Tod im Urlaubsparadies

Münchnerin stirbt bei Unglück - Jetzt spricht der Lebensgefährte

+
Clemens Billig spricht über das Unglück in Thailand.

München - Eine Münchnerin bezahlte ihren Urlaubstrip nach Koh Samui mit dem Leben. Nun redet sich ihr Lebensgefährte alles von der Seele.

Die schreckliche Welle hat sie alle fortgetragen, die wunderbaren Bilder, die Clemens Billig (57) während seines Urlaubs auf der thailändischen Insel Koh Samui in seinem Kopf gesammelt hatte. Es war die erste gemeinsame Reise des Dachauers mit seiner Lebensgefährtin Franzi F. (51) aus Markt Indersdorf. Nun ist Franzi tot; während eines Bootsausflugs über Bord gespült.

Mit zitternder Stimme erzählt Clemens Billig von jenem Tag. Er muss das tun. Um sich alles von der Seele zu reden. Fatal war, sagt er, dass die rund 30 Touristen allesamt keine Rettungswesten trugen. Möglich, dass die dreiköpfige Crew zu spät darauf reagierte, dass die See aufbraust und vier Meter hohe Wellen schickt. Doch: „Die Bootsagentur ist sehr renommiert, der Kapitän ist einer der erfahrensten. Wir fühlten uns sicher!“, sagt Clemens Billig den Dachauer Nachrichten. Wer ahnt denn, dass ein acht Meter langes, 700 PS starkes Schnellboot in einem einzigen Augenblick untergehen kann? „Da rechnet keiner damit.“

Kapitän kündigt Schlechtwetterfront an

Dann schildert er, was passierte: Das Paar setzt sich ganz hinten in das Boot. Es ist 9 Uhr, als der Kapitän den Motor aufheulen lässt. Es geht zum Schnorcheln, dann in ein Fischerdorf. „Der Kapitän hat irgendwann gesagt, er sieht eine Schlechtwetterfront, und wir sollten sofort zurück nach Koh Samui.“ Wenige Minuten später passiert es: Eine erste Welle dreht das Boot, es läuft voll. Eine zweite lässt es kentern. „Das Letzte, was ich von Franzi gesehen habe, ist, wie sie aus dem Sitz gehoben wurde und davon geflogen ist.“ Er selbst wird nach unten gezogen. Instinktiv rudert der gute Schwimmer nach oben. Gerade noch schafft er es ans Ufer, das nur 100 Meter entfernt ist. Franzi ist weg. Retter bringen Clemens sofort ins Krankenhaus. Sein Körper ist übersäht mit Schnitt- und Schürfwunden. Doch er spürt sie nicht. Die Gedanken gelten seiner Lebensgefährtin: „Man hofft so sehr, dass sie irgendwann kommt. Aber sie ist nicht gekommen.“

Franzi. F. muss mit dem Kopf gegen die Bootswand gekracht sein. Wohl bewusstlos versinkt sie in den Fluten. Von den 30 Ausflüglern sind insgesamt drei tot, viele verletzt, ein Brite wird noch vermisst. Der Kapitän wird verhaftet. Franzi F.’s Leichnam wird später geborgen. Er könne sie noch einmal sehen, wenn er wolle, sagen die Polizisten zu Clemens. Doch der Dachauer will nicht. „Ich möchte sie so in Erinnerung behalten, wie ich sie während des Ausflugs sah: glücklich.“ Dann fügt er an: „Beim Abenddinner zuvor haben wir uns das Versprechen gegeben, dass wir für immer zusammenbleiben.“

Zur noch ausführlicheren Version der Geschichte geht's hier

Thomas Zimmerly

auch interessant

Kommentare