Kinderzimmer extra umgebaut

Leander (11) eröffnet Lebensmittel-Tausch-Laden

Leander Rab-Wunderlesteht Fair-Teiler
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Der 11-jährige Leander Rab-Wunderlesteht steht in München zur Eröffnung vor seinem ersten Münchener "Fair-Teiler"-Shop und verteilt Werbematerial

München - Der 11-jährige Leander Rab-Wunderle setzt sich gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln ein und hat deshalb sein Kinderzimmer umgebaut. Münchner können dort ab sofort übriggebliebene Lebensmittel tauschen.

Zwei Kühlschränke und mehrere kleine Tüten mit Kartoffeln stehen in Leanders Kinderzimmer, neben einem Regal mit Puzzles und einem Feuerwehrauto. Der 11-Jährige stellt sein Zimmer im Münchner Stadtteil Neuhausen zum „Foodsharing“ zur Verfügung: Hier werden Lebensmittel abgegeben, die genießbar sind, aber nicht mehr gebraucht werden. Interessenten in der näheren Umgebung können beispielsweise die Kartoffeln dann bei Leander abholen. Damit wollen die „Essens-Teiler“ das Wegwerfen von Lebensmitteln verringern.

"Das sind lauter Sachen, die mir noch gut schmecken würden"

„Ich hab gesehen, wieviel täglich weggeworfen wird. Das sind lauter Sachen, die mir noch gut schmecken würden. Und anderen Leuten eben auch“, sagt Leander Rab-Wunderle. Die Idee, selbst aktiv zu werden, kam dem Schüler bei einem Vortrag über den Klimawandel, den er gemeinsam mit seinem Vater besuchte. Daraufhin gründete Leander die „Brot-Connection“: Er überredete die Betreiber eines Cafés auf seinem Schulweg dazu, ihm abends übrig gebliebenes Gebäck zu überlassen, um dieses zu verteilen. Im Internet stieß er daraufhin auf die Plattform foodsharing.de und wollte mitmachen.

Sein Zimmer war früher ein Ladengeschäft und hat deshalb eine eigene Tür zur Straße - praktisch, wie Leander findet. Sein Vater unterstützt ihn. „Ich bin froh, dass er sich in seinem Alter für so etwas interessiert“, sagt er. „Wir waren beispielsweise in Nepal und Leander hat gesehen, dass es nicht überall so viel zu Essen gibt wie hier.“

Foodsharing konnte bereits rund 5000 kg Lebensmittel weitergeben

Die Internetseite foodsharing.de wurde vor fünf Monaten ins Leben gerufen. Nach Angaben der Organisatoren konnten bislang auf diesem Weg rund 5000 Kilogramm Essen weitergegeben werden. Akzeptiert werden alle Lebensmittel außer hygienisch bedenklichen Produkten wie rohem Fisch oder Fleisch.

Wenn allerdings Schokolade vorbeigebracht wird, sagt Leander schmunzelnd, wolle er „einen Großteil erst mal selbst essen.“ Bislang ist das Essen-Teilen in München noch nicht so verbreitet wie in anderen deutschen Städten. Die Abnehmer sind laut Organisatorin Barbara Merhart in erster Linie „Idealisten“, die mit der Lebensmittelindustrie unzufrieden seien, aber auch Bedürftige. Die Anlaufstelle des jüngsten Lebensmittelretters Leander soll vom 1. Juni immer nachmittags geöffnet sein. Unterstützung bekommt er dabei von Freiwilligen.

dpa

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