Beförderung verweigert

Mutter mit drei Kindern wird aus Tram geschmissen - warum?

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Anita Funk mit ihren Kindern.

München - Anita Funk aus Moosburg durfte mit ihren drei Kindern und Fahrradanhänger nicht in die Tram einsteigen. Denn die zum Kinderwagen umgebauten Anhänger sind in den Münchner Trams nicht gestattet. Die 32-jährige Mutter fragt sich, warum.

Die Funks haben kein Auto. Deshalb fuhr Anita Funk am Samstag vor einer Woche mit ihren drei Kindern Vanessa (7), Christian (5) und Adrian (3) mit dem Zug von Moosburg (Kreis Freising) zum Münchner Hauptbahnhof. Dann ging es für die vier mit der Tram 19 zum Pasinger Westbad. Die 32-Jährige war mit einem Fahrradanhänger unterwegs. Diesen hatte sie zum Kinderwagen umgebaut. In dem Anhänger saßen der schwerbehinderte Christian und der dreijährige Adrian. „Bei der Hinfahrt ins Pasinger Westbad war die Fahrt mit der Tram kein Problem“, erzählt Funk.

Die Funks dürfen in der Tram nicht mitfahren

Doch mit der Straßenbahn am frühen Nachmittag zurückfahren durfte die Familie nicht. Via Lautsprecher sagte der Trambahnfahrer durch, dass der Fahrradanhänger draußen bleiben muss. „Ich habe erst gedacht, dass ich nicht richtig höre“, sagt die Moosburgerin: „Noch dazu war die Tram relativ leer: Die Hälfte der Sitze war unbesetzt. Alle Stehplätze waren noch frei.“ Anita Funk ging zum Fahrer. Dieser erklärte der 32-Jährigen, dass sowohl Ein-, als auch Zweisitzer-Fahrradanhänger in den Trams verboten sind. „Das ist keine neue Regelung“, betont Matthias Korte, Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). „Fahrradanhänger sind grundsätzlich in allen unseren Verkehrsmitteln von der Beförderung ausgeschlossen.“

Fahrradanhänger sind in der Tram nicht grundsätzlich verboten

Damit habe der Fahrer richtig entschieden, auch wenn es in manchen Einzelfällen für die Betroffenen schwer nachvollziehbar sei. „Unsere Fahrer müssen Regeln haben, anhand derer sie entscheiden.“ Zwar heißt es ganz allgemein in den Beförderungsbedingungen des MVV, zu dem auch die MVG gehört (Stand Dezember 2015): „Ein Anspruch auf die Mitnahme von Fahrrädern, fahrradähnlichen Konstruktionen (z. B. Tandems, Dreiräder) und Zubehör (Fahrradanhänger) besteht nicht. 

Die Mitnahme ist nur im nachfolgend geregelten Umfang gestattet: 

• Sicherheit und Ordnung des Betriebs dürfen nicht gefährdet werden. 

• Die Belästigung anderer Fahrgäste ist untersagt. 

• Der belegte Platz darf nicht für die Personenbeförderung benötigt werden. 

• Das Betriebspersonal entscheidet im Einzelfall, ob die Voraussetzungen für die Mitnahme erfüllt sind.“ 

Fahrradanhänger sind daher nicht grundsätzlich im gesamten Öffentlichen Personen-Nahverkehr verboten. In den Bestimmungen wird allerdings laut Korte auch spezifiziert, was in den einzelnen Verkehrsmitteln mitgenommen werden darf. In Tram und Bus sei ausschließlich die Mitnahme von zusammengeklappten Fahrrädern sowie Kleinkindfahrrädern (bis maximal 12,5 Zoll Reifengröße) gestattet. Kinderwagen und Rollstühle sind natürlich erlaubt. Funk kritisiert, dass die MVG weder in Trambahnen noch auf ihrer Internetseite auf das Fahrradanhänger-Verbot aufmerksam macht. Korte sieht tatsächlich den Bedarf, deutlicher darauf hinzuweisen, was erlaubt ist und was nicht. Derzeit sei man dabei, die Informationen auf der Homepage zu überarbeiten. Auch an Haltestellen soll es Hinweise geben. „Wir stehen vor dem Problem, dass wir leider nur begrenzte Kapazitäten haben“, so Korte.

Anita Funk: „Ein Zwillingswagen wäre keinen Zentimeter schmaler“

Anita Funk hat für die Regelung kein Verständnis: „Ich finde es eine komplette Diskriminierung.“ Wenn der Fahrradanhänger geschoben werde, dann sei er kein Anhänger mehr, sondern ein Kinderwagen, erklärt sie: „Wenn wir jetzt einen neuen Zwillingswagen kaufen, wird er keinen Zentimeter schmaler oder kürzer als der Fahrradanhänger sein.“

MVG: „Fahrradanhänger brauchen mehr Platz“

Anita Funk mit ihren Kindern Christian im umgebauten Fahrradanhänger, Adrian und Vanessa (v.l.)

Laut Korte brauchen Fahrradanhänger in der Regel allerdings mehr Platz als normale Kinderwagen. Zudem hätten nicht alle Anhänger Feststellbremsen und seien daher eine Gefährdung für die Verkehrssicherheit in der Trambahn. 

Die Regelung der MVG scheint vielen Eltern nicht mehr zeitgemäß. Und auch Anita Funk sagt: „Viele Familien können es sich nicht leisten, einen Fahrradanhänger von mindestens 500 Euro und einen Kinderwagen zu kaufen – nur um Tram fahren zu können.“ Laut Korte habe es zuletzt tatsächlich einige Anfragen wegen der umgebauten Fahrradanhänger gegeben. „Das Thema gewinnt immer mehr an Bedeutung. Wir beobachten die Entwicklung“, sagt Korte. Grundsätzlich habe die MVG keine Dogmen. Im Spannungsfeld der verschiedenen Bedürfnisse könne man aber nicht alles möglich machen, was wünschenswert ist.

MVG reagiert nicht auf Beschwerdemail

Da Funk nicht mit der Tram fahren durfte, ging sie nach dem Schwimmbadbesuch zu Fuß zum Pasinger Bahnhof – rund 1,4 Kilometer. Es war windig und regnete. „Seitdem bin ich krank und hatte eine Lungenentzündung“, erzählt Funk. Sie schrieb eine Beschwerdemail und bekam eine automatische Bestätigung. Seit über einer Woche wartet sie auf Antwort. Korte verspricht, dass auf jeden Fall geantwortet werde. Für die Kinder der Moosburgerin war das Erlebnis schlimm: „Die drei haben geweint und die Welt nicht mehr verstanden. Müssen wir jetzt bald überall Angst haben, dass wir nicht mehr mitfahren dürfen?“

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