tz-Serie: Platzt München aus allen Nähten?

So eng ist es in Münchens Bädern - und Saunen

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Ansturm im Schyrenbad in München.

München - Die tz dokumentiert in ihrer neuen Serie "Platzt München aus allen Nähten?", wo es in München wirklich eng wird. Diesmal: So eng ist es in Münchens Bädern.

Orte, an denen es proppenvoll ist: Vielen Münchner fallen da die Schwimmbäder und Saunen ein. Alleine die Therme Erding hat ihre Besucherzahlen von der Eröffnung 1999 bis 2015 von 700 000 auf 1,6 Millionen Gäste gesteigert. Dabei sei die Therme aber immer wieder auch räumlich erweitert worden, sagt Prokurist Uwe Barth. Dadurch, dass dem Gast eine „Riesen-Vielfalt“ etwa mit Wellenbad, Saunabereich und Rutschenparadies geboten werde, verteilten sich die Besucher über das Gelände. Richtig voll sei es ab den Spitzentagen zwischen Weihnachten und Silvester. Dann könne es schon mal sein, dass die Gäste nur stoßweise ins Bad gelassen würden. „Wir versuchen aber generell mit der Region München mitzuwachsen.“

In den städtischen Bädern dagegen könne kein allgemeiner Anstieg von Besucherzahlen über die Jahre festgestellt werden, so Bettina Hess von den Stadtwerken. Aber es könne durchaus punktuell sehr voll sein. „Zum Beispiel wenn es Events in den Saunen gibt oder abends, wenn viele Münchner von der Arbeit kommen.“ Die Landeshauptstadt sei schon jetzt eine der bäderreichsten Städte Deutschlands. „Das Voll-Gefühl ist jedoch ein sehr subjektives – das empfindet jeder Mensch anders.“

tz-Reporterin testet: Wie empfinden Sauna-Besucher die Enge?

Silvia Culmone (rechts) mit tz-Reporterin Jasmin Menrad nach dem dritten Aufguss im Ruheraum vom Müllerschen Volksbad.

Im Schweiße ihres Angesichts gibt Schmuckverkäuferin Silvia Culmone (25) nach dem dritten Aufguss der ebenso verschwitzten tz-Reporterin ein Interview. Silvia hat schon in jeder Münchner Sauna geschwitzt und ist regelmäßig im Müllerschen Volksbad.

Wer nackt zusammen war, ist per du?

Silvia: Natürlich.

Gibt’s Platz für alle beim Aufguss?

Silvia: Ich bin fünf Minuten vorher da und hatte nie Probleme. Manche gucken durchs Fensterchen, schütteln den Kopf und gehen wieder. Dabei kann man immer zusammenrücken. Aber klar, voll ist es meistens schon!

Heute waren es vier Grazien und ein Dutzend Herren …

Silvia: Es sind immer mehr Männer als Frauen in der Sauna. Ich habe noch nie eine Frau getroffen, die wie ich allein da ist. Es braucht Selbstbewusstsein, um sich nackt zu zeigen. Und man muss das Nacktsein der anderen ertragen.

Guckst du bei anderen Saunagängern genauer hin?

Silvia: Nein. Wenn mir einer beim Hochsteigen zu nahe kommt, mache ich die Augen zu.

Wird es für dich auch manchmal zu eklig?

Silvia: Ja, wenn beim Klatschen nach dem Aufguss der Schweiß von den Handflächen des Nachbarn spritzt. Ich habe dem Herren neben mir aber auch schon ordentlich Schweiß zurückgeklatscht – ließ sich nicht vermeiden.

Hattest du schon unangenehme Erlebnisse?

Silvia: Einmal nur, das war im Westbad. Ich war in der Dusche, ein rundum gekachelter, kleiner Raum. So, wie man sich eine Dusche im Knast vorstellt. Hinter der Milchglastür machte einer unanständige Gesten. Als ich den Saunameister holen wollte, meinte ein Herr, ich soll mich nicht so anstellen.

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