tz erläutert die Münchner Maßnahmen

Integrationsplan für Flüchtlinge: Stadt investiert 21 Millionen Euro

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Ramadan (2. v. l.) beaufsichtigt jetzt jugendliche Flüchtlinge in Karlsfeld.

München - Die Stadt stellt den Integrationsplan für Flüchtlinge vor. Mit 21 Millionen Euro sollen die Lücken geschlossen werden, die Bund und Länder offen lassen.

Rund 11.000 Geflüchtete sind derzeit in München untergebracht - 60 Prozent von ihnen sind jünger als 25. Eine große Herausforderung für die Stadt, die diese Menschen nicht nur versorgen, sondern auch eingliedern will. Wie das in Zukunft konkret funktionieren soll, wissen wir seit gestern - da wurde der große Integrationsplan im Sozialausschuss vorgestellt, den OB Dieter Reiter (58, SPD) im Januar angekündigt hatte.

Reiter: "Unser übergeordnetes Ziel ist es, Flüchtlinge schnell und nachhaltig in unsere Stadtgesellschaft zu integrieren." Frühe Deutschkurse und Berufsvorbereitung stehen im Vordergrund. Sozialreferentin Dorothee Schiwy (43, SPD) erklärt, dass Integration schon in der frühkindlichen Bildung ansetzen müsse: "Nur so kann Integration nachhaltig gelingen." CSU-Sozialexperte Marian Offman (67): "Das Programm ist ein wichtiger Schritt, um die Chancen der Migranten zu verbessern."

Die Stadt will in den kommenden drei Jahren 21 Millionen Euro für Integration ausgeben. Sie will Lücken schließen, die der Staat bei der Integration offen lässt. Bund und Land zahlen Integrationsangebote nur für Geflüchtete aus Ländern wie Syrien, Irak, Iran oder Eritrea - diese Menschen machen in München aber nur 35 Prozent der Geflüchteten aus. Viele Andere kommen aus Staaten wie Pakistan, Afghanistan, Iran, Nigeria, Somalia oder Mali. Hier ist das Asylverfahren oft langwierig, vor der Anerkennung gibt es aber keine Integrationskurse vom Staat. Darum springt die Stadt mit diesen Maßnahmen ein:

Deutschkurse: Das Angebot wird ab August um 1200 Plätze erhöht.

Erstclearingstelle: Für Flüchtlinge unter 16 wird eine zentrale Erstclearingstelle eingerichtet, wo die Behörden einen ersten Eindruck gewinnen.

Integrationszentrum Sprache und Beruf: Flüchtlinge mit unsicherer Bleibeperspektive werden hier beraten, damit sie arbeiten können.

Volkshochschule: Es gibt zusätzliche Stellen - etwa für Integrationskurse.

Informations- und Fortbildungsangebote: Helfer werden im Umgang mit kulturellen Unterschieden, Folteropfern und traumatisierten Menschen geschult.

Ramadans Geschichte: Fast Kindersoldat, heute Dolmetscher

Wir schreiben das Jahr 2003. Ramadan, damals gerade 13, flieht vor dem Bürgerkrieg in Somalia – ihm droht dort ein Schicksal als Kindersoldat. Gott sei Dank: Das ist ihm erspart geblieben. Ramadan floh nach München, lernte an der „SchlaU-Schule“ Deutsch und machte den Hauptschulabschluss. „Die Schule hat mir sehr geholfen, mich zu integrieren“, so der frisch gebackene Papa, der mit Sohn Ilyas und Freundin in einer kleinen Gewofag-Wohnung in Berg am Laim wohnt. Ramadan machte eine Ausbildung als Sozialbetreuer und Pflegefachkraft, arbeitet in Kitas als Assistent, als Dolmetscher und Betreuer in Heimen.

So lebt Yves in Deutschland: Drei Tage Sprachkurs

Yves Kwambamba.

Yves Kwambamba (28) ist seit sechs Wochen in München. Er kommt aus Kinshasa (Demokratische Republik Kongo) und wohnt ­momentan noch in der Bayernkaserne. Bis zum 26. November darf er mindestens bleiben. Bald steht sein erster Deutschkurs an: drei Tage dauert der Unterricht insgesamt. 140 Euro Taschengeld bekommt Yves monatlich zur Verfügung gestellt. Die Zeit vertreibt er sich mit Freunden aus der Unterkunft und aus der Kirche, deutsche Bekannte hat er noch keine. Nichtsdestotrotz fühlt er sich hier sehr willkommen. Jetzt ist für ihn erst mal Warten auf die Arbeitserlaubnis angesagt. Wie lang das dauert, ist unklar. ­Yves' Zukunft liegt noch im Dunkeln.

Johannes Welte

Johannes Welte

Johannes Welte

E-Mail:Johannes.Welte@tz.de

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