Hilferuf auf Facebook

Liebe Vermieter, was habt ihr gegen meinen Namen?

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Enis Bayik hat auf Facebook einen Hilferuf gepostet: Er wünscht sich endlich die Zusage für eine Mietwohnung in München. 

München - Der Deutsche Enis Bayik weiß, dass die Wohnungssuche in München mühsam ist. Er macht alles richtig, bekommt aber nur Absagen. Passt den Vermietern sein türkischer Name nicht? In seinem Hilferuf schreibt er den intoleranten Eigentümern. 

Liebe Stadt München, liebe Eigentümer, 

ich spreche hier im Namen vieler verzweifelter Menschen, die sich täglich auf die Suche nach einer Wohnung begeben. Alle verstehen das Prinzip von Nachfrage und Angebot. Mir ist sicherlich auch bewusst, dass die Nachfrage in solchen Großstädten höher ist als das Angebot und sich die Wohnungssuche damit alles andere als einfach gestaltet. 

Allerdings frage ich mich, ob in dieser Stadt nur Menschen eine Wohnung erhalten, deren Eltern einen Dr.-Titel tragen oder man am besten Müller oder Meier als Nachnamen hat. 

Ich gehe vielleicht kurz auf mein Beispiel ein: männlich, 27 Jahre, deutscher Staatsbürger (Abstammung türkisch), arbeite als Sales Manager (unbefristetes Arbeitsverhältnis), lege ausschließlich positive Referenzen wie Mieter-Zeugnis, Schufa-Auskunft und Empfehlungsschreibung meiner Firma vor. 

Ansprüche gibt es schon lange nicht mehr, was die Größe oder die Lage der Wohnung betrifft. Ich reduzierte mich hier tatsächlich schon auf das Nötigste. 

Ein nettes Beispiel am Rande ist, dass sogar meine Vorgesetzte zur Besichtigung als positive Referenz erschienen ist, um gewisse Vorurteile, die eventuell meinen Nachnamen betreffen (türkische Abstammung) zu widerrufen. 

Enis Bayik sucht seit elf Monaten eine Wohnung. 

In weiteren Fällen wurde ich sogar von Maklern persönlich empfohlen, da diese meine Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft als sehr positiv empfanden und dies auch mehrmals gegenüber den Eigentümern bekräftigten. Trotz all dieser Maßnahmen und einem großen Zeitaufwand (seit etwa elf Monaten) bekam ich bisher nur Absagen. 

Da stellen sich mir ernsthaft die Fragen: Sind die Eigentümer voreingenommen wegen der Herkunft des Namens? Ist das ein bewusstes oder unbewusstes Vorurteil? Was sollen tausende Menschen da draußen machen, die täglich arbeiten und studieren, ohne Eltern leben, alleine hier sind und einen Namen besitzen, der dem eines Musterbeispiels nicht entspricht? 

Ich sehe hier ein absolut großes Problem, das in die komplett falsche Richtung tendiert. 

Daher appelliere ich nochmals speziell an die Eigentümer: Hört endlich auf damit, voreingenommen zu sein, und gebt den Leuten einfach die Chance, eine Wohnung zu bekommen!

Ihr Enis Bayik

Der 27-Jährige hat sich via Facebook bei der tz.de-Redaktion gemeldet. Die besten Geschichten werden auf der Facebook-Seite der tz München gepostet. 

Das ist Enis Bayiks Hilferuf auf Facebook:

Katastrophale Wohnungssituation!Liebe Stadt München, Liebe Eigentümer,ich spreche hier im Namen vieler...

Posted by Enis Bayik on Freitag, 15. Januar 2016


Lesen Sie zum Thema Vorurteile auch den Gastbeitratg des bayerischen Comedians Simon Pearce: An alle Münchner, die glauben, in einer toleranten Stadt zu leben.

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