Nach Veranstaltung am Sonntag

Straßensperren in München: „Autofahrer werden schikaniert“

Freie Fahrt für Radfahrer: Am Sonntag waren Autos auf dem Mittleren Ring über Stunden ausgesperrt.  

München - Die Teilsperrung des Mittleren Rings zugunsten von 15.000 Radfahrern am Sonntag hat für Verärgerung gesorgt. Stadträte kritisieren, dass Straßen-Sperrungen zuletzt überhand genommen hätten. 

In München werden Autofahrer immer häufiger ausgebremst. Nicht nur durch den überbordenden Verkehr, sondern auch durch Veranstaltungen – so wie am Sonntag, als der Mittlere Ring West stundenlang für Autofahrer gesperrt war. 15 000 Radfahrer strampelten dort frohgemut durch den Luise-Kiesselbach-Tunnel und über die Donnersbergerbrücke, während wartenden Autofahrern die Zornesröte ins Gesicht stieg. Aus Sicht mancher Stadträte hat die Zahl der Veranstaltungen in der Stadt, derentwegen Straßen gesperrt werden, inzwischen ein kritisches Maß erreicht.

Michael Mattar (FDP) spricht von einer „Eventisierung“ der Stadt. „Corso-Leopold, Blade Night, Marathon-Lauf – alles Veranstaltungen mit weiträumigen Straßensperrungen. Dazu noch die Wiesn“, sagt der Vorsitzende der Fraktionsgemeinschaft FDP, Hut und Piraten. „Wir müssen ein Auge darauf haben, nicht zu übertreiben.“ Mattar verweist auch auf die hohe Zahl an Platzsperrungen. „Da denke ich an den Königsplatz, wo viele Konzerte stattfinden.“ Prinzipiell hat er nichts gegen Radl-Veranstaltungen wie am Sonntag auf dem Ring einzuwenden. „Aber man sollte sich überlegen, wie häufig solche Sperrungen verträglich sind.“ Mattar fordert deshalb einen Überblick über die Zahl der Sperrungen und Veranstaltungen in München. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte das Kreisverwaltungsreferat mit, voriges Jahr etwa 100 Straßensperrungen im Rahmen von Veranstaltungen genehmigt zu haben.

Mit dieser Menge ist man auch bei der CSU nicht glücklich. Der stellvertretende Fraktionschef Michael Kuffer findet, dass „die Zahl der Veranstaltungen und Sperrungen überhand genommen hat. Bestimmte Plätze und Straßen sind inzwischen überfrequentiert.“ Kuffer denkt dabei an den Odeonsplatz, den Königsplatz und die Leopoldstraße. Der CSU-Bundestagskandidat fordert, dass Veranstaltungen künftig ohne Straßensperrungen stattfinden sollen. Allerdings nur, „wenn dadurch der Charakter der Veranstaltung nicht leidet“. Kuffer glaubt, dass viele Veranstaltungen durchführbar wären, „ohne dass Chaos auf den Straßen gestiftet wird“.

Sein Fraktionskollege Richard Quaas hat von Autofahrern gehört, die wegen der Sperrung des Rings am Sonntag mehr als eine Stunde im Stau standen. „Für eine Spaßveranstaltung den Verkehr derart lahmzulegen – das kann nicht sein. Darüber muss man sich Gedanken machen.“ Nach den Worten von Quaas ist es ein Unding, „tausende Autofahrer zu schikanieren“. Das widerspreche dem Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. Die Förderung des Radverkehrs sei ja recht und schön, sagt Quaas. „Aber auf dem Ring zu fahren, hat wirklich keine Aussagekraft. Das ist sicher nicht die Zukunft des Radverkehrs.“ Die Rathaus-SPD wollte sich nicht äußern. „Es läuft noch ein Meinungsbildungsprozess“, sagte ein Sprecher.

Ein Sprecher der Polizei bestätigte auf Nachfrage, dass es nach dem Radl-Corso auf dem Mittleren Ring am Sonntag zu Verkehrsbehinderungen gekommen sei. Zum einen wegen der Aufräumarbeiten, zum anderen wollten einige Radler die Straße offenbar nicht wieder für Autofahrer freigeben.

Die von Michael Mattar angesprochene „Eventisierung“ der Stadt beschäftigte kürzlich auch den Bezirksausschuss Altstadt. Die Lokalpolitiker finden, dass mittlerweile zu viele Veranstaltungen genehmigt werden. „Die Plätze sind ja auch zur Erholung gedacht und sollten auch mal für sich stehen. Durch die Veranstaltungen gehen sie der Allgemeinheit ein Stück weit verloren“, sagte BA-Chef Wolfgang Neumer (CSU). Als besonders deutliches Beispiel nannte Neumer den Odeonsplatz, auf dem nahezu jedes Wochenende Programm sei.

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