Urteil in München

Flaschenwurf bei G7-Gipfel: Bewährung für 24-Jährigen

+
Randalierte beim G7-Gipfel: Sebastian M.

München/Garmisch-Partenkirchen – Bei den Protesten zum G7-Gipfel in Elmau blieben größere Krawalle aus. Nur in einem einzigen Fall beantragte die Staatsanwaltschaft München II einen Haftbefehl. Dieser Fall landete am Dienstag vor Gericht.

Die Polizei war sensibilisiert. Nachdem es bei der Eröffnung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt zu Krawallen gekommen war, fürchtete man vorigen Juni auch beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau brennende Autos und Steinewerfer. Polizei und Justiz bereiteten sich auf viele Verfahren vor. Doch dann ging alles relativ glimpflich ab. Gegen einen einzigen Demonstranten erging am 7. Juni Haftbefehl, der noch am selben Tag außer Vollzug gesetzt wurde. Am Dienstag wurde der Fall vor dem Amtsgericht München verhandelt.

Als der G7-Protestzug am 6. Juni auf der Mittenwalder Straße in Garmisch-Partenkirchen zur Zwischenkundgebung stoppte, kam es zum Gerangel zwischen Demonstranten und Polizeibeamten. Es gab Schubsereien, Gegenstände flogen durch die Luft. Sebastian M. (24), Schüler aus Stuttgart, ging jedoch zu weit. Er warf einem Polizisten eine Holzlatte gegen den Kopf und schleuderte Beamten eine Glasflasche entgegen, die allerdings einen Journalisten traf. Die Staatsanwaltschaft München I klagte Sebastian M. wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruch an. Amtsrichterin Ines Tauscher sprach das Urteil: ein Jahr und acht Monate Haft auf Bewährung. Außerdem muss er 900 Euro an die Polizeigewerkschaft zahlen. Die Richterin begründete die Strafhöhe damit, dass M. mehrere Angriffe gestartet habe.

"Die Vorwürfe werden vollumfänglich eingeräumt"

Für den Fall eines Geständnisses stellte ihm die Richterin zu Beginn des Prozesses eine Freiheitsstrafe in Aussicht, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Über seinen Verteidiger Marco Noli ließ M. dann ausrichten: „Die Vorwürfe werden vollumfänglich eingeräumt.“ Mehr wollte er nicht dazu sagen. Mehrere Zeugen von der Polizei und Videos bestätigten aber die Vorwürfe. M., der sich mit einer schwarzen Sturmhaube und einem selbstgebastelten Visier vermummt hatte, warf zuerst eine Flasche in Richtung einer Gruppe von Polizisten. Diese landete allerdings auf dem Kopf eines amerikanischen Journalisten, der zur Gruppe „Anonymous“ gehörte. Auf einem Video ist ein dumpfes Geräusch zu hören sowie die Klage des Getroffenen: „I got hit“ („Ich wurde getroffen“).

Nach dem Flaschenwurf riss M. eine Holzlatte von einem Plakat und warf sie wie einen Speer auf einen Polizisten, der aber von einem Helm geschützt wurde. „Ich habe beim Zugehen auf die Gruppe was gegen den Kopf bekommen“, sagt der Polizist (27). Kollegen hätten ihn nach seinem Befinden gefragt. „Aber es ging mir gut, ich blieb einsatzfähig.“ Anschließend warf M. noch mit Pflanzen und versuchte, mit einer Holzlatte Pflastersteine aus der Straße zu hebeln, um mit diesen zu werfen. Das gelang allerdings im Gedränge nicht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Nina Gut

Nina Gut

E-Mail:gericht@merkur.de

Mehr zum Thema:

auch interessant

Kommentare