Für Bauarbeiten in der Lerchenau

Straßenbewohner sollen 1,35 Millionen Euro bezahlen

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Die Anwohner kämpfen - einige sollen für den Ausbau über 100.000 Euro zahlen.

München - Die Anwohner in der Lerchenau sind verärgert. Sie sollen einen Großteil der Kosten beim Umbau einer Straße tragen. Doch das wird alles andere als günstig.

Erneut gibt es Ärger zwischen Bürgern und Baureferat. Nachdem einige Bewohner und der Bezirksausschuss in der Maxvorstadt sich über die Informationspolitik der Stadt beklagt hatten, kommt nun Kritik aus der Lerchenau! Dort will das Baureferat die Schittgablerstraße herrichten. Es geht um eine so genannte erstmalige Herstellung der Strecke. Und das ist das Pro­blem, denn die Kosten tragen zu 90 Prozent die Bürger.

Rund 1,5 Millionen Euro Baukosten sind kalkuliert. "Die verteilen sich aber nur auf eine geringe Zahl von Anwohnern", sagt Robert Kryw­ko. Bis zu 131.000 Euro pro Haushalt will die Stadt von einigen! "Das ist ruinös und existenzbedrohend."

Die Anwohner um Krywko haben im Januar in einem Schreiben vom Ausbau und den Kosten erfahren. In ihrer Not wandten sie sich an den Bezirks­ausschuss (BA). Dieser fragte beim Referat nach einer Infoveranstaltung und einem Baustopp. Beides ist laut Stadt nicht möglich. Der Beschluss fiel im Dezember, die Aufträge sind vergeben. Die Bagger sollen noch im März anrollen.

Park statt Gewerbegebiet

Bitter für die Anwohner: Bis vor Kurzem lag im Süden der Straße ein Gewerbegebiet mit vielen Betrieben. BA-Chef Markus Auerbach: "Gäbe es das noch, hätten auch die Betriebe mitzahlen müssen." Aber die Betriebe sind weg, ein Park soll entstehen. "Die Anwohner fragen natürlich, warum sie jetzt für den Park bestraft werden", sagt Auerbach. Ein weiteres Argument: Die Straße bestehe seit 50 Jahren, habe lang als Zufahrt fürs Gewerbegebiet ­gedient. Laut Krywko habe die Stadt damals ein Verkehrsaufkommen von täglich 6500 Fahrzeugen gezählt.

Vor zwei Jahren ist die Straße in einen verkehrsberuhigten Bereich umgewandelt worden. "Und jetzt, wenn nur noch Anlieger hier fahren, sollen wir für den Ausbau zahlen", schimpfen die Anwohner. Die aktuelle Straße gilt offiziell nur als Provisorium, der Zustand soll verbessert werden.

Dabei sei die Schittgablerstraße für Linienbusse genutzt worden, Markierungen, Beleuchtung und Entwässerung sowie teilweise befestigte Gehwege sind oder waren vorhanden, so die Anwohner. "Wir hoffen, die Stadt zum Umdenken anzuregen", sagt Krywko. Laut Baureferat liegen die Beiträge tatsächlich etwas höher als üblich. Das Info-Schreiben an die Anwohner habe aber keine rechtliche Wirkung. Die Beitragsbescheide ergehen erst zwei bis vier Jahre nach Abschluss. Außerdem bietet die Stadt Stundung und Ratenzahlung an - kaum ein Trost für die Anwohner. Die werden nachweisen müssen, dass die Straße im Zustand einer Ortsstraße ausgebaut war. Dann wäre es keine erstmalige Herstellung, der Kostenanteil geringer. Ein Rechtsstreit ist nicht auszuschließen. Auch der kostet Geld.

Sascha Karowski

Sascha Karowski

Sascha Karowski

E-Mail:sascha.karowski@tz.de

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