Liebe Essener, nicht beleidigt sein

Zeitung behauptet: Essen ist schöner als München. Das ist unsere Antwort

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Hier kommen Heimatgefühle auf: der Förderturm auf dem Gelände des Weltkulturerbes Zeche Zollverein in Essen.

München - Essen im Ruhrgebiet soll schöner sein als München. So lästert ein großes Nachrichtenportal über unsere Lieblingsstadt. Unsere Autorin - Ex-Essenerin und Wahl-Münchnerin - lässt das nicht unkommentiert. 

Eine Journalistin des Nachrichtenportals DerWesten schreibt: "Darum ist es in Essen so schön – schöner als in München". Um die Autorin direkt in Schutz zu nehmen: Sie behauptet es nicht, ohne je in München gewesen zu sein. Sie hat München eine Chance gegeben. 

Vor zwölf Jahren zog sie vom Ruhrgebiet her, acht Jahre später dann wieder nach Essen. Sie hat sich geschworen, nie wieder nach München zurückzuziehen. In Essen gefällt ihr das Leben besser. Aus verschiedenen Gründen. Diese lasse ich als Ex-Essenerin und Wahl-Münchnerin nicht unkommentiert. 

Ich bin im September 2013 nach Bayern gezogen. 

Ich bereue nichts. 

So wie die Autorin hatte auch ich damals geglaubt: Dat Leben hier in Essen, dat is’ dat Schönste vonne Welt. Jetzt weiß ich: München kriegt dat Leben noch ein bisken schöner hin. 

Wennst mi frogst, is Minga scheena (sage ich mit meinem Laien-Bairisch. ich werde nie lernen, das ist okay. Ich überlasse es den echten Bayern). 

Von den größten deutschen Städten gilt München als die zweitattraktivste, hinter Hamburg. 

Essen-Rüttenscheid ist schön, München hat noch mehr schöne Viertel

Ich habe es geliebt, durch das schöne Essen-Rüttenscheid zu schlendern und mir die verschnörkelten Hausfassaden anzuschauen. 

Das kann ich in München in vielen Vierteln. 

Klar, war es wunderbar, dick belegte Bruschetta im Essener Café "miamamia" zu essen, Kaffee in der "Zweibar" zu trinken, Krimskrams im "Format Warenwunderland" zu kaufen, zwei Kugeln in der Waffel bei "Mörchen's Eis" zu bestellen, an Sommerabenden im Stadtgarten zu picknicken und am Baldeneysee zu spazieren. 

Stadtgarten Essen ☀ #stadtgarten #essen #onedaytillbiologyexam #chillin #garden #trees #nature

Ein von Tim — 20 — Paderborn (@timihendrix_) gepostetes Foto am

In München habe ich für all das Ersatz gefunden. 

Hier gibt es sogar heimelige Ruhrpott-Zufluchtsorte, falls mich irgendwann Heimweh überkommt: Im Bergwolf, dem Imbiss oberhalb der U-Bahn-Station Fraunhoferstraße, bekomme ich eine gescheite Currywurst, die Bochumer Sorte "Dönninghaus", und dazu Pommes-Mayo. Ich kann die BVB-Spiele in einer echten Kneipe schauen - auch wenn ich natürlich um die Clemensburg in Schwabing trauere. Aber auch dafür habe ich Ersatz gefunden.

Der Münchner packt nicht an? Das sieht der Bochumer Grönemeyer anders

Die Autorin schreibt, "das Schönste in dieser Ruhrmetropole sind die Menschen". Es stimmt, die meisten Menschen im Ruhrpott haben eine herrlich ehrliche und liebenswürdige Art, als Kontrast zu ihrer derben Sprache. Den Münchnern dagegen Hochmut vorzuwerfen, ist unfair. 

Die Münchner im Allgemeinen sind nicht die, die ausschließlich mit Schickimicki-Einsteck-Tuch oder mit glänzenden High Heels über die Maximilianstraße tänzeln. Klar, habe ich das vorher gedacht. Aber genauso unfair ist es anzunehmen, der Ruhrpottler im Allgemeinen würde sich im Unterhemd aus seinem Küchenfenster beugen und mit einem "lecker Pilsken" in der Hand die Leute auf der Straße begaffen. 

Ich wehre mich gegen den Vorwurf der Autorin "Der Münchner redet über sich selbst, der Essener hört zu, packt an, hilft". Der berühmteste Bochumer, Herbert Grönemeyer, ist im vergangenen Jahr nach München gekommen, um sich persönlich bei den anpackenden und helfenden Münchnern zu bedanken: beim Dankeskonzert für die freiwilligen Flüchtlingshelfer.  

Bei so viel Hilfsbereitschaft verzeiht ihr Essener den Münchnern doch, dass sie zugegebenermaßen gerne über sich reden, über ihre Stadt und ihre Berge vor der Tür. 

sah

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