Die Geschichten dreier außergewöhnlicher Mamas

Diese Mütter sind etwas ganz Besonderes

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Susanna Hoffmann mit Sophia (v.l.), Isabella und Tim.

München - Am Sonntag ist Muttertag: Die tz erzählt Geschichten dreier außergewöhnlicher Mamas und ihrer Kinder.

Cheforganisatorin, starke Schulter oder auch mal der Familien-Kummerkasten: Unsere Mütter sind etwas ganz Besonderes. Am Sonntag ist Muttertag, für den ein oder anderen bei allem Kommerz Anlass zum Dankesagen. 

Wir haben uns die Geschichten von drei außergewöhnlichen Frauen erzählen lassen. Einer Drillingsmutter, die nach der Geburt ihres „Glücks hoch drei“ das Gefühl hatte, immer einen Arm und ein Bein zu wenig zu haben. Einer Mutter, die ihre an Leukämie erkrankte Tochter verloren hat und jetzt anderen Eltern als Trauerbegleiterin hilft. Und einer Mama, die unglaublich stolz auf ihren autistischen Sohn ist. 

Susanna, Philipp und ihre feschen Drillinge

Das Glück hat einen Namen, sagt man. Bei Susanna (30) und Philipp Hoffmann (31) hat es sogar drei: Isabella, Tim und Sophia. Die dreijährigen Drillinge wuseln vergnügt im Garten in Ottobrunn herum. 

Dass ihr Start ins Leben so schwierig war - daran erinnert sich Mama Susanna gerade an einem Datum wie dem Muttertag deutlich. Die tz berichtete 2013 über das Frühchen-Wunder - und besuchte die Familie jetzt nochmals. „Sophia ist heute unser kleines Kraftpaket, dabei war sie einst das Sorgenkind“, erzählt Susanna.

In der 19. Woche war die Fruchtblase geplatzt. Susanna Hoffmann kam ins Krankenhaus Harlaching, die Angst um ihre Babys begann: Gelten doch Kinder, die vor der 22. Woche geboren werden, als nicht lebensfähig. 

Doch die Familie hatte Glück: Erst in der 27. Woche setzten die Wehen ein. Am 6. Januar 2013 kamen Isabella mit 850 Gramm, Sophia mit 810 und Tim mit 830 Gramm zur Welt. Gesund und 35 Zentimeter groß. „Isabella ist heute unsere Intellektuelle, sie tüftelt gern an Puzzles“, sagt Papa Philipp, Ingenieur. „Und Tim liebt es, Musik zu machen mit Keyboard und Schlagzeug.“ 

Doch am Anfang mussten die Wuzerl erst lernen, Luft zu holen. „In ihren Brutkästen wurden sie voll beatmet“, erinnert sich die Mama. „Immer wieder ging der Alarm los, weil einer vergessen hatte, zu atmen.“

Eine Aufnahme von 2013: Philipp und Susanna Hoffmann mit den Wuzerln.

Dann legten die Eltern ihre Hände auf die winzigen Fingerchen - das half. Zehn Wochen nach der Geburt durften die Kleinen nach Hause. Die Eltern mussten aber weiter Puls und Atmung überprüfen. Und den Alltag straff takten: Alle drei Stunden mussten die Babys essen - Tag und Nacht. 24 Fläschchen, 18 Windeln, später zwölf Gläschen Brei täglich. 

„Man hat eigentlich immer einen Arm oder ein Bein zu wenig - und nie Pause“, sagt Susanna Hoffmann, Realschullehrerin. „Aber Gott sei Dank haben uns unsere Familien geholfen.“ Die Rundumversorgung war erfolgreich: Seit der U7 steht fest, dass Isabella, Sophia und Tim mit anderen Dreijährigen gleichgezogen haben. 

Statt Sorgenfalten haben die Eltern jetzt ein Lächeln im Gesicht: „Es ist schön, dass sie immer jemand zum Spielen haben.“ Und damit jedes Kind ein eigenes Zimmer bekommt, zieht die Familie im Herbst raus aus der Dreizimmer-Wohnung in ein Haus nach Putzbrunn. 

„Ich weiß, was für ein großes Glück wir hatten und noch immer haben“, sagt Susanna und schmunzelt. „Das ist Glück hoch drei.

Voller Einsatz für den Sohn

„Die Biene Maja. Die Biene Maja. Die Biene Maja“, singt Niko (15). Und beschert seiner Mama Marie A. (Namen geändert) damit das schönste Geschenk zum Muttertag.

Marie mit Niko beim Wandern.

Der Sohn der Münchnerin ist Autist. Er spricht so gut wie nicht, ist körperlich und geistig behindert und muss rund um die Uhr betreut werden. Eine Form von Hochbegabung, wie sie etwa beim Asperger Syndrom möglich ist, hat er nicht. 

Auch wenn sie kaum mit ihm sprechen kann: Marie merkt schnell, wenn es Niko gut geht.  Dann zerreißt er minutenlang Papier in kleinste Stücke, steckt seine Lego-Klötzchen ineinander oder drückt sich ein jodelndes Stoff-Murmeltier ans Ohr. Denn wenn Niko eins liebt, dann ist es Musik - und Singen.

Doch seit ein paar Monaten ist der 15-Jährige fast verstummt. Weil er aggressiv gegen Mitschüler und seine Schulbegleiter gewesen sein soll, darf er seit rund einem Jahr nur noch eineinhalb Stunde pro Tag in die Förderschule gehen. 

