Sedlmayr, Kästner, Fassbinder & Co.

Münchner im Himmel: Wo unsere großen Künstler begraben sind

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Wunderschön: der alte Friedhof in Bogenhausen.

München - tz-Fotograf Heinz Gebhardt hat die Münchner im Himmel von Bogenhausen besucht und die wunderschön geschmückten Allerheiligen-Gräber rund um die St. Georgs-Kirche fotografiert.

Es gibt in München viele traumhafte Friedhöfe für die letzte Ruhe. Der Alte Südfriedhof etwa – oder sein Pendant in Bogenhausen. Er ist noch etwas exklusiver als das begehrte Wohnviertel – denn diese Ruhestätte verfügt nur über 208 Gräber. Wer hier einmal liegen will, muss mindestens 30 Jahre lang im Stadtviertel 13 rund um den Friedhof gelebt haben oder eine Persönlichkeit sein, die sich um München verdient gemacht hat.

Die Promi-Gräber finden Sie folgendermaßen: Die Grabnummer setzt sich in der Regel aus einer Kombination von drei Zahlen oder Buchstaben zusammen. Die erste Zahl ist das Gräberfeld. Es ist an den Friedhofseingängen im Lageplan einzusehen. Alternativ kann an erster Stelle auch ein Buchstabe stehen: „M“ bedeutet, dass das Grab an einer Mauer liegt. „U“, dass das Grab eine Urnenanlage ist. Die zweite Zahl zeigt die Lage im Gräberfeld: Eine „1“ bedeutet erste Reihe vom Weg aus gesehen, eine „3“ die dritte Reihe. Die dritte Zahl beschreibt, das wievielte Grab es in der Reihe ist. Begleiten Sie uns:

1. Walter Sedlmayr

An der linken Mauer unter einem surrealistischen Grabkreuz hat der Schauspieler Walter Sedlmayr, 1926 – 1990, seinen ewigen Frieden gefunden. Der beliebte Münchner Schauspieler etwa aus den Münchner Gschichten, Der Millionenbauer, Polizeiinspektion 1 oder als Hofkoch Hierneis und gefürchteter Salvator-Derblecker auf dem Nockherberg ging 1990 auf tragische Weise in den Münchner Himmel ein. Am 15. Juli wurde er erstochen und mit einem Hammer erschlagen ermordet in seiner Wohnung aufgefunden.

Grabstelle: Mauer–links–48

2. Rainer Werner Fassbinder

Rainer Werner Fassbinder, 1945 – 1982, war der wichtigste Vertreter des neuen Deutschen Films der 70er- und 80er-Jahre. Publikumserfolge waren Berlin Alexanderplatz, Die Ehe der Maria Braun oder Die Sehnsucht der Veronika Voss, für die er kurz vor seinem Tod den „Goldenen Bären“ der Berlinale bekam. Er starb mit 37 Jahren. 1982 in München während Dreharbeiten. Als Todesursache wurde Herzstillstand diagnostiziert, vermutlich durch Überarbeitung und eine Vergiftung mit Kokain, Schlaftabletten und Alkohol.

Grabstelle: 1–4–2

3. Erich Kästner

Schräg gegenüber liegt der Schriftsteller Erich Kästner, 1899 – 1974. Vor allem seine Kinderbücher sind Renner und Klassiker: Pünktchen und Anton, Emil und die Detektive, Das Doppelte Lottchen oder Das fliegende Klassenzimmer, die allesamt auch als Filme ein breites Publikum erreichten. Kästner schrieb auch für das Kabarett wie Die kleine Freiheit und die Schaubude. Zu seinem 100. Geburtstag brachte die Post eine Sonderbrief­marke heraus.

Grabstelle: Mauer–rechts–4

4. Monti Lüftner

Monti Lüftner, 1931 – 2009, war Musikmanager und Gründer der Ariola-Schallplatten-Gesellschaft. Udo Jürgens, Peter Alexander, Rex Gildo, Mireille Ma­thieu oder Heintje wurden unter ihm zu Stars. Der lebenslange Junggeselle starb 2009 bei einem tragischen Unfall: Auf einem Wertstoffhof in Garching wurde er von einem Lastwagen überfahren. Sein Grab liegt vor der Kirche gleich beim Eingang.

Grabstelle: 1–1–1

5. Helmut Fischer

Seine populärste Rolle war der Monaco Franze, der ewige Stenz in Helmut Dietls Kultserie: Helmut Fischer, 1926 – 1997. 20 Jahre lang spielte Fischer unbedeutende Rollen, bis er von Dietl entdeckt wurde. Bis heute berühmt sind seine Sprüche „Spatzerl, schau wie i schau“ oder „A bisserl was geht immer“. 1996 erkrankte der Schwabinger an Krebs und sagte in einem Interview: „Das Leben macht sich ja mehr und mehr aus dem Staub“. Als er zum Münchner im Himmel im Bogenhauser Friedhof wurde, sagte OB Christian Ude an seinem Grab: „Populär war er in ganz Deutschland – in München wurde er geliebt.“

Grabstelle: 2–4–2

6. Max Dietl

Max Dietl, 1914 – 1991, war der Gründer der größten deutschen Maßschneiderei, die heute sein Sohn Max in der Residenzstraße im Sinne seines Vaters erfolgreich weiterführt. Max Dietl war in den Zwanzigern Zuschneider bei Konen und machte nach dem Weltkrieg eine eigene Schneiderei auf, in der er aus alten Uniform- neue Trachtenjacken nähte. Er kaufte das heutige Firmenhaus an der Residenzstraße und hatte als maßgeschneiderte Kunden etwa den Krupp-Erben Arndt von Bohlen und Halbach, Wieland Wagner, Bundespräsidenten Walter Scheel, Quelle-Gründer Gustav Schickedanz. Dietl beschäftige über 100 Mitarbeiter. Auch sein Grab liegt vor der Kirchenmauer gleich hinter dem von Lüftner und Fassbinder.

Grabstelle: 1–6–1

7. Liesl Karlstadt

An der linken Mauer beim Eingang bröselt das Herz der Volksschauspielerin Liesl Karlstadt, 1882 – 1960. A bisserl rote Farbe könnte nicht schaden. Karlstadt hieß eigentlich Elisabeth Wellano, und Tausende von Münchner spazieren jeden Tag an ihr vorbei. Aber nicht auf dem Bogenhauser Friedhof, sondern an ihrem Brunnen- Denkmal auf dem Viktualienmarkt. Zusammen mit Karl Valentin bildete sie das bekannteste Komikerduo des 20. Jahrhunderts.

Grabstelle: Mauer–links–5

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