Dritter Teil der Serie 

Münchens 477 Dörfer: In Freiham wohnt die Zukunft

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Josef Piller lebt mit seiner Frau und Tochter Theresa in Freiham.

München - Ein Gemeinschaftsprojekt von tz und tz.de zeigt, dass München aus 477 Dörfern besteht. Diesmal hat Kollege Johannes Heininger das jüngsten Viertel besucht. Freiham. Lesen Sie, was einer der ersten Bewohner erzählt.

Anfangs wurde er für verrückt erklärt. „Dort willst du hinziehen? Da bist du ja im letzten Loch“, bekam Josef Piller (49) oft zu hören. Doch der Küchenchef blieb entschlossen, zog mit seiner Ehefrau Beata aus dem Zentrum an den westlichen Stadtrand. Dorthin, wo vor sechs Jahren ein neues Viertel erschlossen wurde – nach Freiham. Heute sagt Piller: „Ich habe meine Entscheidung noch keine Sekunden bereut.“ 

Freiham ist Münchens jüngstes Viertel.

Auf dem Grundstück gegenüber hat kürzlich ein Hotel eröffnet. Dort liegt Josef Pillers neuer Arbeitsplatz. „Für meinen Arbeitsweg muss ich mir nicht einmal die Schuhe binden.“ Seit 20 Jahren lebt der gebürtige Niederbayer in München, hat in vielen Hotelküchen den Kochlöffel geschwungen und stets im Zentrum gewohnt. Pillers Plan: „Ganz klassisch.“ Zurück in die Heimat, Haus bauen, fertig. „Aber meine Frau liebt die Stadt.“ Der Kompromiss: Freiham. Die Erschließungspläne versprachen einen Ort mit viel Zukunft. Noch als das Gebäude im Rohbau stand, entschieden sich die Pillers zum Kauf einer Wohnung. „Nicht ganz billig, da könnte man sich in Niederbayern ein schönes Häuschen bauen“, weiß Piller. 

Und heute? Knapp sechs Jahre später hat sich der Wert seiner Immobilie fast verdoppelt. „Wir waren die absoluten Pioniere. Anfangs war die Anbindung noch schwierig“, erinnert sich der Familienvater. Vor vier Jahren erblickte Töchterchen Theresa das Licht der Welt. Und die musste fortan in die Kinderkrippe. Da mussten sich die berufstätigen Eltern einen messerscharf kalkulierten Plan zurechtlegen. „Damals gab’s in Freiham noch keine S-Bahn. Wir hatten nur ein Auto. Meine Frau radelte jeden Morgen um fünf Uhr zur S-Bahn nach Neuaubing. Um neun Uhr habe ich meine Tochter in die Krippe gebracht, das Auto in Neuaubing abgestellt und bin mit der S-Bahn in die Innenstadt gefahren. Meine Frau hat am Nachmittag unsere Tochter mit dem Auto abgeholt. Ich bin dann nachts um halb elf mit dem Radl von Neuaubing heimgefahren.“ 

Die S-Bahn hält inzwischen in Freiham. Und auch sonst tut sich einiges im Viertel. Ein Einkaufszentrum ist geplant, eine Schule befindet sich im Bau. Einen Spielplatz gibt’s auch schon. Mittlerweile leben etwa 400 Menschen in Freiham. In den nächsten 20 Jahren sind 8000 Wohnungen für 20.000 Menschen geplant. Der Zusammenhalt in der Nachbarschaft ist groß. Piller: „Zweimal im Jahr gibt es im Innenhof ein großes Grillfest. Wir helfen uns auch gegenseitig beim Babysitten. Manchmal bringt mir meine Nachbarin frische Eier vom Biobauern.“ Anfangs wurde Josef Piller von vielen belächelt. Ein Dorf in der Stadt? Heute sagt er: „Hier gehe ich nicht mehr weg.“

Das sind die Pläne für das neue Viertel Freiham

Im Münchner Westen entsteht mit Freiham ein Viertel der Zukunft. Nach dem Gewerbegebiet mit Fachmärkten und Handwerksbetrieben wächst in den kommenden Jahren im nördlichen Teil ein neuer kompakter, urbaner und grüner Wohnstandort. Die tz hat für Sie die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten über das jüngste Dorf der Stadt zusammengetragen: 

Gesamtfläche: 250 Fußballfelder entsprechen in etwa der Fläche, auf der in Freiham Wohnraum entstehen wird. 

Grünflächen: 550.000 Quadratmeter Grünflächen sind im Freihamer Landschaftspark geplant. 

Wohnungen: 8000 neue Apartments werden in den kommenden Jahren in Freiham entstehen. 

Einwohner: 20.000 Menschen werden künftig im neuen Stadtteil leben. 

Arbeitsplätze: 7500 Stellen sollen in Freiham geschaffen werden. 

Energie: In 3000 Metern Tiefe gewinnt die Stadt durch Geothermie Energie für Freiham. 

Bildung: Sechs Schulen – von der Grundschule bis zum Gymnasium – werden in Freiham von der Stadt gebaut. Auch Münchens größter Bildungscampus ist hier geplant. 

Erziehung: 13 Kindertagesstätten sind derzeit für Freiham vorgesehen – ein familienfreundliches Viertel. 

Anbindung: 22 Minuten dauert die Fahrt mit der S-Bahn von Freiham zum Münchner Marienplatz. 

Freizeit: Ein 9,7 Hektar großer Sportpark mit drei Sporthallen, einem Schwimmbad, einer Kletterhalle und einem Fußballplatz wird gebaut. 

Name: Das neue Stadtviertel erhält seinen Namen vom Gut Freiham, einem denkmalgeschützten, mittelalterlichen Schloss mit einer Hofmarkkirche aus dem 17. Jahrhundert und prächtigen Alleen.

Machen Sie die roten Dörfer auf unserer interaktiven Karte grün 

Unser Aufruf an Sie, liebe Leser: Machen Sie die Stadtkarte grün! Leider finden sich auf unserer Karte immer noch rund 60 rote Fleckerl. Sie stehen für die Dörfer, die nach unseren Recherchen noch keinen offiziellen Namen tragen. Auch aus der langjährigen Geschichte gehen keine konkreten Informationen über eine mögliche Namensgebung hervor. Sie wissen es besser, kennen jemanden, der in diesen Stadtteilen lebt oder wohnen gar selbst dort? Dann schicken Sie eine E-Mail mit Ihrer Geschichte an lokales@tz.de oder erzählen Sie uns diese über unser Leserreporter-Tool - damit auch wirklich alle 477 Dörfer einen Namen tragen.

Lesen Sie hier alle Folgen der Serie "Münchens 477 Dörfer"

Johannes Heininger

Johannes Heininger

E-Mail:Johannes.Heininger@tz.de

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