Kleidertauschparty von Green City

Klamotten-Tausch statt Shopping-Rausch

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Bei Green City wird der Kleidertausch zur Party: Wegen des großen Interesses findet die Veranstaltung heuer jeden zweiten Monat statt.

München - Sie kommen mit vollen Taschen, sie gehen mit vollen Taschen: Bei der Kleidertauschparty von Green City geben Teilnehmer getragene Klamotten ab und suchen sich stattdessen neue gebrauchte Stücke aus. Der Andrang ist groß.

„Man hat so viele Sachen im Kleiderschrank, die man selber nicht mehr tragen mag“, sagt Julia Holzhammer. „Es ist doch schön, wenn sie dann andere anziehen können.“ Mit einer Tasche voll gebrauchter Klamotten ist die 18-Jährige zur Kleidertauschparty des Vereins Green City gekommen. Hier kann jeder gut erhaltene Kleidungsstücke abgeben und sich stattdessen kostenlos etwas aussuchen.

Das Projekt boomt. Ein Geheimtipp sind die Kleidertauschpartys inzwischen nicht mehr. Bis zu 350 Teilnehmer kommen zu den Veranstaltungen, sagt Lena Reitinger am Dienstagabend. Die 18-Jährige absolviert bei Green City ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr. Bei ihr und ihrer gleichaltrigen FÖJ-Kollegin Anna Leitner laufen die organisatorischen Fäden der Kleidertauschpartys zusammen.

Die Umwelt schonen

Was 2008 mit einzelnen Tauschpartys begann, hat sich zu einer festen Institution entwickelt. „In diesem Jahr finden die Tauschpartys alles zwei Monate statt“, sagt Lena Reitinger. Und zwar immer am 1. Dienstag des Monats, von 18 bis 21 Uhr, bei Green City (Orange Bar, 6. Stock/Eintritt 2 Euro). Die Klamotten-Industrie verbrauche sehr viele Ressourcen, oft werde Kleidung unter katastrophalen Arbeitsbedingungen hergestellt. „Wir wollen die Menschen sensibilisieren“, sagte Reitinger. „Die Leute kaufen viel mehr Kleidung, als sie brauchen.“ 

Das Konzept geht auf, das Gedränge bei den Kleidertauschpartys ist groß. Schon vor der Öffnung schlängelt sich eine lange Reihe wartender Teilnehmer durch das Treppenhaus des Gebäudes an der Zirkus-Krone-Straße 10. Vor allem Mädchen und Frauen machen mit, aber auch ein paar junge Kerle mischen sich unter das tauschende Volk. Die meisten schleppen prall gefüllte Taschen an. 

Jacken, Jeans, Blusen und Shirts, Schals und Pullover stapeln sich auf Wühltischen. Jeder legt seine mitgebrachten Kleidungsstücke dazu. So wächst der Fundus, aus dem sich jeder aussuchen darf, was ihm passt und gefällt. 

Restposten gehen an die Diakonia

Die Regeln sind schnell erklärt: Mitmachen darf jeder, getauscht wird alles – sofern es frisch gewaschen und nicht kaputt ist. Auch Schuhe, Taschen und Kinderkleidung gibt es. Man dürfe auch Kleidungsstücke mitnehmen, wenn man selbst nichts zum Tauschen mitgebracht habe, erklärt Lena Reitinger. Übrig gebliebene Teile spendet Green City an die Diakonia. 

Erfolg am Wühltisch: Julia Holzhammer (l.) und Isabelle Vollmer zeigen ihre Fundstücke.

Die 18-jährige Julia Holzhammer jedenfalls ist schnell fündig geworden. Auch ihre Freundin Isabelle Vollmer ist zufrieden mit ihrer Ausbeute. Einen weißen Strickpullover hat sie sich ausgesucht. Jetzt hält sie noch Ausschau nach einer Jeansjacke. „Ich finde es gut, dass man hier neue Sachen kriegt, ohne Geld ausgeben zu müssen und ohne die Umwelt zu belasten“, sagt sie. Außerdem könne man neue Leute kennenlernen. 

Johanna Grahl war schon öfter dabei. „Es ist eine gute Sache.“ Auch dieses Mal hat sie eine Tasche mit gebrauchten Kleidungsstücken mitgebracht. Etwas Bestimmtes sucht sie nicht. „Ich schaue einfach, ob mir etwas gefällt. Man findet hier immer was“, sagt sie und ist schon wieder im Getümmel verschwunden.

Spaß haben und kreativ sein

„Es ist doch viel besser zu tauschen, statt zu kaufen“, findet die 18-jährige Schülerin Bianca Bichler. Lachend fügt sie an: „Ich widerstehe dem Konsum.“ Es gebe die verrücktesten Sachen, Stücke, die man in einem Klamottenladen eher nicht finden würde. „Die Tauschpartys sind spaßig, man muss kreativ werden und vielleicht einen Rock später umnähen.“ Dann habe man aber ein neues Teil im Schrank, das sonst keiner hat. 

„Wir wollen den Menschen eine Alternative zum Kleiderkauf zeigen“, sagt FÖJ’lerin Lena. „Den Kleiderkonsum zu reduzieren, bedeutet nicht zwingend Verzicht.“

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Ute Wessels

Ute Wessels

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