Das sind die Gründe

Schul-Kantinen: Schweinefleisch verschwindet von der Speisekarte

München - Wenn Kinder Hunger haben, dann wünschen sie sich häufig Currywurst oder Schnitzel. Immer mehr Schulen und Kitas verzichten aber auf Gerichte mit Schweinefleisch. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

"Wir müssen den Spagat schaffen zwischen dem, was die Kinder wollen und dem, was die Eltern wollen", erklärt ein Sprecher des deutschlandweit tätigen Catering-Unternehmens Dussmann, das auch in München mehrere Schulen mit warmen Mahlzeiten beliefert. Dabei zeichnet sich ab: Schweinefleisch wird immer seltener nachgefragt.

„In den nächsten Jahren wird das Schweinefleisch immer weiter von den Speiseplänen in Kitas und Schulen verschwinden“, sagt auch die Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Ulrike Arens-Azevêdo, in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung und erklärt: "Die Caterer machen ihr Angebot inzwischen häufig ganz ohne Schweinefleisch." Der Grund seien religiöse Verbote und Ernährungsstandards.

Vegetarische Gerichte lösen fleischlastige Ernährung ab

Und tatsächlich: Wirft man einen Blick auf die Speisekarten der verschiedenen Catering-Unternehmen, stehen vegetarische Speisen hoch im Kurs. Ob Spaghetti mit Käsesoße, Gemüsebratlinge oder Linsen-Eintopf - die Caterer geben sich Mühe, auch ohne Schweinefleisch ansprechende Menüs für die Kinder zusammenzustellen. Als Alternative ist Geflügel stark im Kommen, Putenwürstchen oder Hähnchengeschnetzeltes lösen das Schweineschnitzel und die klassische Currywurst ab.

Ernährungsminister Christian Schmidt sieht die Entwicklung mit Sorge: „Es kann nicht sein, dass wir Schweinefleisch, das Teil unserer Ernährung und Esskultur ist, einfach von den Speiseplänen verbannen“, sagte der CSU-Politiker der WAZ. „Ich erwarte hier, dass Kreativität im Umgang mit kulturellen Essgewohnheiten zu mehr Abwechslung im Speiseplan führt und nicht zu weniger.“

Ernährungsstandards verändern sich

Es liegt jedoch nicht nur an der steigenden Zahl muslimischer Schüler, dass Schweinefleisch langsam aus deutschen Schulen und Kitas verschwindet, sondern auch sich verändernde Ernährungsstandards. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät zu nicht mehr als zwei Fleischgerichten in der Woche, davon sollte eines aus Geflügel zubereitet sein. Daraus folgt: In Schulen, die die Vorgaben umsetzen, gibt es höchstens viermal im Monat Schweinefleisch. Ernährungsminister Schmidt will die DGE-Standards bundesweit flächendeckend etablieren. „Das Essensangebot in den Schul- und Kitakantinen ist zu einseitig, was Fleisch und frittierte Produkte betrifft“, kritisierte er gegenüber der WAZ. Das soll sich ändern.

Trend auch in München sichtbar

In München ist diese Entwicklung bereits deutlich sichtbar. "Der Anteil an Speiseangeboten mit Schweinefleisch geht allgemein zurück", bestätigt eine Sprecherin des Münchner Referats für Bildung und Sport. "Bei Kinder ist beispielsweise Pute sehr beliebt. Es gibt jedoch täglich mindestens ein alternatives, vegetarisches Angebot zu den Angeboten mit Fleisch (Pute, Rind)." 

Die städtischen Kindertageseinrichtungen setzten bereits seit 2013 die DGE-Standards um. Außerdem müssen Bio-Lebensmittel die Hälfte des Kostenaufwandes ausmachen, auch gibt es Vorgaben zu artgerechter Tierhaltung. Für die Schulen, die zumeist selbst mit den Caterern verhandeln, hätten die Standards der DGE bislang nur Empfehlungscharakter.

Eine bundesweite Umfrage der DGE unter 1400 Kitas hat ergeben, dass sich rund 30 Prozent der Einrichtungen bereits an die DGE-Standards halten. 80 Prozent der Kitas geben an, ausdrücklich auf muslimische Speisevorschriften zu achten. Bei den Schulen ist der Anteil derer, die die DGE-Standards umgesetzt haben, bislang noch deutlich geringer.

Rubriklistenbild: © Archivbild / dpa

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