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Wie Münchens Griechen Flüchtlingen in der Heimat helfen

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Der Ex-Münchner Petros Siapkaris mit den Spenden, die in Cherso für Flüchtlinge abgegeben wurden. In den Camps in und um Idomeni werden die Hilfsgüter verteilt, auch die aus München (r.)

München - tz-Reporter Johannes Welte traf einen Ex-Münchner in der Nähe des Elendscamps von Idomeni. So hilft er vor Ort.

Münchens Griechen leben in zwei Welten. Zum einen erleben sie den Wohlstand der florierenden Landeshauptstadt, zum anderen wissen sie, wie sehr ihre Heimat unter den Folgen der Finanzkrise leidet, in die sie ihre Mächtigen manövriert haben. Jetzt sind auch noch Zehntausende Flüchtlinge im Land gestrandet, nachdem Mazedonien die Grenzen dichtgemacht hat. tz-Reporter Johannes Welte traf einen Ex-Münchner in der Nähe des Elendscamps von Idomeni.

Petros Siapkaris (48) lebte 25 Jahre lang in München, arbeitete von 1988 bis 1999 als Fernmeldetechniker in einer Fabrik in Obersendling, bevor er wieder in seine Heimat in Nordgriechenland zurückkehrte. Seine Kinder schickte er in München auf die griechische Schule, eine Tochter lebt heute in Stuttgart.

Jetzt schlägt sich Siapkaris als Taxifahrer in seinem Heimatdorf Cherso unweit von Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze durch. Dort gibt es nicht nur das riesige Flüchtlingslager Idomeni, das der tz-Reporter vorige Woche besuchte. Es gibt auch Dutzende kleiner Lager, so auch am Ortsrand des Dorfes Cherso, wo 2500 Menschen von der Regierung in Zelten untergebracht wurden. Für die Bewohner von Cherso war es eine Selbstverständlichkeit, sofort zu helfen. Im Gemeindehaus wurden Spenden gesammelt: Schuhe, Jacken, Kekse, Matratzen, Kinderspielsachen – aus der ganzen Gegend lieferten die Leute gut erhaltene Sachen ab, die sie nicht selbst brauchen. Oder sie kauften sogar neue.

„Diese armen Menschen haben doch alles verloren“, sagt Siapkaris. „Sie schlafen auf dem nassen, kalten Boden. Sie haben nichts zum Anziehen. Ist doch klar, dass wir helfen.“ Sogar aus dem 560 Kilometer entfernten Athen fuhren die Menschen Hilfsgüter her. Dabei herrscht im ganzen Land selbst die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Jedes zweite Geschäft in der Gegend ist zu, die Arbeitslosigkeit beträgt 25 Prozent.

Auch griechische Geistliche packen an und helfen im Camp, dabei war das orthodoxe Griechenland über 450 Jahre lang von den Türken besetzt. „Ob Muslim, Katholik, Protestant oder Orthodoxer – wir sind doch alle Menschen“, sagt die Tankstellenangestellte Sofia (52). Sie hatte gerade erst selbst auf Rhodos aus der Türkei ankommende Flüchtlinge betreut. „Das sind keine Diebe, das sind Menschen, die arbeiten wollen. Nur, wir haben in Griechenland keine Arbeit für sie, wir haben ja nicht mal selbst welche.“

Soforthilfe per Videostation

Was brauchen Münchens Flüchtlinge aktuell an Spenden? Ab sofort informieren die 90 Videostationen an Hauptbahnhof und Stachus über den aktuellen Bedarf an Sachspenden für Flüchtlinge, die von der Diakonia in München mit Kleidung und Hygieneartikeln versorgt werden. „Wir sind zeitlich so flexibel, dass wir montags beispielsweise um Spenden wie Herrenpullover in Größe S, mittwochs aber vielleicht um Shampoo und Duschgel bitten“, erklärt Steffen Ansorge vom Betreiber Kinetic Active.

Indie-Konzerte für Medikamente

Christos Davidopoulos beobachtet am Laptop das Verteilen der Medikamente.

Christos Davidopoulos (56) vom Plattenladen Optimal (Kolosseumstraße) hat schon zwei Benefizkonzerte mit Münchner Independent-Bands im Club Milla organisiert und mit dem Erlös in Griechenland Medikamente für Flüchtlingskinder gekauft. „Vor zwei Wochen habe ich die Medikamente nach Piräus gebracht, wo viele Kinder mit Asthma oder TBC ankommen.“ Wieso die Griechen so hilfsbereit sind? „Viele Familien sind nach dem Ersten Weltkrieg aus der Türkei geflohen.“ Damals musste Griechenland 1,1 Millionen Flüchtlinge aufnehmen. Auch der Zweite Weltkrieg, der Bürgerkrieg danach und die Militärdiktatur bis 1974 hatten viele Griechen zur Flucht ins Ausland gezwungen. „Die Griechen wissen, was es heißt, Flüchtling zu sein.“

Hilfe für Idomeni

Mehrere Münchner Hilfsorganisationen sind in den Flüchtlingscamps in und um Idomeni vor Ort, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Der Verein Heimatstern sammelt Geld- und Sachspenden, er hat auch eine Amazon-Wunschliste (Infos unter www.heimatstern.org). Spendenkonto: German Alliance for Civilian Assistance, IBAN: DE 4570 0205 0000 0985 1700, BIC: BFSWDE33MUE, Verwendungszweck: HEIMAT-STERN. Die Münchner Organisation IHA (www.IHA.help) bringt ebenfalls Hilfsgüter in die Camps, hier kann man per SMS spenden: Einfach eine SMS mit „HELPDIRECT10“ an die Nummer 81190 schicken, und schon spendet man zehn Euro.

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