Anklage: Erpresserischer Menschenraub

Westend-Entführer entschuldigt sich - Hohe Haftstrafe gefordert

+
Der wegen erpresserischen Menschenraubs und versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung angeklagte Mario S. steht  neben seinem Anwalt Ahmed Adam im Verhandlungssaal im Münchner Landgericht. 

München - Für die Entführung der Ehefrau eines Bankmanagers hat die Staatsanwaltschaft am Freitag vor dem Landgericht München eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten gefordert.

Für die Entführung einer Bankiers-Ehefrau hat die Staatsanwaltschaft am Freitag vor dem Landgericht München eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten gefordert. Der 53-Jährige habe sich des erpresserischen Menschenraubes und der versuchten besonders schweren räuberischen Erpressung schuldig gemacht. Die Verteidigung beantragte hingegen eine Strafe von drei Jahren und neun Monaten. Der Angeklagte habe seinen Tatplan freiwillig aufgegeben, indem er mit der Frau einen belebten Parkplatz angesteuert und ihr so die Flucht ermöglicht habe.

Das Urteil wird voraussichtlich in der übernächsten Woche gesprochen. Der Angeklagte hat bereits gestanden, die Frau im Juni 2015 in ihrem Haus gekidnappt und 2,5 Millionen Euro Lösegeld gefordert zu haben. Er hatte sich zunächst als Paketzusteller ausgegeben, dann aber eine Softairwaffe auf das Opfer gerichtet und es in die Wohnung gedrängt. Dort fesselte er den zwölfjährigen Sohn mit Kabelbindern an einen Heizkörper und zwang die Mutter, mit ihm in ihrem Auto davonzufahren. In der Nähe des angemieteten Verstecks hielt der Entführer auf dem Kundenparkplatz eines Lebensmittelmarktes, wo die Frau sich von ihm losreißen und fliehen konnte.

Das Motiv war der Anklage zufolge Geldnot. Der Mann war mit 100 000 Euro Abfindung seines letzten Arbeitgebers 2012 nach Thailand ausgewandert. Das Geld ging für ein Haus drauf, eine Arbeitserlaubnis hatte er nicht, auch seine thailändische Frau hatte kein Einkommen. In dieser Situation entschloss er sich zu der Entführung und flog nach München, wo er eine Wohnung als Versteck anmietete. Das Opfer fand per Internetrecherche. Nach der gescheiterten Entführung entkam der Angeklagte nach Bangkok, wurde dort aufgegriffen und nach Deutschland abgeschoben. Für die Tat bat er sein Opfer inzwischen um Verzeihung; die 47-Jährige nahm die Entschuldigung an.

dpa

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Ottobrunner hingerichtet: Zehn Kugeln aus Rache?
Ottobrunner hingerichtet: Zehn Kugeln aus Rache?
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Massenschlägerei am Stachus: Polizei sucht Handy-Filmer
Massenschlägerei am Stachus: Polizei sucht Handy-Filmer

Kommentare