München verstärkt Integration

Nach Würzburg-Attentat: Sind wir noch sicher, Herr Reiter?

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OB Dieter Reiter vertraut der bayerischen Polizei - und dem Inte-grations-willen der Stadt und ihrer Bürger.

München - Das Attentat von Würzburg schockt auch die Münchner. Die Stadt tut derzeit alles, um 11.000 Flüchtlinge zu integrieren. Wir fragten OB Dieter Reiter (SPD), was das Terror-Drama für die Menschen an der Isar bedeutet.

Herr Reiter, in Würzburg gab es ein Attentat, bei dem sich ein junger Flüchtling auf den IS berufen hat. Viele Menschen machen sich jetzt auch bei uns Sorgen. Sind die berechtigt?

Dieter Reiter: Ich verstehe, wenn sich die Menschen Sorgen machen. Die Stadt steht wie gewohnt in engem Kontakt mit der Polizei und den staatlichen Sicherheitsbehörden. Derzeit ist für München keine veränderte Sicherheitslage bekannt. Aber eine absolute Sicherheit kann es nicht geben, es wäre vermessen, so etwas zu behaupten. Soweit ich die Situation zum gegenwärtigen Zeitpunkt beurteilen kann, handelt es sich bei dem Attentäter von Würzburg offenbar um einen Einzeltäter. Für mich persönlich sieht es im Moment danach aus, dass das kein vorbereiteter, strukturierter Angriff war, der von außerhalb gesteuert wurde.

Sehen sie aktuelle Gefahren für das öffentliche Leben? Gibt es Anlass, die Sicherheitsmaßnahmen für die Wiesn zu überarbeiten?

Reiter: Wir sind im ständigen Austausch mit den Sicherheitsbehörden. Aktuell gibt es keine konkreten Hinweise auf akute Gefährdungen. Aber wir werden alles tun, was zu einer Verbesserung der Sicherheit notwendig ist.

Kann ein Attentat wie in Würzburg auch bei uns geschehen?

Reiter: Das sind Ereignisse, die man niemals ausschließen kann, auch wenn die Polizei alles tut, um so etwas schon im Vorfeld zu verhindern. Ich finde, dass die bayerische Polizei ihre Arbeit sehr gut macht.

In München leben 11 000 Flüchtlinge. Wie läuft es mit der Integration?

Reiter: Wir sind in München auf einem sehr guten Weg. Erst heute hat der Stadtrat ein großes Maßnahmenpaket beschlossen, den sogenannten Integrationsplan. Im Kern geht es darum, dass diese jungen Menschen möglichst schnell unsere Sprache lernen und einen Arbeitsplatz finden. In München gibt es nach wie vor eine positive Grundstimmung. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass Integration bei uns gelingen kann.

Diskussion um die Wiesn

Das Attentat von Würzburg beherrscht die Schlagzeilen. Auch im Stadtrat wird darüber diskutiert – vor allem über die Sicherheit am Oktoberfest. Offiziell betonen Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) und KVR-Chef Thomas Böhle (SPD), dass es keine konkrete Gefährdung gebe. Die Wiesn sei das bestbewachte Fest der Stadt. Doch hinter vorgehaltener Hand ist man sich im Stadtrat einig: Nicht einmal Kontrollen wie am Flughafen könnten das Fest hundertprozentig sicher machen. Am Istanbuler Airport wurden die Fluggäste beispielsweise vor dem Check-In angegriffen. Ein Kontroll-System wie am Flughafen würde aber den Charakter des Oktoberfestes zerstören. Man wolle dem abstrakten Druck nicht nachgeben, denn da hätten die Scharfmacher von IS & Co. schon gewonnen.

Johannes Welte

Johannes Welte

E-Mail:Johannes.Welte@tz.de

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