin ein freundliches Gesicht zeigen, das ist mir wichtig. Ich bin überzeugt: Wir schaffen das."

Bilder vom Danke-Konzert für freiwillige Flüchtlingshelfer

Neu-Münchner Joko Winterscheidt führte die Fans nach Reiters Ansprache durch den Abend. Der Ex-Berliner sei "wahnsinnig stolz, in dieser Stadt zu wohnen".

Berührender Moment mit Künstler Raoul Haspel

Sehr berührend war der Moment, in dem der Künstler Raoul Haspel zu einer Schweigeminute die Fans auf dem Königsplatz aufrief. tz-Reporterin Jasmin Menrad berichtet: "Es war mucksmäuschenstill. Gänsehaut. Dann tosender Applaus."

Grönemeyer hält Plakat der CSU von 1946 hoch

Der letzte Auftritt des Abends gehörte Herbert Grönemeyer, der nach dem ersten Song sagte: "Die Menschen kommen zu uns, weil sie sich sicher fühlen. Die Menschen wollen unsere Nachbarn, Freunde, Mitspieler werden. Sie wollen dieses Land neu beleben, die wollen mit anpacken."

Danach konnte er sich einen erneuten Seitenhieb gegen die Politik der CSU nicht verkneifen. Mit einem Wahlplakat aus dem Jahr 1946 erinnerte Grönemeyer an die Werte der Partei. Auf dem Plakat steht "Vertriebene! Eure Not ist unsere Sorge. Gemeinsam schaffen wir's." Der Sänger wies darauf hin, dass diese Werte verloren gegangen seien. In christlichem Namen verbreite die Partei heute "Unsinn".

Grönemeyers gefeiertes Statement auf Halb-Bayerisch lautete an diesem Abend: "Mir San mia. Jetzt samma mehr und das ist gut so".

Für alle, die nicht mitfeiern konnten: Live-Stream vom Konzert

Da die Stadt München eine Überfüllung des Königsplatzes für wahrscheinlich hielt, hatte sie Karten für das Gratiskonzert "WIR – Stimmen für geflüchtete Menschen" verteilt. Diese waren nach ganz kurzer Zeit vergriffen. Tröstend für alle, die keine Karte für das Freiluft-Konzert bekommen haben: DasErste.de übertrug online einen Live-Stream.

Die Sportfreunde Stiller und Wolfgang Niedecken hatten vor dem Konzert im Gespräch mit der tz Mut gemacht. Die "Sportis" sagten: "Erst mal waren wir massiv beeindruckt von der Hilfsbereitschaft und solidarischen Empathie vor einigen Wochen, als viele Münchner Bürger an den Bahnhöfen und weiteren Empfangsorten für geflüchtete Menschen spontane Hilfe leisteten. Diese anfängliche positive Erkenntnis ebbte durch negative Nachrichten aus verschiedenen Lagern sowie einigen polemischen wie saudummen Aussagen aus politischen Lagern ab. Umso toller, dass wir am Sonntag die positiven humanen Handlungsweisen hochleben lassen. Vielmals danke an alle Beteiligten hierfür!"

Die Münchner hatten sich im September um die vielen Flüchtlinge gekümmert, die vor allem am Hauptbahnhof ankamen und von dort auf Unterkünfte verteilt wurden. Hunderte Helfer hatten die erschöpften Flüchtlinge klatschend mit Willkommens-Pappschildern begrüßt. Diese Bilder haben Menschen auf der ganzen Welt berührt.

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