Martin-Greif-Straße

Rangierer: Bei ihnen ist die Tram noch echte Handarbeit

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Patrick Sahinci steuert die Tram am Pult.

München - Während der Bauarbeiten am Stachus müssen bei der Tram wie früher Rangierer ran. So funktioniert ihre Arbeit:

Patrick Sahinci sorgt regelmäßig für die Wende! Seit die 17er-Tram durch die Bayerstraße fährt, muss der 27-Jährige mehrmals am Tag Hand anlegen. Der Rangierer gehört zu einem Team. Zwischen 6 und 22 Uhr stellt die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) in Acht-Stunden-Schichten je zwei Mitarbeiter an die Martin-Greif-Straße ab. Alles ausgebildete Tramfahrer. Sie bringen während der Bauarbeiten zwischen Stachus und Sendlinger Tor wieder Zug rein! Das klappt nicht immer reibungslos: Am Donnerstag vor einer Woche ist beim Wenden eine leere Tram aus dem Gleis gesprungen. Ein Kran musste anrücken. Erst nach über vier Stunden war die Sperre von Straße und Gleis behoben.Wie das passieren konnte, ist unklar. Die MVG untersucht den Unfall noch.

Zurückziehen können sich die Rangierer in den kleinen Container an der Martin-Greif-Straße.

Im Normalfall warten die Rangierer wie Patrick Sahinci an dem kleinen Häuschen auf die Straßenbahn. Den Container an der Einmündung zur Martin-Greif-Straße hat die MVG für die Rangierer aufgestellt. Ein Rückzugsort mit Kaffemaschine, Kühlschrank mit Milch, Wasser und Salat. Und ganz wichtig: einer Klima-Anlage. Auch wenn die derzeit wenig zum Einsatz kommt.

Kommt jedoch ein Zug, hat Patrick Sahinci seinen Einsatz. Ausgerüstet mit orangefarbener Warnweste steigt er hinten in die Tram ein. Was kaum einer weiß: Dort befindet sich der Rangierfahrerstand, versteckt unter der grauen Abdeckung bei den hinteren Sitzplätzen. Der Fahrer übergibt nach wenigen Metern an Sahinci. Und weil die Tram nun in die andere Richtung fährt, sitzt der 27-Jährige jetzt vorne. Mit einem Knopfdruck gibt er Gas. Die Tram fährt in die Martin-Greif-Straße ein, Sahinci steigt aus. Für die 17er geht’s zurück Richtung Hauptbahnhof.

Bayerstraße: Gleich zwei Trambahnen entgleist

Grund für das Manöver: Die Hauptschlagader der Münchner Tram, wie MVG-Sprecher Matthias Korte sagt, ist stark ausgeblutet. Zwischen Stachus und Sendlinger Tor geht bis zum 12. September nichts mehr. Komplettsperrung. Die Gleise werden erneuert. Die Tram 17 fährt eigentlich über den Stachus Richtung Giesing. Derzeit aber auf der Bayerstraße.

Die Rangierer sind zu zweit: Bilal Altioglo stellt die Weichen.

Damit die Wende funktioniert, sind die Rangierer zu zweit. Denn es geht manchmal Schlag auf Schlag. Der eine stellt die Weichen, der andere bedient den Rangierfahrerstand in der Tram. „Das ist eine total nette Abwechslung“, sagt Patrick Sahinci. Der Haderner sitzt nämlich sonst selbst am Steuer. „Den Fahrplan einhalten, schauen, dass alles reibungslos abläuft, die Fahrerkollegen entlasten.“ Vor allem darum geht es. Denn müsste der Fahrer einmal durch die ganze Tram laufen, würde das Zeit kosten. „Es gibt keinen Stress. Alles läuft mit Ruhe und Gemütlichkeit“, sagt der 27-Jährige . Und dann kommt die nächste Tram.

Markus Schwarzkugler

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