Gelder fehlen

Münchner Islamzentrum: Projekt gescheitert

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Bemüht um gute Miene: Zumindest Imam Idriz (re.) lächelte beim Eingeständnis seines Scheiterns. Alt-OB Ude gelang das nicht.

München - Die Pläne für ein Islam-Zentrum in München sind geplatzt. Der Bau des Zentrums mit angeschlossener Moschee könne wegen Geldmangels nicht realisiert werden.

Es ist eine unendliche Geschichte, die am Dienstag doch ein vorläufiges Ende gefunden hat: Aus dem Islamzentrum im Kreativquartier an der Dachauer Straße wird nichts. Das mussten der Penzberger Imam Benjamin Idriz und Ude am Dienstag öffentlich eingestehen. Am 30. Juni wäre die Frist ausgelaufen, bis zu der die Stadt die Fläche reserviert gehalten hätte. Für den Erwerb des Grundstücks hätte das MFI eine Summe von 4,5 Millionen Euro nachweisen müssen. Die Stadt hatte die Frist zuvor bereits mehrmals verlängert und einen letzten Aufschub gewährt. Nun erklärte Idriz: „Wir haben alles versucht. Es ist uns aber bis heute nicht gelungen, die Finanzierung zu sichern.“

Zuletzt hatte das MFI einen privaten Spender aus Saudi-Arabien an der Hand. Nach Bekunden von Idriz hat der Mann jedoch vor einigen Tagen per Brief seine endgültige Absage mitgeteilt. Die saudische Regierung, so Idriz unter Berufung auf den potenziellen Spender, verhindere das Projekt. Idriz zufolge heißt es in dem Schreiben: „Wir bitten zu entschuldigen, dass unsere Unterstützung zur Verwirklichung des Projekts ,Münchner Forum für Islam‘ nicht erfolgt, weil uns die Genehmigung der höchsten amtlichen Stellen versagt wird.“ Einen Grund dafür sehen Idriz und Ude auch in den jüngsten außenpolitischen Verwerfungen zwischen der Bundesregierung und Saudi-Arabien.

Das Modell für das Islamzentrum.

Das Projekt für einen Moscheebau war zuvor bereits 2007 und 2012 gescheitert, ehe noch unter der Amtszeit Udes die Idee mit dem Grundstück an der Dachauer Straße ins Spiel kam. Hier sollte für geschätzte Projektkosten von 40 Millionen Euro ein großes Islamzentrum entstehen. Idriz machte am Dienstag deutlich, dass sich das MFI nicht grundsätzlich von dieser Idee verabschiede. „Aber eben nicht an diesem Ort und in dieser Dimension, sondern eine Nummer kleiner.“ Die Botschaft laute auch: „Wir dürfen nicht aufgeben, wollen das Projekt weiterhin verfolgen und Menschen im In- und Ausland mobilisieren, um dafür Geld aufzutreiben.“ Das habe die Mitgliederversammlung der MFI auch beschlossen. Das Projekt sei wichtig im Bestreben, Muslime zu integrieren.

Ude betonte ebenfalls: „Die bisherigen Anstrenungen waren nicht umsonst. Das Ganze bedeutet nicht das Ende des MFI und des Kuratoriums.“ Im vergangenen halben Jahr habe sich gezeigt, dass ein Islamzentrum wichtiger denn je sei. Es bestehe ein wachsender Bedarf für Angebote zur Aufklärung, zum Dialog für die aus vielen Ländern kommenden Flüchtlinge. Ude: „Fernziel bleibt ein Zentrum für Islam mit Bildungs- und Kontaktangeboten.“

Idriz: Womöglich ein Fehler, nur im Ausland nach Großspendern zu suchen

Idriz räumte ein, dass es womöglich ein Fehler gewesen sei, nur im Ausland nach Großspendern zu suchen. Man werde wohl demnächst auch an deutsche Unternehmen herantreten, die im arabischen Raum tätig sind. Ein Grund für das Scheitern seien auch die ständigen Fristen gewesen, sagte Idriz. Das habe potenzielle Spender abgeschreckt. Dennoch dankte der Imam der Stadt für die politische Unterstützung und die mehrmalige Fristverlängerung. Das Projekt an sich sei in München von einer breiten politischen, gesellschaftlichen und religiösen Basis getragen. Eine nochmalige Fristverlängerung will das MFI nicht erwirken. „Wir sollten vor diesem Hintergrund die Stadt nicht dazu drängen“, erklärte Ude.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte am Dienstag: „Ich bedauere, dass es nun doch nicht zu dem sehr engagierten Projekt kommt. Das MFI trägt mit seiner vorbildlichen Arbeit im interreligiösen Dialog zum gelingenden Miteinander in unser Stadt wesentlich bei.“ Auch die Grünen drückten ihr Bedauern aus. Die Fraktionschefin im Stadtrat, Gülseren Demirel, erklärte: „Dieses Projekt hätte eine integrative Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus entwickeln können, sein Scheitern ist auch ein Verlust für alle Menschen, die sich um Integration bemühen.“ Leider sei es auf Grund der allgemeinen Flächenknappheit nicht möglich, Grundstücke von einer Qualität wie in der Dachauer Straße unbefristet zu reservieren.

Klaus Vick

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