Helikopter beobachtet Verkehr

Die Staufallen in München - betrachtet aus der Luft

+
Stau-Report: Wo herrscht freie Fahrt, wo dicke Luft? Die tz unterwegs per Auto und Heli.

München - In und um München stehen jeden Morgen tausende Autofahrer im Stau. Unser Reporter hat sich das Spektakel aus der Luft angeschaut. Ein Morgen mit dem Stau-Helikopter.

Stau in München.

Kurz vor 8 Uhr, die Blechlawinen rollen Richtung München. Alles ist angerichtet für einen Super-Stau: Montagmorgen, Regen, seit Ende letzter Woche sind die Ferien vorüber. Und tatsächlich: Da vorn leuchten sie schon – Hunderte rote Rücklichter kriechen langsam auf die Großstadt zu. Eine Radiostimme sagt: „Dichter Verkehr auf der A8 Richtung München.“ Andreas Goldhofer schmunzelt. „Jetzt geb’ ma mal a bissle Gas!“ Der Allgäuer beschleunigt auf 220 km/h, die A99 entlang. Am Horizont taucht die Allianz Arena auf. Ganz schön praktisch, so ein Hubschrauber.

Der Verkehrs-Heli von Radio Gong, Moderator Mike Thiel und Geschäftsführer Georg Dingler.

Andreas Goldhofer ist Pilot bei HTM Helicopters in Ottobrunn. Am Montag ist er für Radio Gong 96.3 unterwegs und versorgt die Hörer mit Verkehrsinfos aus erster Hand – die tz ist mit an Bord. Immer wieder knarzt Goldhofers Stimme durch den großen Kopfhörern. Die mächtigen Rotorenblätter zerhacken mit 400 Umdrehungen pro Minute die Luft – mit den Mickey-Maus-Ohren auf dem Kopf ist es beinah mucksmäuschenstill im Hubschrauber. An der Rückenlehne fühlt man die Vibrationen der Turbine. Immer wieder wackelt der Hubschrauber im Wind – das Herz rutscht in die Hose.

Dumpfe Staumeldungen klingen plötzlich aufregend

Der Verkehrs-Heli von Radio Gong.

Nach dem Start um 7.45 Uhr in Ottobrunn rauschen wir zur A8, hoch nach Norden Richtung Fußballtempel. Die Sonne geht auf, im Süden glühen die Alpen feuerrot. Weiter die Isar entlang in die Innenstadt. Unten ziehen bekannte Ecken vorbei, der Englische Garten, der Luise-Kiesselbach-Tunnel, das Grünwalder Stadion. Plötzlich macht Goldhofer einen „Turn“, eine unsichtbare Faust drückt den Körper in den Sitz – und die Orientierung ist weg. Als das Frühstück wieder am richtigen Platz ist, kommt auch der Orientierungssinn zurück.

Graue und grüne Flächen wechseln sich ab dort unten, getrennt von weißen und roten Bändern: die Front- und Rückscheinwerfer der Autokolonnen. Immer wieder gibt Goldhofer Zwischenstände durch: stockender Verkehr, zähfließend, Stau. Dumpfe Begriffe, die man jeden Tag im Radio hört – hier, in gut 500 Metern Höhe, klingen sie aufregend.

Nach einer halben Stunde ist der Spaß vorbei. „Ist das nicht ein geiler Job?“, fragt Andreas Goldhofer und grinst breit. Ja, nicht übel. Endlich mal freie Strecke, München aus der Luft, oben Sonnenschein, unten werden alle nass: Es gibt schlechtere Wege, einen Tag zu beginnen.

Ende A96/Sendling

tz-Reporter Tobias Scharnagl.

Ja, sie sind alle wieder zurück aus den Ferien – und alle wieder auf der Straße. 49 Minuten mit dem Auto in die Arbeit, dabei sind es nur 27,9 Kilometer von Alling ins Pressehaus in der Bayerstraße, und das überwiegend auf Landstraße, Autobahn und Mittlerem Ring. Sie müssen sich keine Mühe machen, liebe tz-Leser, und die Durchschnittsgeschwindigkeit ausrechen. Sie liegt bei 34 Kilometer, ein ordentlicher Schnitt – für Rennradler. Ich fahre die Strecke über die A96 jetzt schon seit 30 Jahren, und der Verkehr wird immer schlimmer. Früher lag die Fahrzeit bei 35 Minuten, heutzutage bin ich über 49 Minuten schon froh, die aber auch nur realistisch sind, wenn ich zwischen 6.30 und 6.45 Uhr losfahre. Später wäre der Stau am Ende der Lindauer so groß, dass ich die Stunde Fahrzeit locker reißen würde. Schleichwege fahren bringt im übrigen nur wenig. Der parallele Praxistest heute morgen hat es gezeigt. Der Umweg über Fürstenrieder-, Agnes-Bernauer- und Elsensheimer Straße hat gerade mal drei Minuten Zeitersparnis gebracht, dafür aber einige Nerven an den Ampeln gekostet. Staufrust statt Fahrlust – und dabei war heute noch gar nicht mal was Besonderes auf den Straßen los. Der ganz normale Wahnsinn. RDF

Allianz Arena

Bei Heimspielen des FC Bayerns geht hier fast nichts mehr. Aber auch am Montagmorgen ist der verkehr ziemlich dicht. „Da stockt es sauber“, meint Goldhofer. An freie Fahrt ist dort unten nicht zu denken. Dabei ist Montagmorgen laut Stauindex nicht einmal die schlimmste Zeit: Dienstagvormittag und Mittwochabend raucht’s gewaltig auf der A9 in München.

Aschheim

Es ist jetzt 7.54 Uhr – der Berufsverkehr nimmt Fahrt auf. Auf der kompletten A99 Richtung Fußballstadion fließt der Verkehr nur zäh dahin. Wer während der Rush Hour eine Stunde Auto fährt, braucht laut Stauindex 20 Minuten länger. Auf’s Jahr gerechnet muss ein Berufspendler mit 76 (!) Stunden Verzögerung rechnen.

Ostkreuz

A99 Richtung Norden: „Stockender Verkehr ab der Raststätte Vaterstetten“, gibt Andreas Goldhofer durch. Am Ostkreuz, wo die A94 einläuft: „Ebenfalls stockend in Richtung Innenstadt“, sagt Goldhofer. München liegt deutschlandweit auf dem fünften Platz der deutschen Stau-Hitparade. Langsam wird klar, warum.

auch interessant

Meistgelesen

Krass! So verschuldet sind die Münchner
Krass! So verschuldet sind die Münchner
Straftaten in München: Das sind die Brennpunkte
Straftaten in München: Das sind die Brennpunkte
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Technische Störung: Verzögerungen auf der Stammstrecke
Technische Störung: Verzögerungen auf der Stammstrecke

Kommentare