Alle neuen Preise gibt's hier

MVG erhöht Tarife um fast drei Prozent

München - Wegen gestiegener Kosten und einem größerem Leistungsangebot passt die MVG die Tarife an. Die Aktion Münchner Fahrgäste übt harsche Kritik. 

Gefühlt nehmen die Störungen im öffentlichen Nahverkehr zu: Sperrungen, Baustellen, veraltete U-Bahnen. Und trotzdem langt der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) auch heuer wieder hin: Ab Mitte Dezember werden zahlreiche Fahrkarten teurer – im Schnitt um 2,8 Prozent. So hat es am Freitag die MVV-Gesellschafterversammlung beschlossen, der OB Dieter Reiter (SPD) vorsitzt.

Diesmal trifft es vor allem die Fahrgäste mit Zeitkarten, also Stammkunden etwa mit IsarCard oder Ausbildungstarifen. Ihre Tickets werden im Schnitt um 3,7 Prozent teurer. So kostet eine IsarCard Monatskarte für zwei Ringe bald 53,40 statt 51,60 Euro (siehe Tabelle). Dagegen steigen die Zonentarife im Schnitt nur um 1,4 Prozent – was sich gemischt zusammensetzt: Die Preise für Einzelfahrten und Streifenkarten bleiben stabil, dafür kostet die Single-Tageskarte München XXL künftig 30 Cent mehr: 8,60 Euro (plus 3,6 Prozent).

Die neuen Preise gelten ab dem 13. beziehungsweise 14. Dezember. Die Preiserhöhung reiht sich im Vergleich mit den vergangenen Jahren sogar eher im unteren Bereich ein: 2014 wurden die Preise um satte 3,6 Prozent erhöht, 2013 um 2,9 Prozent, 2012 um 3,7 Prozent und 2011 um 2,3 Prozent. Die einzige Nullrunde der vergangenen zwölf Jahre fand 2003 statt.

Hier gibt's die Leistungsausweitungen als pdf

MVV-Pressesprecherin Beate Brennauer erklärt die neueste Preissteigerung so: Sie sei „unabdingbar, um ein attraktives Leistungsangebot zu gewährleisten und weiter zu verbessern, die hohen Qualitätsstandards zu halten sowie die gestiegenen Kosten auszugleichen“. Zwar seien Energie- und Kraftstoffkosten gesunken und zugleich die Einnahmen durch das Fahrgast-Plus gestiegen, heißt es von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Doch tarifliche Lohnerhöhungen für Mitarbeiter, die Anschaffung neuer Fahrzeuge und zunehmender Erneuerungsbedarf verursachten dennoch höhere Kosten.

Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste, bringt das auf die Palme. „Es herrscht Chaos von vorne bis hinten“, sagt er. Die Preiserhöhung sei „höchst unerfreulich“ und stehe im „Missverhältnis“ zur Leistung. Die Zuverlässigkeit im Nahverkehr lasse zu wünschen übrig. Er kritisiert zudem, dass die Tram nach Steinhausen immer noch nicht gebaut sei, in der Zwischenzeit aber bereits zweimal die Fahrpreise gestiegen seien. Er fordert, die Stammstrecke einzuzäunen, damit sie nicht ständig wegen „Personen im Gleis“ gesperrt werden müsse. Es brauche Überwachungssysteme, wenn Menschen in Tunnels eindrängen. Und es sei ein Unding, dass U-Bahnzüge nutzlos herumstünden, weil sie angeblich nicht durch den Tunnel passten. Auch der Streit zwischen MVG und Regierung von Oberbayern über die neuen Trambahnen habe den Frust der Fahrgäste gesteigert.

Die Verhandlungen der MVV-Gesellschafter verliefen indes relativ geräuschlos. 2014 hatte es harte Auseinandersetzungen gegeben: Die Landkreise warfen der Stadt vor, die Preise für Pendler überproportional erhöhen zu wollen. Die Stadt argumentierte, sie brauche die Steigerung, um ihr Angebot auszubauen. Es brauchte zwei Runden, um einen Beschluss herbeizuführen.

Heuer ging es glimpflicher vonstatten. Dennoch stimmten die Landkreise auch der Preiserhöhung von 2,8 Prozent nur „zähneknirschend“ zu, wie sie verlauten ließen. Ihr Sprecher, der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß, sagte, die Steigerung sei immer noch zu viel – „gerade auch deshalb, weil die Bahn im Ferntarif eine Nullrunde angekündigt hat“. Die Landkreise hätten maximal 1,9 Prozent Steigerung gefordert, die Stadt mindestens 2,8 Prozent.

