Die stille Gefahr aus der Wasserleitung

Legionellen-Alarm in mehr als 800 Häusern

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Physiotherapeut Stephan Goldnast hat Ärger mit den Legionellen

München - Sie lauern in lauwarmem Wasser und bringen Krankheit und manchmal sogar den Tod: Legionellen gelten als größte Gefahr aus unseren Hähnen. Mehr als 800 Mietshäuser sind betroffen.

Alle Eigentümer großer Häuser müssen seit einem Jahr das Trinkwasser ihrer Mieter untersuchen lassen. Die Bilanz der Stadt zeigt, warum: Obwohl erst wenige Ergebnisse ausgewertet sind, gab es in hunderten Fällen Bakterien-Alarm – mehrere tausend Münchner haben Warnhinweise bekommen!

Die meisten Mietshäuser müssen kontrolliert werden: Das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) schätzt, dass von den 80 000 Mehrfamilienhäusern in München 50 000 unter die neue Trinkwasserverordnung fallen, weil sie über große, zentrale Boiler verfügen. Grund: Legionellen vermehren sich erst in Hausleitungen und Warmwassergeräten.

Gefahr oder Hype? Das wurde aus Schweinegrippe, BSE und Co.

Erst 10 000 Eigentümer haben ihre Häuser bei der Stadt gemeldet, nur 2000 Untersuchungsergebnisse liegen vor. Die Bilanz laut zuständigem Umweltmediziner Dr. Hubert Maiwald (52): 41 Prozent aller Häuser waren auffällig, weil mindestens eine von mehreren Proben den Grenzwert überschritt. In über 800 Miethäusern gab es also in den vergangenen zwölf Monaten Legionellen-Alarm – dabei liegt nur ein Bruchteil der Ergebnisse vor. Die übrigen Gebäude müssen nach einer Lockerung der Verordnung bis Ende 2013 untersucht sein. Das RGU rechnet in einer Stadtrats-Vorlage mit Funden in jedem dritten Haus!

Fachleute bezeichnen die Grenze als „technischen Maßnahmenwert“, der bei 100 Bakterien in 100 Milliliter Wasser liegt. Dann droht laut RGU eine „ernstzunehmende Gefährdung der Gesundheit“.

Dann müssen Eigentümer die Mieter warnen: Je nach Kontamination stehen Kontrollen, Spülungen und Desinfektionen von Leitungen und Boilern an. Die Mieter müssen alles vermeiden, bei dem Warmwasser fein zerstäubt wird. Luftbefeuchter etwa dürfen nur noch mit Flaschenwasser betrieben werden, Duschköpfe müssen gereinigt werden, vor dem Duschen muss man das stehende Wasser ablaufen lassen. Geschwächte Personen und Lungenkranke sollen ihre Hausärzte informieren. Bei extrem hohen Kontaminationen spricht das Amt ein Duschverbot aus! Das war zuletzt in 26 Anlagen der Fall. Allein im Olydorf waren 320 Wohnungen betroffen.

Panik ist nicht angebracht: Legionellen werden nicht beim Trinken, sondern beim Einatmen oder Verschlucken in die Lunge gefährlich. Dann können sie das grippeähnliche Pontiac-Fieber oder die Legionärskrankheit auslösen, eine schwere Lungenentzündung. RGU-Chef Joachim Lorenz (Grüne) rechnete dem Stadtrat vor, dass 4 Prozent aller Lungenentzündungen auf Legionellen zurückgehen, von denen bis zu 15 Prozent tödlich verlaufen. In München sei demnach mit 250 Legionellosen und bis zu 35 Toten pro Jahr zu rechnen. Studien setzen die Werte mittlerweile doppelt so hoch an.

David Costanzo

Alle Infos unter www.muenchen.de/trinkwasser

Und er muss sogar die Praxis schließen

Am Montag fand Stephan Goldnast einen Brief von seiner Hausverwaltung bei sich in der Post. Hiobsbotschaft Legionellen! Der ganze Wohnkomplex in der Daphnestraße 32 in Bogenhausen ist massiv betroffen. Goldnast ließ sich sofort beim Arzt untersuchen. „Gott sei Dank habe ich mich nicht infiziert“, sagt der 47-Jährige. Ein Grund zur Freunde ist dies für den Physiotherapeuten dennoch nicht. Er muss wegen der Keime seine Praxis bis zur Entwarnung zu machen!

„Das ist eine Katastrophe für mich“, schildert der Münchner seine Situation. „Ich musste alle Termine absagen und warten bis das alles geklärt ist.“ Goldnast hofft, dass er gegen Ende der Woche seine Patienten wieder behandeln kann. Er hat auch einen Brief an die Hausverwaltung geschrieben, um auf seine prekäre Situation aufmerksam zu machen. „Doch es geht gar nichts weiter!“

Seiner Meinung nach wurde das Problem mit den Legionellen bislang massiv unterschätzt. „Es ist ja Wahnsinn, was in den Rohren da alles schlummert.“ Nach Bekanntwerden des Befalls gab es ein Duschverbot, das Heißwasser wurde auf 70 Grad erhöht, um die Keime abzutöten. „Doch bislang gibt es keine Entwarnung!“

Für Goldnast sind die Sofortmaßnahmen ohnehin ein schwacher Trost. „Ich möchte gar nicht wissen, wie lange die Keime schon in unserem Wasser schlummern. Nicht auszudenken, wenn in meiner Praxis wirklich jemand krank geworden wäre!“

Jetzt hofft Goldnast, dass er seine Praxis bald wieder öffnen kann. „Denn mit jedem Tag, den ich warten muss, geht mir jede Menge Geld verloren!“ Die ­Legionellen haben ihn lahm gelegt, auch wenn er nicht krank geworden ist.

Stefan Dorner

Kommentare

Gast
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Was traurig ist, das hier ist die einzige Zeitung die überhaupt darüber berichtet...

S PflanzeAntwort
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was is denn abzocke dran seinen boiler mal ab und zu auf 70 grad zu heizen und 3 minuten laufen zu lassen (laut wiki)? ich weiss dass wikipedia (artikel ü. legionellen)auch eine umstrittene quelle sein mag aber ich fnde dieser tz artikel macht sowieso niemandem panik und ich seh auch keine geldmache dahinter. geschützt müssen anscheinend vor allem immunschwache und kranke werden. man kommt halt ale schiesslang mal auf dinge die passieren auch wenn vorher nich darüber geredet wird.... es hat ja auch keiner vorher gsagt dass sie eier mit dioxin verkaufen oder rauchen lungenkrebs verursacht... kommt alles mit der zeit raus. ich finds jedenfalls gut was davon gehört zu haben damit ich mich überhaupt mal mit dem thema hyhgiene in wasserleitungen ausseinander setze...

S PflanzeAntwort
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das gilt auch für toilettenspülungen. mir wurde auch erklärt dass es garnicht so hygienisch ind toll ist ds nur minimal zu spülen aber jeder glaubt weniger ist mehr oder so... in dem fall nur: weniger ist mehr bakterien

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