Wo es die meisten hinzieht

Zu teuer: Münchner flüchten aus der Stadt

München, Grafik
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Hier ziehen die Münchner hin – verzeichnet sind die Zahlen der Wegzüge aus der Stadt in die Kreise im Umland für 2013. An der Spitze steht der Landkreis München. Allein nach Fürstenfeldbruck zogen fast 4000 Menschen. In den vergangenen fünf Jahren waren es zusammen über 20.000!

München - Im Jahr 2013 sind knapp 108.000 Menschen von München aufs Land gezogen. Der Grund: Die Stadt ist einfach zu teuer. Der große tz-Überblick zeigt, wer am ehesten weggeht und wo es die meisten hinzieht.

München ist reich, schön und zieht Jahr für Jahr immer mehr Menschen an. Das stimmt zwar nach wie vor. Doch die Zuzugsrekorde der vergangenen Jahre überdecken eine alarmierende Entwicklung: Immer mehr Münchner ziehen weg aus der Stadt! München ist teuer, eng und laut – die Kehrseite des Erfolgs zwingt zunehmend Familien und ärmere Senioren weg. Die Stadtflucht setzt ein!

Wegzüge aus München haben 2013 Höchstwert erreicht

Die neuesten Zahlen des Statistischen Amtes der Stadt: Im vergangenen Jahr zogen 107.913 Einwohner aus München weg. Das sind sage und schreibe 15.000 Wegzügler mehr als im Vorjahr und der Höchstwert nach 2000, seitdem nur noch die Hauptwohnsitze bilanziert werden. Was für ein dramatischer Anstieg! Zum einen wurden 2013 unüblich viele Menschen ohne deutschen Pass und mit unbekanntem Ziel als verzogen gemeldet. Auch in Richtung Rumänien und Bulgarien sowie in asiatische Länder steigt die Zahl der Wegzüge wieder an – wobei die Zuzüge noch deutlich überwiegen. Zum anderen siedeln immer mehr Münchner ins Umland, nach Oberbayern und den Rest des Freistaats über. Hier erreichen die Wanderungen Jahr für Jahr absolute Spitzenwerte.

Zum Beispiel Fürstenfeldbruck: 2008 zog es noch 3009 Münchner in den benachbarten Landkreis – 2013 waren es schon 3945. In den vergangenen fünf Jahren siedelten damit mehr als 20.000 Münchner westlich über die Stadtgrenze!

Mieterchefin: Vor allem die Mittelschicht kämpft

Mama, Papa, Kinder: In München wird die Mittelschicht aufgerieben. „Mit geförderten Wohnungen ist für die Ärmsten gesorgt und die Reichen finden sowieso immer eine“, sagt Mietervereins­chefin Beatrix Zurek (SPD) der tz. „Aber die Mittelschicht muss kämpfen.“ Sie fordert mehr Sozialwohnungen, eine stärkere Förderung von Genossenschaften, und dass auch der Freistaat Grundstücke wie die der freiwerdenden Finanzämter nicht mehr zu Höchstpreisen verhökert. OB Dieter Reiter (SPD) hatte in seiner Antrittsrede gewarnt, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich öffnet (tz berichtete).

Die Stadt hat die Wanderer vor zwei Jahren untersucht: Demnach ziehen die meisten im Alter zwischen 31 und 40 Jahren weg. Die Familien wollen sich vergrößern, suchen mehr Grün und weniger Lärm oder können die Mieten nicht mehr zahlen. Die wenigsten gehen gern, ihren Job in der Stadt behalten die Umzügler natürlich.

Winziger Vorteil für die Münchner, die bleiben: Die Stadt wächst trotz aller Zuzugsrekorde etwas langsamer, als erwartet. 2013 kletterte die Einwohnerzahl nur um rund 25.000 auf 1,46 Millionen.