Voraussetzung dafür: Er nimmt jetzt ein starkes Medikament, ein Neuroleptikum. Seitdem ist Niko ruhiger geworden - doch er singt fast gar nicht mehr. Seine Mama macht das traurig. „Wir haben uns sehr schwer getan, die Einwilligungserklärung zur medikamentösen Behandlung zu unterschreiben.“ Doch ansonsten hätte Niko gar nicht mehr in das Förderzentrum gehen dürfen, sagt sie. 

Eine schwierige Situation: Marie A. kümmert sich um Niko zusammen mit ihrem Ex-Mann. Beide müssen arbeiten: Sie Teilzeit als Ingenieurin und Betriebsrätin. Nikos Papa Vollzeit. Die Betreuung zu organisieren, wird durch die kurze Schulzeit immer schwieriger. Hilfe bekommen sie vom Verein zur Betreuung und Integration behinderter Jugendlicher (Bib).

Niko im Hochseilgarten.

Freiwillige Helfer kümmern sich ab und zu nachmittags um Niko. Und begleiten Marie und Niko auch mal auf einen Ausflug. Sonst ist das Mutter-Sohn-Gespann meistens zu zweit unterwegs. Im Hochseilgarten am Ammersee etwa oder beim Wandern in Südtirol.

Besonders stolz ist Marie A. auf ihren Sohn in Momenten wie auf der Wiesn: Ganze zehneinhalb Stunden hat Niko letztes Jahr durchgehalten. Riesenrad sind sie gefahren, Tierfan Niko durfte Reiten - und sogar im Zelt ist er ein paar Stunden fasziniert gesessen.

Imponiert hat Marie A. eine Gruppe, die sie spontan an ihren Tisch eingeladen hat. „Es war toll, wie die Niko akzeptiert haben.“ 

Auch wenn Marie A. kein Problem damit hat, mit Fremden ins Gespräch zu kommen: Mit einer neuen Liebe hat es bislang noch nicht geklappt. Denn nach einer gewissen Zeit habe jeder potenzielle neue Partner bis jetzt vorsichtig angefragt, ob sie Niko nicht in ein Heim geben wolle. „Doch das möchte ich auf keinen Fall. Ich liebe meinen Sohn über alles.“

Nikos Mama freut sich über weitere Freiwillige Helfer oder Tipps zu Förderschulen: el.ge@gmx.de 

Sie gibt verzweifelten Eltern wieder Kraft

Isabel Schupps Tochter starb im Alter von 16 Jahren. Heute hilft sie selbst trauernden Eltern.

Sie kommen angeflogen, diese Momente. Es ist ein Geruch im Frühling, ein Gegenstand in der Natur. Dann denkt Isabel Schupp an ihre Tochter. Pauline begleitet ihre Mutter immer noch jeden Tag. Obwohl sie vor mittlerweile fast zehn Jahren gestorben ist.

Pauline erkrankte im Jahr 2000 an Leukämie. Sie wurde während der folgenden sechs Jahre transplantiert und erlitt zwei Rückfälle. Im Dezember 2016 starb sie - im Alter von nur 16 Jahren. Für ihre Mutter ist Pauline heute immer noch da. 

Durch eine spezielle Art der Meditation, die Achtsamkeitsmeditation, kann sie ihre Tochter spüren. „Pauline lebt in einer Blume, einem Vogel, aber auch in mir weiter.“ 

Die Schauspielerin aus Icking (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) hat selbst nach dem Tod ihrer Tochter Trost und Hilfe in der Trauergruppe der „Verwaisten Eltern München“ gefunden.

Heute ist sie ausgebildete Trauerbegleiterin und bietet für andere betroffene Eltern Trauerseminare an. Eine ihrer neuesten Gruppen ist die Trauergruppe Fünfseenland in Starnberg.

Beim Tod eines Kindes vor den Eltern werde die gesamte Ordnung durcheinandergebracht, sagt Schupp. Auch sie habe Zeit gebraucht, bis sie das Leben wieder als wertvoll wahrnehmen konnte. Heute sei sie für vieles dankbarer.

In einem berührenden Buch hat die Ickingerin Paulines Geschichte aufgeschrieben („Die Nacht bringt dir den Tag zurück“, Kamphausen-Verlag). Isabel Schupps Tochter lebt auch in der mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Dokumentation "Seelenvögel" weiter: Sie zeigt Pauline zusammen mit zwei anderen leukämiekranken Kindern im Alltag. 

Mit der Zeit hat Isabel Schupp gelernt, mit dem Tod ihrer Tochter zu leben. Auch wenn die Traurigkeit nie ganz verschwinden wird. „Am Anfang ist die Erinnerung nur mit Schmerzen verbunden. Aber mit der Zeit ist sie auch mit Freude verbunden.“ 

Einen Anlass wie den Muttertag braucht Schupp nicht, um an Pauline zu denken. Der Tag werde bei ihnen zu Hause schon immer eher stiefmütterlich behandelt, sagt sie und lacht. „Ich schenke mir mit meiner Mutter gegenseitig Blümchen - von Mutter zu Mutter sozusagen.“

Wenn Isabel Schupp ihre Tochter spüren möchte, dann geht sie in die Natur. Die Schauspielerin hat noch zwei weitere Kinder. Sie seien eine glückliche Familie, sagt sie. Pauline gehört fest dazu

Film Seelenvögel

Ramona Weise

Ramona Weise

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Martina Williams

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