In der tz erzählt er seine Geschichten

Dieser Münchner ist der meistgereiste Deutsche

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Ein gutes Dutzend Pässe hat Wolfgang Stoephasius bei seinen Reisen vollgestempelt bekommen.

München - An 657 Orten war Wolfgang Stoephasius in seinem bisherigen Leben. Damit zählt er zum meistgereisten Deutschen. In der tz erzählt er, was er so erlebt hat.

Im Flur hängen Dutzende Fotos, die Renate (70) und Wolfgang Stoephasius (74) auf ihren Reisen zeigen. Die angebotenen Hausschuhe sind aus Usbekistan. Souvenirs aus aller Herren Länder schmücken die Wohnung in Schwabing. „Es gibt nichts Schöneres als reisen. Und dann wieder nach Hause zu kommen“, sagt Wolfgang Stoephasius. Der pensionierte Kriminalhauptkommissar gilt laut www.mosttraveledpeople.com als der meistgereiste Deutsche.

Hier kann jeder auflisten, welche Orte er schon bereist hat und muss das mit Passstempeln, Rechnungen oder Fotos belegen. Für die Statistik zählen nicht nur völkerrechtlich anerkannte Staaten, sondern auch Inselgruppen, Provinzen, Regionen und andere Territorien. So ergeben sich 872 Orte, die Mitglieder abhaken können. Stoephasius hat 657 davon bereist.

"Bin kein Ländersammler"

„Ich bin kein Ländersammler, der sich nur schnell einen Einreisestempel holt. Ich bin mit dem Zug, Bus, Radl, Kamel oder zu Fuß durch diese Länder gereist und habe die Menschen dort kennengelernt.“ Schon mit fünf Jahren verkaufte er Heiligenfiguren vom Dachboden der Nachbarn, um sich ein Zugticket nach England zu kaufen, wo sein Papa als Kriegsgefangener war. Die Reise endete am Bahnhof, wo sie beginnen sollte. Ab 1992 notiert Stoephasius seine Reiseerlebnisse in Tagebüchern, die er nachträglich mit Fotos füllt. Daraus ist jetzt sein Buch In 70 Jahren um die Welt (Ullstein, 10,99 Euro) und sein Blog insiebzigjahrenumdiewelt entstanden.

Rund 70 mal war er allein in Italien. Einmal ist er mit dem Radl nach Venedig gefahren. Im Herbst wollen Stoephasius und seine Frau noch mal nach Kuba. In den 80er Jahren war er für einige Tage in Havanna. Zu kurz, um das Land richtig zu erleben. „Doch mein Lieblingsort auf der Welt ist der Viktualienmarkt“, sagt Stoephasius.

Ausgewähel Reisen von Stoephasius

Nordkorea

In Nordkorea

Mit einer Reisegruppe unter der Leitung der Geheimdienstmitarbeiter Frau Kim und Herr Re reist Stoephasius 2007 in die Diktatur Nordkorea. Während sie sehr gut deutsch spricht, versteht er kaum ein Wort. Oder tut zumindest so. Normal essen die Begleiter separat, aber einmal sitzen alle beisammen, trinken Schnäpschen und Frau Kim singt mit glockenklarer Stimme koreanische Volkslieder – und setzt mit "Am Brunnen vor dem Tore" eins drauf. Die Gruppe reist auch an den Ort, wo die Teilung Koreas unterzeichnet wurde: Die Grenze zieht sich mitten durch Häuser, die abwechselnd aus Nord- und Südkorea besucht werden. So steht er auch auf südkoreanischem Boden.

Mali 

In Mali.

Als Bub ist Stoepha­sius fasziniert vom Sammelbild einer Margarinenpackung. Es zeigt kamelreitende Männer mit Turbanen vor dem Wegweiser „52 Tage nach Timbuktu“. Als Stoephasius 2001 in den Ruhestand geht, reist er nach Marokko zu diesem Wegweiser. Er sitzt mit einem Schlangenbeschwörer und seiner Kobra im Korb auf der Rückbank, reitet tagelang mit einem Kamel durch die Sahara, erkundet Oasen mit dem Radl und fährt im Konvoi durch das verminte Grenzgebiet Mauretaniens. Nach zwei Monaten erreicht er das malische Timbuktu und trifft sich an Weihnachten mit seiner Frau an den Traumstränden des Indischen Ozeans.

Australien

In Australien.

Mit 68 Jahren erfüllt sich Stoepha­sius einen lang gehegten Wunsch: einen Tandem-Fallschirmsprung. Ein Hochglanzprospekt beschreibt „Jump the Beach“ als kleines Abenteuer für jede Altersstufe. Nachdem Stoephasius mehrere Seiten Papier ausgefüllt und versichert hat, dass er sich darüber im Klaren ist, dass jeder Sprung mit einem hohen Risiko behaftet ist, ist ihm dann schon ein bisschen mulmig. Aus 5000 Metern Höhe springt er mit seinem australischen Tandempartner ab. Nach 60 Sekunden freiem Fall öffnet sich der Fallschirm 800 Meter über dem Boden. Stoephasius durchströmt ein heißes Glücksgefühl während des Sprungs.

Afghanistan

In Afghanistan.

In Pakistan lernt Stoephasius 2005 einen paschtunischen Prinzen kennen. Der macht mit langem Überhemd kurzerhand einen Landsmann aus ihm und nimmt ihn nach Waziristan, Rückzugsgebiet von Al Kaida, mit. In dem Ort Darrah Adam Khel werden in 100-jähriger Tradition Waffen produziert. Die Waffenschmieden fertigen in zwei Wochen eine perfekte Kopie jeder Handfeuerwaffe. Eine Kalaschnikow kostet 60 Euro. 2010 ist Stoephasius in Afghanistan und fühlt sich wie ein Statist aus Tausendundeine Nacht. Die Gastfreundschaft hier ist grenzenlos. Er besucht die Blaue Moschee mit Alis Grab, deren Betreten Nicht-Gläubigen verboten ist. Doch Stoephasius fällt mit seinem Bart wieder mal nicht auf.

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