David Costanzo

Raus aus der Stadt: Wo die meisten wegziehen

Stadtteil Einwohner Anfang 2013 Wegzüge aus der Stadt 2013 Anteil an der Bevölkerung
Altstadt-Lehel 20.048 1844 9%
Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt 49.657 5103 10%
Maxvorstadt 50.877 4448 9%
Schwabing West 64.768 4422 7%
Au-Haidhausen 58.881 4075 7%
Sendling 39.567 2648 7%
Sendling-Westpark 54.552 3361 6%
Schwanthalerhöhe 29.402 2096 7%
Neuhausen-Nymphenburg 94.257 6741 7%
Moosach 50.253 4234 8%
Milbertshofen-Am Hart 72.506 5488 8%
Schwabing-Freimann 68.530 5736 8%
Bogenhausen 80.816 5221 6%
Berg am Laim 42.310 2525 6%
Trudering-Riem 65.869 3916 6%
Ramersdorf-Perlach 107.164 6206 6%
Obergiesing-Fasangarten 51.183 4994 10%
Untergiesing-Harlaching 51.180 3511 7%
Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln 87.271 12.727 15%
Hadern 47.949 2708 6%
Pasing-Obermenzing 69.295 4615 7%
Aubing-Lochhausen-Langwied 41.116 2678 7%
Allach-Untermenzing 30.393 2013 7%
Feldmoching-Hasenbergl 58.245 3584 6%
Laim 53.359 2984 6%
Gesamt 1.439.474 107.913 7%

In der City ist die Flucht groß. Hinter den Wegzügen zwischen Thalkirchen und Solln stecken unüblich viele Abmeldungen von Ausländern.

Quelle: Statistisches Amt. 26 Einwohner konnten keinem Stadtteil zugeordnet werden.

Wo die Münchner hinziehen

Ziele

Wegzüge

2012

Wegzüge

2013

Trend
Deutschland 53.354 59.984 +12%
– darunter Bayern 37.171 43.292 +16%
– darunter Oberbayern 28.286 31.993 +13%
– darunter Umland 22.172 23.905 +8%
Ausland 19.321 22.167 +15%
Unbekannt 20.274 25.762 +27%
Gesamt 92.949 107.913 +16%

Die meisten der Wegzügler bleiben in Bayern.

In Sendling drei Zimmer, in Ampfing ein ganzes Haus

Eines sagt Martina Maderstorfer (41) gleich vorweg: „Ich liebe München und wollte nie wegziehen.“ Trotzdem haben sie und ihr Lebensgefährte Stefan Laub (40) Anfang Januar ihre Drei-Zimmer-Wohnung in Obersendling aufgegeben. Jetzt leben sie mit Sohn Vinzenz (23 Monate) im 70 Kilometer entfernten Ampfing (Landkreis Mühldorf am Inn).

Stefan Laub und seine Familie zogen von München nach Ampfing und bauen gerade ein Haus um

Eine größere Wohnung wäre der Familie in München zu teuer geworden. Also freundete sie sich mit einem Umzug aufs Land an. „Wir haben uns für Ampfing entschieden, weil ich dort aufgewachsen bin und man mit dem Zug nur eine Stunde zum Münchner Hauptbahnhof fährt“, erklärt Maderstorfer.

In München hat das Paar inklusive Nebenkosten 1150 Euro Miete bezahlt. In Ampfing kaufte es sich ein Haus und baut gerade um. "Für den Kredit und die Betriebskosten geben wir nicht mehr aus als für die Mietwohnung", sagt Laub. Dafür bekommen jetzt auch seine beiden Töchter aus einer früheren Beziehung, Lena (14) und Lucia (13), eigene Zimmer.

Der Diplom-Kaufmann pendelt zu seinem Arbeitsplatz an der Hochschule München. Seine Freundin hat in Mühldorf eine Stelle als Sozialpädagogin gefunden.

Beate Winterer

David Costanzo

David Costanzo

E-Mail:David.Costanzo@tz.de

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