Soziale Brennpunkte, Lärm, Kitas

Diese Probleme muss die Stadt München angehen

München - München wächst und gedeiht - doch es gibt in der Landeshauptstadt Bayerns auch Probleme. Eine Studie zeigt nun, warum viele die Stadt auch wieder verlassen.

München ist attraktiv – immer mehr Menschen wollen in die Stadt. Bis zum Jahr 2030 sollen noch mal 230.000 in die Isar-Metropole ziehen. Gleichwohl: Es gibt auch Menschen, die sie wieder verlassen – auch weil es hier immer teurer wird. Die Verwaltung hat dazu eine Studie erstellt. Die wiederum zeigt nicht nur auf, aus welchen Vierteln die meisten Leute zwischen 2011 und 2014 weggezogen sind. Das Papier gibt auch Aufschluss über die sogenannten sozialdemografischen Herausforderungen der einzelnen Viertel und Unterbezirke – sprich: Wie hoch ist der Anteil beispielsweise von Arbeitslosen, Migranten oder an Altersarmut leidenden Rentnern? Bei all diesen Gruppen geht man von höheren Anforderungen an Stadt und Gesellschaft aus.

Problemviertel: Große Teile Neuperlachs und von Berg am Laim sowie Milbertshofen und der Messestadt Riem werden nicht nur 2014 als Viertel mit hohen sozialen und demografischen Problemen dargestellt. Laut der Stadtstudie hat sich dort auch in den vergangenen Jahren nichts zum Besseren geändert. Die Herausforderungen seien zum Teil sogar angestiegen. Überdurchschnittliche Herausforderungen gibt es derweil auch in Ramersdorf, Moosach, Hasenbergl, Blumenau, Neuaubing und trotz ihres innerstädtischen Charakters auch die Schwanthalerhöhe.

Zum ersten Mal wurde in der Studie der Anteil von Senioren erfasst, die im Alter von mehr als 65 Jahren Grundsicherung beziehen. Auffällig: Mit 29,2 Prozent liegt der nördliche Unterbezirk in von Trudering-Riem an der Spitze. Der stadtweite Durchschnittswert liegt hier bei 4,2 Prozent.

Die meisten Menschen mit Migrationshintergrund leben in Milbertshofen am Frankfurter Ring: 81,9 Prozent (Durchschnitt: 40,4 Prozent). Und mit 14,33 Prozent die höchste Arbeitslosenquote herrscht im nördlichsten Abschnitt des Hasenbergls.

Wer zieht wo weg? Ein Wegzug aus einem Viertel hat meist finanzielle Gründe. Auch spielt die Zufriedenheit mit der Wohnung, der Nachbarschaft oder der Ausstattung mit sozialer oder technischer Infrastruktur eine Rolle. In den vergangenen zehn Jahren haben rund 56.000 Menschen München in Richtung Umland verlassen – vor allem junge Familien und ältere Menschen, die sich die Mietpreise nicht mehr leisten können oder wollen. 2014 verließen 7,3 Prozent der Münchner ihr Viertel in Richtung eines anderen Stadtbezirkes, vier Prozent junge Familien und zwei Prozent der über 60-Jährigen.

Die Macher der Studie entdeckten aber auch „Verdrängungsprozesse“, die zu einem Wegzug führten. Heißt: Vor allem in innerstädtischen Bezirken sind einkommensschwache Personen nicht in de Lage, die steigenden Mietpreise zu bezahlen.

Lärm: Grund für einen Wegzug kann freilich auch Lärmbelastung sein. Etwa 18 Prozent der Münchner wohnen an oder im Einflussbereich von Hauptverkehrsstraßen – vor allem am Mittleren Ring und an den Autobahnen. Der Verkehr wird freilich noch zunehmen, wenn noch mehr Menschen in die Stadt ziehen.

Kitas: Insgesamt ist der Versorgungsgrad in München gut. Für Kinder unter drei Jahren liegt er bei 45 Prozent, in der Altersgruppe über drei Jahren bis zum Schuleintritt bei 93. Nachbesserungesbedarf besteht laut Studie in Teilen von Giesing, Harlaching, Lochhausen und Solln sowie in Berg am Laim, Neuhausen-Nymphenburg und Schwabing.

Wo es in München Probleme gibt

Dunkelorange bedeutet große Probleme, die helleren Gebiete sind eher unproblematisch.

In dieser Karte sind die Viertel mit den größten soziodemografischen Herausforderungen dargestellt - also diejenigen, in denen u.a. der Anteil an Migranten, Arbeitslosen und unter Altersarmut leidenden Rentnern am höchsten ist. Interessant: Aus genau diesen Vierteln ziehen oft weniger Menschen weg, darunter Neuperlach, die Messestadt, Blumenau oder Neuaubing. Das kann ein Indiz dafür sein, dass ein Umzug in andere Viertel oder ins Umland finanziell nicht möglich ist.

Wegzug: Der Hauptgrund ist die Miete

Dunkelorange bedeutet große Probleme, die helleren Gebiete sind eher unproblematisch.

Vor allem in den innerstädtischen Vierteln werden viele Wegzüge registriert. Das heißt allerdings nicht, dass die Einwohner-Zahl dort auch abnimmt. Die Wohnungen werden sofort wieder bezogen. Hauptgründe für die hohe Fluktuation: die horrenden Mietpreise oder der Wunsch, im Grünen leben zu wollen. Wie die Befragung ergab, zog ein Drittel der Haushalte allerdings erst dann weg, nachdem in München keine passende Wohnung zu finden war.

 

Münchner haben Gastbeiträge geschrieben, die zeigen: Es ist nicht alles gut

  • Eine Münchner Mutter berichtet von ihrer Odyssee auf der Suche nach einem Kita-Platz. Sie schreibt: "Ich habe etwas Verrücktes gemacht. Mein Sohn war noch in meinem Bauch, als ich ihn für einen Krippenplatz in München angemeldet habe."
  • Comedian Simon Pearce schreibt einen Brief an alle Münchner, die glauben, in einer toleranten Stadt zu leben.
  • München feiert sich für seine Weltoffenheit und Liberalität. Doch die Stadt hat Homophobie nicht überwunden, sagt der schwule Marcel Rohrlack. In seinem Gastbeitrag hat er eine Botschaft, die uns alle angeht.
  • Tausende Oktoberfest-Besucher strömen auf die Theresienwiese, in die Dirndl-Shops und auf die After-Wiesn-Partys. Männer pinkeln in Hauseingänge, Frauen übergeben sich in Blumenbeete. Diese Szenen widern Florian Schönhofer an. In seinem Gastbeitrag erklärt der Wirt, wieso er die Wiesn aus seinem Café Kosmos ausgesperrt hat.

Interview mit Oberbürgermeister Dieter Reiter: Platz München aus allen Nähten?

Wohnungsnot, drohender Verkehrskollaps und fehlende Krippenplätze - Kommt München an seine Grenzen? OB Dieter Reiter verspricht im großen Interview: Die Stadt wird kein zweites Tokio.

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Sascha Karowski

Sascha Karowski

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