Mysteriöse Blasen an der Münchner Freiheit

Das steckt hinter dem Schwabinger Schimmelpilz

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Das Dach der Tramstation an der Münchner Freiheit ist eine Kraterlandschaft. 

München - Seit 2009 leidet das futuristische Dach des Bahnhofs an der Münchner Freiheit an einer Beulenpest. Eine Ausbesserung könnte teuer für die Bürger werden. 

Der Tram- und Busbahnhof an der Münchner Freiheit sollte ein Wahrzeichen für Schwabing werden – es hätte eine Art „futuristischer Pappelhain“ werden sollen. Sollte … Hätte … Heute schaut es ein wenig anders aus – da lästern die Schwabinger über einen „fremden Planeten“ oder einen giftgrünen „Schimmelpilz“. Denn das Dach der 2009 errichteten Station leidet unter einer Art mysteriöser Beulenpest, die die Stadtwerke (SWM) und damit die Bürgern noch teuer zu stehen kommen könnte.

Das grüne Dach mit seiner Hügellandschaft und den dreiteiligen Oberlichtern war das Ergebnis eines Architektenwettbewerbes der Stadtwerke von 2003, bei dem sich der Aachener Architekt Professor Marcin Orawiec durchgesetzt hatte. Der plante die Konstruktion aus GfK-Kunststoff. Die SWM entschieden sich aber für Stahl, um die Baukosten um 400.000 auf 4,4 Millionen Euro zu drücken??. Auch das Thema Brandschutz wurde angeführt. „Das war Unsinn, denn selbst Flugzeuge und Yachten werden aus GfK gebaut“, so Schwabings Bezirkschef Werner Lederer-Piloty (SPD). Auch CSU und FDP im Rathaus kritisierten die Materialwahl damals.

Eine Art Beulenpest hat das Dach befallen. 

Ein Jahr nach der Eröffnung warf das Dach 2010 die ersten Blasen. Grund war, dass man auf das Blech zwei Schichten Polyurethan aufgebracht hatte, die das Dach vor Feuchtigkeit schützen sollten – nur war die Schicht nicht wetterfest. Es wurde erstmals ausgebessert. Ein SMW-Sprecher sagte damals: „Die Arbeiten am Haltestellendach in diesem Umfang waren einmalig.“

Die Blasen wirft das Dach aber nach wie vor, Risse zeigen sich, es wird immer wieder ausgebessert. Jetzt soll eine Untersuchung stattfinden, um die Ursache zu finden. SWM-Sprecher Matthias Korte: „Nach Feststehen der Ursache wird je nach Sanierungsart ein möglicher Neuanstrich geprüft.“ Die Kosten sind noch nicht abzuschätzen, doch die SWM werden wohl darauf sitzen bleiben. Denn die Gewährleistungsfrist des Herstellers ist offenbar verstrichen. Korte: „Dass die Reparaturen innerhalb der regelmäßigen Wartungs- und Revisionsarbeiten möglicherweise für eine dauerhafte Lösung nicht ausreichen und umfangreiche Untersuchungen erforderlich sind, zeigte sich für die SWM erst im Laufe der Zeit …“ 

Zahnärztin kämpft gegen grünen Schimmer

Dr. Karen Meißner wird mit dem Tram-Dach nicht grün.

Das grüne Dach des Trambahnhofs an der Münchner Freiheit bringt seit 2009 auch die Zahnärztin Dr. Karen Meißner auf die Palme. Ihre Praxis befindet sich direkt über dem Dach. „Als Zahnärztin muss ich kontrollieren, wie weiß die Zähne meiner Patienten sind. Anhand einer speziellen Weißtonpalette muss ich bestimmen, welcher Ton bei Füllungen und Zahnersatz zum Einsatz kommt“, so Meißner. Der Grünton störe dabei empfindlich. Inzwischen strahlt das Dach zwar nicht mehr so hell wie am Anfang – „es stört aber immer noch“, so Meißner gestern. Ihr Vermieter klagte gegen die Stadtwerke, die Klage wurde in zweiter Instanz vom Oberlandesgericht wegen fehlender Zuständigkeit abgewiesen. Denn die Haltestelle war per Planfeststellungsbeschluss von der Regierung von Oberbayern genehmigt worden. 

Somit landete die Beschwerde wieder bei der Regierung, die blieb aber lang untätig. Begründung: Der Dreck habe das Hellgrün des Daches abgedunkelt. Heute überzeugen sich Mitarbeiter der Behörde in einem Ortstermin in der Zahnarztpraxis persönlich von den Lichtverhältnissen.

Johannes Welte

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