Stadt richtet WLAN ein

Flüchtlinge bekommen Internet

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Kontakt halten mit der Familie: Für Flüchtlinge ist das Smartphone samt WLAN meist extrem wichtig.

München - Die Stadt München will strategisch alle Unterkünfte für Flüchtlinge und Wohnungslose mit WLAN ausstatten. Die Sozialreferentin betont: „Es handelt sich um keinen Luxus.“

Die Stadt will alle Flüchtlinge mit schnellem Internet versorgen. In den kommenden Jahren sollen alle städtischen Unterkünfte mit WLAN – lokalen Funknetzen – ausgestattet werden. Das Sozialreferat hat nun eine Strategie vorgelegt, über die am Donnerstag der Sozialausschuss berät.

Ziel des Sozialreferats ist laut Beschlussvorlage, dass in allen städtischen Unterkünften für Flüchtlinge oder Wohnungslose WLAN zur Verfügung steht. „Bei einer Ausstattung der Unterkünfte mit WLAN handelt es sich um keinen Luxus“, betont Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) in dem Papier.

Meist ist der einzige Gegenstand, den Flüchtlinge aus ihrer Heimat herüberretten oder sich hier sofort neu besorgen, ein Smartphone. Damit organisieren sie ihre Flucht, halten per Skype und WhatsApp Kontakt zu Verwandten und lesen Nachrichten aus der Heimat. WLAN ist dabei notwendig, um Daten schicken und empfangen zu können. Das Internet dient laut Sozialreferat auch der Integration: So können Flüchtlinge etwa Angebote zu Deutschkursen nutzen, sich über Bewerbungen informieren oder mit Behörden kommunizieren.

Außerdem wirke es sich der Erfahrung nach positiv auf die Stimmung in der Unterkunft aus, wenn dort Internet bereitstehe, heißt es. Auch sollten Wohnungslose und Flüchtlinge „nicht gezwungen sein, öffentliche Plätze aufsuchen zu müssen“, um mittels des dort vorhandenen WLANs mit ihren Angehörigen zu kommunizieren. Den städtischen Service M-WLAN, mit dem Besucher kostenfrei surfen können, gibt es zurzeit an 22 öffentlichen Plätzen.

Sieben Pilot-Standorte

Auch in den Flüchtlingsunterkünften ist künftig das städtische M-WLAN vorgesehen. Das Sozialreferat hat nun sieben Pilot-Standorte auserkoren, die nach dem Stadtratsbeschluss binnen maximal drei Monaten Internet erhalten sollen: die Unterkünfte an der Schertlinstraße, Elsenheimerstraße, Hans-Thonauer-Straße, Burgauer Straße, Arnold-Sommerfeld-Straße und zwei an der Hofmannstraße. Die Standorte seien repräsentativ ausgewählt, heißt es. Bis zu 3350 Bewohner würden damit vom WLAN profitieren.

Die Stadtwerke München sollen die Internet-Anbindung und der stadteigene Dienstleister it@M das WLAN aufbauen. Kosten für die Stadt: einmalig knapp 120 000 Euro, um die sieben Standorte auszustatten, und ab 2017 jährlich knapp 140 000 Euro laufende Zahlungen an it@M.

Die weiteren rund 50 Unterkünfte sollen dann in den kommenden Jahren versorgt werden. Aktuell leben in München rund 12 000 Asylbewerber und 5400 Wohnungslose. Diese Gruppen behandelt die Stadt häufig gemeinsam, etwa weil ein anerkannter Asylbewerber aus der Flüchtlingsunterkunft ausziehen muss und somit ein Wohnungsloser wird.

Mittelfristig sollen alle Unterkünfte mit Glasfaser-Technologie angebunden werden, die schnelles Internet ermöglicht. Weil München aber auch Dutzende neue Schulen baut und diese ebenfalls anbinden muss, dauert das Vorhaben laut Stadtwerken mindestens bis zum Jahr 2018.

Lesen Sie hier: Das Model aus dem Flüchtlingsheim

Quasi eine Absage erteilte das Sozialreferat der Initiative „Freifunk München“. Diese hat seit 2015 in einer humanitären Hilfsaktion in rund 25 Unterkünften WLAN installiert. Die Stadt unterstützt das Projekt bisher als Zwischenlösung, hat allerdings Bedenken. Freifunk setzt etwa auf offenes WLAN ohne Filter, was laut Sozialreferat mit dem Jugendschutz kollidiert. Zudem besteht seit August ein „Benutzungszwang“ für M-WLAN – was bedeutet, dass das Freifunk-Projekt nur noch zugelassen ist, bis die Stadt es ersetzt hat. Das aber kann eben noch einige Jahre dauern.

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