Prozess wegen versuchten Mordes in München

Taxler halbtot geprügelt: Täter bereut alles

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Am Landgericht hat sich Ikbal Ö. (25) für die Tat entschuldigt.

München - Wegen 50 Euro Reinigungspauschale soll es zu einem heftigen Streit gekommen sein: Ein 26-Jähriger hat vor Gericht Schläge und Tritte gegen einen Taxifahrer eingeräumt.

Die Worte kommen ihm nur schwer über die Lippen. „Es tut mir sehr leid, was passiert ist“, sagt Ikbal Ö. (25). Er beißt sich auf die Lippe. „Ich war damals mit den falschen Leuten unterwegs.“ Sein altes Leben: Das wolle er nicht mehr leben, sagte der BMW-Arbeiter am Donnerstag vor dem Landgericht. Denn es endete im Gefängnis – weil er Taxler Joszef N. im Winter so schlimm verprügelt hatte, dass dieser beinahe an den Folgen starb und bis heute nicht mehr arbeiten kann.

Die Staatsanwaltschaft hat Ikbal Ö. wegen versuchten Mordes angeklagt. Seit elf Monaten sitzt er mittlerweile in der Untersuchungshaft. „Erst hier fiel mir auf, wer meine wirklichen Freunde sind“, sagt er. Es ist eine späte Einsicht.

Denn am 12. Dezember 2015 kannte er keine Gnade. Mit einem Arbeitskollegen war er im Filmcasino feiern gewesen. Vollgepumpt mit Alkohol und Kokain stiegen die beiden am Odeonsplatz in das Taxi von ­Joszef N., wo sich der Spezl erbrechen musste. Gegen 3.05 Uhr hält der Mercedes deshalb in der Leopoldstraße, dort kommt es zum Streit. Ikbal Ö. schlägt sofort zu. Mehrere Male trifft er ins Gesicht des Taxlers, der zu Boden geht. Laut Anklage setzte sich Ö. auf ihn und prügelte weiter auf den Kopf ein. Unfassbar: Joszef N. war längst bewusstlos, als Ikbal Ö. ihm noch gezielt auf den Oberkörper trat. „Er nahm den Tod des Geschädigten damit billigend in Kauf“, sagte Staatsanwältin Melanie Lichte. Nur mit Glück überlebte Joszef N. die Attacke: Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und lag drei Wochen lang auf der Intensivstation. Bis heute leidet er unter starken Schmerzen.

„Ich war selbst entsetzt von mir“, heißt es in einer Erklärung von Ikbal Ö., die sein Verteidiger Adam Ahmed vorlas. Nach einer halben Flasche Whisky und mehr als einem Gramm Koks sei Ö. wütend geworden, als Joszef N. 50 Euro für die Reinigungskosten des Taxis verlangt hatte. Zwei Schläge gesteht der Angeklagte ein – der Rausch soll daran schuld gewesen sein. „Ich schäme mich“, schreibt Ikbal Ö. „Es ist ein älterer Herr. Das kann ich mir bis heute nicht verzeihen.“

Nun drohen dem gelernten Karosseriebauer mehrere Jahre Haft. Er wirkt geläutert. Immer wieder senkt er den Kopf oder schaut ins Publikum: Dort sitzen seine Eltern, bei denen er gewohnt hat, und ringen mit den Tränen. „Seit dem Vorfall ist auch unser Leben zerstört“, sagt Mutter Belkiz. „Mein Sohn ist kein schlechter Mensch“, glaubt sie.

Autos und Drogen gibt er als Hobbys an. Kein Schulabschluss. 9000 Euro Schulden. „Am Wochenende habe ich 500 Euro verkokst“, sagt Ö. Er hatte zu viel an jenem Abend – das sei der Grund für seinen Ausraster. Joszef N., der noch krankgeschrieben ist, wird Montag gegen ihn aussagen. 

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