Die MVG gab zudem bekannt, wie sie 2016 ihr Angebot erweitern wird. Es soll Taktverdichtungen, Verlängerungen der Betriebszeiten oder Strecken und Beschleunigungen bei diversen Bus-, Tram- und U-Bahnlinien geben. Zudem kommen drei neue Stadtbuslinien: Die Linie 150 fährt zwischen Hauptbahnhof, Univiertel und Englischem Garten. Linie 148 bindet das Wohngebiet an der Welfenstraße neu an und Linie 158 die Wohngebiete nördlich der Verdistraße. 

Das kosten Bus, Bahn und Tram in Zukunft

Fahrschein oder Zeitkarte

Alter Preis

Neuer Preis

Anstieg

Kurzstrecke

1,40 €

1,40 €

0%

Einzelfahrt (1 Zone)

2,70 €

2,70 €

0%

Einzelfahrt Kinder

1,30 €

1,30 €

0%

Jugendtarif U21 (1 Zone/1 Streif.)

1,30 €

1,30 €

0%

Jugendtarif U21 (ab 4 Zon./4 Streif.)

5,20 €

5,20 €

0%

Streifenkarte (10 Streifen)

13,00 €

13,00 €

0%

Kinder-Tageskarte

2,90 €

3,00 €

3,5%

Single-Tageskarte Innen- od. Außenraum

6,20 €

6,40 €

+3,3%

Single-Tageskarte Gesamtnetz

12,00 €

12,40 €

+2,6%

Single-Tageskarte München XXL

8,30 €

8,60 €

+3,6%

Single-3-Tageskarte Innenraum od. Außenraum

15,50 €

16,00 €

+3,2%

Partner-Tageskarte Innenraum od. Außenraum

11,70 €

12,20 €

+4,3%

Partner-Tageskarte Gesamtnetz

22,30 €

23,20 €

+4,0%

Partner-Tageskarte München XXL

14,80 €

15,40 €

+4,1%

Partner-3-Tageskarte Innenraum od. Außenraum

27,10 €

28,20 €

+4,1%

IsarCard 9 Uhr Innenraum od. Außenraum

55,80 €

57,50 €

+3,4%

IsarCard 9Uhr (Gesamtnetz)

75,70 €

78,30 €

+3,4%

IsarCard60 (Innen- od. Außenraum)

45,40 €

46,60 €

+2,6%

IsarCard60 (Gesamtnetz)

65,20 €

66,90 €

+2,6%

IsarCard 60 Abo (Innenraum, monatl. Zahlung)

45,00 €

46,60 €

+2,6%

IsarCard Woche (2 Ringe)

14,10 €

14,70 €

+4,3%

IsarCard Abo, monatl. Zahl. (2 R.)

51,60 €

53,40 €

+3,5%

IsarCard Woche (4 Ringe)

20,30 €

21,10 €

+3,9%

IsarCard Abo, monatl. Zahl. (4 R.)

74,00 €

76,64 €

+3,5%

IsarCard Woche (8 Ringe)

32,70 €

34,10 €

+4,3%

IsarCard Abo, monatl. Zahl. (8 R.)

119,50 €

123,70 €

+3,5%

IsarCard Woche (16 Ringe)

57,80 €

60,20 €

+4,2%

IsarCard Abo, monatl. Zahl. (16 R.)

210,90 €

218,20 €

+3,5%

Was ist los, Herr OB?

Die teuren Seniorentickets des MVV – mehrmals berichtete die tz im Juni über den Ärger vieler Münchner, die sich die IsarCard60 kaum leisten können. Satte 429 Euro kostete das Jahresticket für den Innenraum. Und jetzt? Nun steigt der Preis auf 441 Euro an! „Das darf doch nicht wahr sein“, so der Tenor vieler Betroffener. Merkwürdig ist: OB Dieter Reiter (SPD) hatte damals in der tz versprochen, für günstigere Preise zu kämpfen (s.o.): „Zusammen mit unseren Partnern sind wir dabei, den Tarif einfacher und wenn möglich auch sozial noch gerechter zu gestalten.“ Und nun das!

OB Reiter hielt sich am Freitag bedeckt. Lediglich dazu, dass künftig auch Senioren mehr zahlen müssen, sagte er, er habe das Thema Vergünstigungen für Senioren wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Auf seinen Antrag hin werde geprüft, ob es eine Partnerkarte Ü60 geben könne, die günstiger wäre als zwei einzelne Tickets. Das sei „erst ein kleiner, aber kurzfristig realisierbarer Schritt“.

Rubriklistenbild: © fkn

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