Botschaft im Schaufenster geht viral

So wehrt sich ein Münchner Buchhändler gegen Amazon

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München - Immer mehr Kunden bestellen ihre Bücher bequem im Internet. Ein Münchner Buchhändler wehrt sich nun gegen den Online-Bestell-Wahn. Sein flammender Appell für den Einzelhandel schlägt im Netz hohe Wellen. 

Auf dieser Welt gibt es wohl nichts, was es auf Amazon nicht zu kaufen gibt. Ein, zwei Klicks und man ist stolzer Besitzer eines Grundstücks auf dem Mond (39,90 Euro), eines Raumsprays "Hühnersuppe" (24,95 Euro) oder der größten Kaffeetasse der Welt (120,99 Euro). Über 150 Millionen Produkte gibt es in Deutschland beim weltweit größten Online-Versandhandel zu kaufen. Innerhalb weniger Stunden kann man sich seine Bestellung an die Haustür liefern lassen. Praktisch, bequem und vor allem zeitsparend. Und dennoch kann Amazon seinen Kunden nicht alles bieten. Fachkundige Beratung, freundlichen Service oder aber auch ein simples Lachen - das gibt's nur im Einzelhandel. 

Dieser Meinung ist auch ein Münchner Buchhändler, der mit einem Aushang für kontroverse Debatten in den Sozialen Netzwerken sorgt. Der viel diskutierte Zettel hängt im Schaufenster von "Buch Lentner" in der Balanstraße in Haidhausen, unterschrieben ist er mit "Ein Freund". In seinem flammenden Plädoyer für den Einzelhandel macht der Verfasser deutlich, warum die Kunden lieber in den Buchhandel ihres Vertrauen gehen sollten, als sich von Amazon beliefern zu lassen.

"Wir bezahlen Steuern. Amazon nicht."

"Wir lieben und kennen unsere Kunden, Amazon nur Ihre Daten", heißt es auf dem handgeschriebenen Zettel mit der Überschrift "Amazon will die Welt beherrschen".  In seinem offenen Brief macht der Verfasser seinem Ärger Luft und prangert die Schattenseiten des Internetriesen an, der sich immer wieder negativen Schlagzeilen ausgesetzt sieht.

„Buchhändler arbeiten mit 30% Spanne, Amazon will 60% von den Verlagen. Wir bezahlen unsere Steuern und Sozialabgaben, Amazon nicht. Wir haben faire Arbeitsbedingungen. Amazon nicht", schreibt der Autor. Dann stellt er die alles entscheidende Frage. "Wieso kauft man Bücher über Amazon?"

Einen Vorteil für den Kunden biete das nicht, so der Verfasser. Immerhin gelte in Deutschland für Bücher eine Preisbindung. Einen Kostenvorteil erlangt der Kunde somit nicht. Und auch beim Thema Lieferzeit hat der anonyme Autor eine deutliche Meinung: "In 80% aller Fälle sind wir schneller als Jeff Bezos (der Amazon-Gründer, d.Red.) und wir können lächeln!"

Aushang wird kontrovers diskutiert

Seine letzte Forderung richtet sich schließlich direkt an die Leser des Aushangs: "Denkt nach - hier - heute - jetzt! Sonst gibt es in 5 Jahren keine Einzelhändler mehr! Wie langweilig wird das denn?", fragt der Verfasser.

Im Internet wird der Anti-Amazon-Appell derweil kontrovers diskutiert. Auf der Facebook-Seite von "Das Buch als Magazin", wo das Foto des Aushangs als erstes gepostet wurde, liefen innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Kommentare ein. Viel Zustimmung, aber auch viel Gegenwind für den Amazon-Kritiker. Speziell die Vereinbarkeit von Ladenöffnungszeiten und Arbeitszeiten der Kunden ist hierbei ein Thema.

Nicht der erste Aushang bei Buch Lentner

Ein User fasst den Tenor der Debatte zusammen: "Lieber Einzelhändler, ich liebe es auch, in Deinen Laden zu gehen und mein Geld bei Dir zu lassen - leider haben sich 2016 die Kunden Bedürfnisse ein wenig gewandelt. Stell Dir vor, der Kunde muss arbeiten. Ich hasse Amazon auch! Aber ich bin machtlos - wenn ich um 19 Uhr nach Hause komme und für die Kinder ein paar Bücher und CDs besorgen soll." Zu dieser Zeit hätten die meisten Läden schon zu.

Andere Kommentatoren bekräftigen den Verfasser in seinen Aussagen. "Recht hat er - leider! Nur interessiert´s wenige", schreibt einer. Ein anderer verweist auf die Preise, die ob der Preisbindung für Online-Verkäufer und Buchhandlungen identisch sind. "Was spricht also dagegen, die kleine Buchhandlung um die Ecke zu unterstützen, in der man noch persönlich beraten wird." 

Einen Nerv scheint der Verfasser mit seinem Aushang allemal getroffen zu haben, und es ist nicht der erste Amazon-kritische Zettel, der bei "Buch Lentner" die Runde macht. Schon vor drei Jahren postete der Buchladen auf seiner Facebook-Seite ein Foto eines handgeschriebenen Zettels, auf dem gegen den Online-Versandhandel gewettert wird. "Amazon zielt darauf ab, Kunden zu binden und Einzelhändler vor Ort platt zu machen", heißt es dort unter anderem.

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