Innovationszentrum eröffnet

München wird UN-Standort

München - Das „World Food Programme“ entwickelt künftig von Bayern aus Ideen, die den Hunger in der Welt bis 2030 besiegen sollen.

Im jordanischen Flüchtlingscamp Azraq bezahlen die Menschen mit ihren Augen. In den Geschäften, die das UN-Ernährungshilfswerk „World Food Programme“ (WFP) dort betreibt, blicken die Camp-Bewohner in einen Scanner, statt das Portemonnaie zu zücken. Die Technik ist effektiv und sicher – keine Iris gleicht der anderen.

Der Iris-Scan war einmal nicht mehr als eine Idee. Und genau solche Ideen sollen künftig von München aus zu konkreten Projekten reifen. Gestern hat das WFP dort sein Innovations-Zentrum eröffnet. Die Landeshauptstadt ist damit UN-Standort.

Das ambitionierte Ziel ist eine Welt ohne Hunger bis 2030. Gleichzeitig werde es aber immer herausfordernder, Menschen weltweit die nötige Hilfe zukommen zu lassen, sagt WFP-Exekutivdirektorin Etharin Cousin. „Wenn wir immer so weiter machen wie bisher, bekommen wir immer nur die selben Ergebnisse.“ Deshalb sagt Cousin: „Wir müssen die Dinge anders angehen.“

Zahlungsmittel Auge: In WFP-Geschäften in Jordanien können Flüchtlinge mit einem Blick einkaufen.

WFP-Mitarbeiter kommen künftig in München mit Experten und Unternehmern aus aller Welt zusammen, die glauben, eine gute Idee für den Kampf gegen den Hunger zu haben. Prototypen werden entwickelt und getestet, Teams gebildet. Drei bis sechs Monate arbeiten sie zusammen an einem vielversprechenden Einfall. Dabei steckt auch in einem möglichen Scheitern ein Erfolg. „Es geht auch darum, schnell rauszufinden, was nicht funktioniert“, sagt Cousin. Das spart Geld und Ressourcen für andere Projekte.

Dass WFP und UN sich dafür ausgerechnet München als Standort ausgesucht haben, hat mehrere Gründe, sagt Bernhard Kowatsch, der den „Innovation Accelerator“ (Innovations-Beschleuniger) leiten wird. „Mehr als zehn Orte standen am Ende zur Wahl.“ Weltweit. Den Ausschlag für München habe die starke Forschungs- und Unternehmens-Infrastruktur gegeben, und auch die Anbindung an den Flughafen. WFP-Deutschlandchef Ralf Südhoff betont zudem die gute Zusammenarbeit mit Staats- und Bundesregierung, die „richtige Partner“ seien. Auch was die finanzielle Unterstützung betrifft: Zwei Millionen kommen jährlich aus dem Außenministerium, zwei Millionen aus dem Entwicklungsministerium, eine Million vom Land Bayern – macht insgesamt fünf Millionen Euro. „Das gibt uns die Möglichkeit zu beginnen“, sagt Cousin.

Für Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ist die Verzahnung von Wissenschaft, Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen ein „Meilenstein“ im Kampf gegen den Hunger. Die Möglichkeiten über 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde zu ernähren, seien da. „Dies setzt allerdings voraus, dass wir unser Wissen teilen und die Chancen der digitalen Technik nutzen“, sagte Müller, der sich für München als Standort eingesetzt hatte. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) betonte, Bayern sei stolz, den Aufbau des Münchner Büros zu unterstützen. Auch Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD) war gekommen. „Der Innovation Accelerator wird dazu beitragen, neue Technologien oder Geschäftsmodelle zum Wohle von Menschen in Not zu entwickeln“, sagte er.

In der Buttermelcherstraße sollen künftig Ideen reifen wie die WFP-Smartphone-App „Share the Meal“, mit der man mit einem Klick einem Kind eine Mahlzeit spendieren kann. 6,5 Millionen Tagesrationen für Hungernde wurden damit weltweit finanziert. Die App gibt es seit einem Jahr. 

Sebastian Horsch

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