Hier merkt er sich die Fußgängerzone

Münchens Superhirn im Video-Experiment

München - Boris Nikolai Konrad ist Münchens Superhirn. In unserem Video-Experiment merkt er sich die Fußgängerzone und betet sie auswendig herunter. Der Versuch und das Interview dazu:

Ende 2012 ist Boris Nikolai Konrad in einer ZDF-Show zu Deutschlands Superhirn gewählt worden. Bei der nächsten Folge der Sendung mit Moderator Jörg Pilawa - voraussichtlich Ende April - darf der Münchner Wissenschaftler, der am Max-Planck-Institut forscht, zwar nicht selbst antreten. Dafür will er die Sport-Reporterin Andrea Kaiser außerhalb der Konkurrenz ins Rennen schicken. An ihrem Beispiel will der Doktorand zeigen, wie jeder von uns in sechs Wochen zum Superhirn werden kann. Bis zur Sendung weiht Konrad, der auch als Gedächtnistrainer arbeitet, sie in seine Geheimnisse ein. Bei einem Experiment mit merkurtz.tv in der Münchner Fußgängerzone beweist Konrad derweil schon mal, zu was sein Gehirn fähig ist.

Im anschließenden Interview mit unserem Portal klärt der 28-Jährige die Frage, ob man Intelligenz lernen kann und verrät, ob Hochintelligente wirklich so seltsam sind wie in der Comedy-Serie "Big Bang Theory".

Herr Konrad, wann haben Sie zum letzten Mal etwas vergessen?

Konrad: Etwas vergessen? (überlegt kurz) Das ist noch nicht so lange her. Die Merktechnik funktioniert nur dann, wenn ich sie anwende. Dabei, Dinge irgendwo liegen zu lassen, bin ich nicht so schlecht. Als ich letztens bei Bekannten war, wollte ich noch kurz in die Drogerie, weil ich mein Haargel zuhause vergessen hatte. Meine Bekannten sagten: Kein Problem, dein Haargel vom letzten Mal liegt noch hier.

Wie hoch ist Ihr IQ?

Konrad: Ich habe mal beim Mensa-Aufnahmetest mitgemacht, bei dem man 130 schaffen muss, um Mitglied werden zu dürfen (Mensa ist ein internationaler Hochbegabtenverein, Anm. d. Red.). Das habe ich gerade so geschafft.

Wie hoch war der Wert genau?

Konrad: 134.

Am Rande des Interviews verrät Konrad, der nicht gerne mit seinem IQ angibt, dass der Test vor zehn Jahren stattfand – bevor er mit dem Gedächtnistraining begonnen hat. Er sagt: "Das Gedächtnis macht einen kleinen Teil der Intelligenz aus, aber ein sehr, sehr gutes Gedächtnis macht einen nicht zu einem sehr, sehr intelligenten Menschen." 

Was halten Sie von IQ-Tests?

Konrad: Der IQ ist ein guter Vorhersagewert für schulischen Erfolg. Darum sollte man ihn nicht so leicht abtun. Es ist aber auch kein Heiliger Gral und sollte nicht überbewertet werden. Man muss nicht geschockt sein, wenn einen das Ergebnis nicht in die Hochbegabtenliga befördert. In den Tests geht es auch nur um logische Intelligenz. Emotionale Intelligenz hingegen wird dort überhaupt nicht abgefragt.

Kann man Intelligenz lernen?

Konrad: Die meisten Psychologen sind der Meinung, dass Intelligenz ein relativ fester Faktor ist, der einerseits durch die Gene, andererseits durch die persönliche Entwicklung geprägt ist. Bestimmte Dinge, die einen dann zumindest intelligenter erscheinen und im Intelligenztest besser abschneiden lassen, sind aber trainierbar.

Wie kann es sein, dass sich unser IQ durch gezieltes Training innerhalb weniger Tage verbessert? Wir sind ja dann nicht schlauer geworden, oder?

Konrad: Das Üben von Testaufgaben führt nur dazu, dass wir uns im Test besser zurechtfinden und nicht mehr so nervös sind. Für jeden, der einen Einstellungstest im Assessment Center vor sich hat, ist das sehr zu empfehlen. Dadurch steigt aber nicht die Intelligenz. Es gibt ein gewisses Limit, über das man dann nicht mehr kommt. Aktuelle Studien lassen aber vermuten, dass beim Training des Arbeitsgedächtnisses, in dem alle Informationen verarbeitet werden, die sogenannte fluide Intelligenz zunimmt.

Was können Sie den Leuten beibringen?

Konrad: Ich kann ihnen beibringen, wie sie ihr Gedächtnis für wirklich einfache Dinge in recht kurzer Zeit verbessern können, sich zum Beispiel Namen zu merken oder Reihenfolgen einzuprägen.

Kennen Sie die beliebte US-Serie "Big Bang Theory"? Dort werden die hochintelligenten Hauptdarsteller als sozial unbeholfen dargestellt.

Konrad: Ich finde die Sendung lustig und sehe sie gerne. Ich habe selbst Physik und Informatik studiert.

Je intelligenter, desto schwieriger. Wieviel Wahrheit ist da dran?

Konrad: Ein kleines bisschen Wahrheit ist dran, aber nicht so viel. Bei Mensa sieht man, dass die Allermeisten ganz normal durchs Leben gehen, mit ihrer Intelligenz gut zurechtkommen und beruflich erfolgreich sind. Es gibt aber auch Hochbegabte mit sozialen Problemen. Über diese Fälle wird dann oft berichtet. Hochbegabung ist aber keine Diagnose, bei der man in Panik verfallen sollte.

Wie kommt Intelligenz bei Frauen an?

Konrad: Ich denke, dass intelligente Männer bei Frauen gut ankommen. Die meisten Frauen wollen einen Mann, der ihnen mindestens ebenbürtig ist. Das ist dann schon mal ganz gut.

Welche Erfahrungen haben Sie als Deutschlands Superhirn gemacht?

Konrad: Ich würde von mir behaupten, dass ich nicht arrogant bin. Ich muss mir nichts darauf einbilden. Ich glaube auch nicht, dass ich in Deutschland ganz oben stehe. Ich freue mich, einen anspruchsvollen Beruf ausüben und meinen Doktor machen zu können.

Interview: Tobias Kimmel

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