Gegenstand eines Gerichtsprozesses

Münchner FC Bayern-Fan hat Prügel-Treffen auf Handy

Prügel-Treffen von Fußballfans mit der Video-Kamera dokumentiert. 

München - Bei einem gewaltbereiten Fan des FC Bayern München ist ein Video gefunden worden, das eine Massenschlägerei mit Hooligans von Eintracht Frankfurt zeigt. Bizarr: Es war ein Prügel-Date. 

Tausende Zuschauer jubeln, Konfetti regnet vom Himmel, wenn der Deutsche Meister im Fußball gekrönt wird. Viel Schweiß ist nötig, um diesen Titel zu gewinnen, manchmal sogar Blut und Tränen. Abseits der Stadien wird um einen anderen Titel gekämpft. Blut und Schweiß stehen dort auf der Tagesordnung, Tränen wohl auch. Der Kampf um diesen Titel spielt sich an wenig glamourösen Orten ab, auf Äckern oder in Wäldern. Dort treffen sich Hooligans, um herauszufinden, wer härter zuschlägt. So auch im Sommer 2014, auf einem Feld irgendwo in Hessen oder Baden-Württemberg: FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt hieß die Begegnung dort – zumindest vordergründig.

Die Szene wirkt wie eine archaische Schlacht: Beide „Mannschaften“ stellen sich an den Enden des Felds auf, jede knapp 15 Mann stark. Ausgerüstet mit Zahnschutz und Handschuhen, die mit Quarzsand gefüllt sind – um härter austeilen zu können. Mit dem „Anpfiff“ rennen beide Gruppen aufeinander zu, die ersten Reihen prallen zusammen, die Hooligans schlagen und treten aufeinander ein – auch dann, wenn der Gegner bereits am Boden liegt. Und wie beim Fußball gibt es Anweisungen vom Rand des Feldes: wo noch Gegner sind, wem geholfen werden muss. Manche der Umstehenden filmen, andere entscheiden schließlich, wer gewonnen hat. Nach knapp zwei Minuten ist es soweit, alle Kämpfer einer Gruppe liegen kampfunfähig am Boden, Jubel bricht aus. Sieger: der „Deutsche Randalemeister“ – mit diesem Titel schmücken sich die gewaltbereiten Fans aus Frankfurt.

Das Video der Prügelei war Gegenstand eines Prozesses 

Ein Video der Prügelei war nun Gegenstand eines Prozesses vor dem Münchner Amtsgericht. Entdeckt worden war es zufällig, beim Derby zwischen den zweiten Mannschaften des TSV 1860 und des FC Bayern. Der Angeklagte, ein 30-jähriger Türsteher aus München, hatte versucht, mit anderen Anhängern des FC Bayern über einen Zaun zu klettern, der die verfeindeten Fans voneinander trennt. Die Polizei konnte die Aggressoren schließlich auf ihre Plätze zurückdrängen, der 30-Jährige wurde noch im Stadion festgenommen. Auf seinem Handy wurde der Film über die Schlägerei entdeckt.

Im Video feuert der Türsteher die Hooligans aus München vom Rand des Felds aus an und gibt Anweisungen, wo die Männer angreifen sollten. Das Amtsgericht verurteilte den 30-Jährigen deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruchs – letzterer jedoch im Grünwalder Stadion begangen – zu acht Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 1000 Euro. Zusätzlich erhielt er ein dreijähriges Stadionverbot und darf sich bei Spielen des FC Bayern, des TSV 1860 und der Frankfurter Eintracht dem Austragungsort nur auf maximal zwei Kilometer nähern.

"Normaler Hooligan nicht an Fußballspiel interessiert"

Michael Schaffrath von der TU München erklärt, die Prügeleien hätten sich im Vergleich zu den 80er-Jahren aus den Stadien heraus verlagert: „Das scheint sich heute mehr in einer Art Parallelwelt abzuspielen.“ Ein Hooliganproblem gibt es nach Angaben der Münchner Polizei jedoch nicht. Bei den Sechzgern seien keine Hooligans bekannt, beim FC Bayern gebe es etwa 40, erklärte Polizeisprecher Werner Kraus. Zusätzlich gebe es dort knapp 20 Personen, die zum Kreis der Hooligans gehören, aber auch zu Spielen gehen. Das sei jedoch untypisch, denn: „Der normale Hooligan ist ja an einem Fußballspiel gar nicht interessiert.“

Eine Prügelei ist eine Straftat – das hat der Bundesgerichtshof im Januar 2015 bestätigt. Mehrere Dresdner Hooligans hatten gegen ein Urteil des dortigen Landgerichts geklagt – die Schlägereien würden einvernehmlich stattfinden. Dem Gericht zufolge ist zwar möglich, in eine Körperverletzung einzuwilligen, die dann straflos bleibt, zum Beispiel beim Arzt oder im Kampfsport. Allerdings endet diese Einwilligung für die Richter, wenn es keine Regeln gibt oder niemand überprüft, ob sie eingehalten werden. Dann ist die Vereinbarung sittenwidrig und die Tat nicht straflos.

Emil Nefzger

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