Forderung von CSU zurückgewiesen

MVG stellt E-Busflotte zurück - "Zeit nicht reif dafür"

„Zukunftsziel“: Seit 2013 hat die MVG immer wieder Elektrobusse getestet, alltagstauglich sind sie aber noch nicht. schlaf

München - Die MVG weist die Forderung der CSU nach einer Umstellung der gesamten Busflotte auf Elektroantrieb bis 2030 zurück. Das ist der Grund dafür.

Die CSU fordert mehr Anstrengungen der Stadt beim Ausbau der Elektromobilität. Gestern verabschiedete die Fraktion ein Paket mit sechs Anträgen an den Stadtrat. Unter anderem sollen bis spätestens 2030 strombetriebene Linienbusse Modelle mit Verbrennungsmotoren ersetzen. Bereits innerhalb der kommenden beiden Jahre soll es nach dem Willen der CSU zudem eine Innenstadtlinie geben, auf der ausschließlich E-Busse eingesetzt werden. „Die CSU im Rathaus ist weiterhin Taktgeber bei der Förderung der E-Mobilität. Wir investieren damit in die Lebensqualität Münchens“, sagt der Zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU).

Die Partei hat ihr Antragspaket aber offenbar nicht mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) abgestimmt. Dort hält man von dem Vorstoß der CSU nämlich herzlich wenig. Zwar seien vollelektrische Busse „unser Zukunftsziel“, wie Sprecher Matthias Korte betont. „Aber noch ist die Zeit dafür nicht reif.“ Bisher seien bei Elektrobussen nur verschiedenste Prototypen am Markt, viele technische Fragen offen. „Für Planungen oder Beschaffungen in größerem Umfang ist es daher zu früh“, sagt Korte.

MVG testet Elektrobusse

Die MVG hat seit 2013 bereits sechs Elektrobusse verschiedener Hersteller getestet. Ergebnis: Alltagstauglich sind die Stromer nicht. Laut MVG müssen die Batterien noch erheblich leistungsfähiger, aber auch kleiner und leichter werden, um zuverlässig eingesetzt und finanziert werden zu können. Frühestens in fünf Jahren sind die Busse aus Sicht der MVG serienreif. Ob dies dann auch auf Gelenkbusse und Buszüge zutrifft, wie sie in München im MVG-Busnetz hauptsächlich eingesetzt werden, ist noch ungewiss. Die CSU ist wesentlich optimistischer, was die Entwicklung von E-Bussen anbelangt. Sie fordert in ihrem Antrag, dass die MVG ab 2020 nur noch E-Busse anschaffen darf.

Korte erinnert daran, dass eine große Flotte mit irgendwann mehreren hundert E-Bussen auch völlig andere Anforderungen an Ladetechnik und Stromversorgungsinfrastruktur stellen würde. Ein Punkt, der in den CSU-Anträgen nicht vorkommt.

Auch gegen die Forderung der CSU, bis zum Jahr 2018 eine eigene E-Bus-Linie innerhalb des Mittleren Rings einzuführen, wehrt sich die MVG. Die Vorstellung sei zwar verlockend, so Matthias Korte, eine Umsetzung allerdings nicht sinnvoll, weil die Fahrzeuge häufig von Ausfällen betroffen seien. „Entsprechende Erfahrungen haben unsere Kollegen zum Beispiel in Hamburg und Berlin gemacht“, erzählt er.

MVG will Diesel-Antrieb treu bleiben

Die MVG will stattdessen dem Diesel-Antrieb in den nächsten Jahren treu bleiben. Nach den Worten Kortes würden Fahrzeuge stets nach der besten serienmäßig verfügbaren Abgasnorm beschafft. „Dadurch haben sich die spezifischen Emissionen der Busse immer weiter reduziert.“ Alle Stadtbusse in München verfügten nach Angaben der MVG zudem über Rußfilter, alle neueren Busse auch über Stickoxidkatalysatoren. „Bis Fahrzeugtechnik und Ladeinfrastruktur serienreif und letztlich wirtschaftlich einsetzbar sind, bleiben für den Serieneinsatz unsere hochmodernen Dieselbusse noch erste Wahl“, sagt MVG-Sprecher Korte.

Er nimmt der CSU auch die Hoffnung, durch eine Umstellung der Busflotte auf Elektroantrieb einen, wie es im Antrag heißt, „wichtigen Beitrag für die Münchner Luft“ zu leisten. Grund ist der überschaubare Anteil der Busse an der Verkehrsleistung in München. Diese beträgt lediglich 0,6 Prozent am Gesamtverkehr. „Veränderungen an den Stadtbussen haben daher keine Auswirkungen auf das Klima in der Stadt“, findet Korte. Verweigern will sich die Verkehrsgesellschaft aber dem Thema E-Mobilität nicht, ganz im Gegenteil. „Elektrobusse sind die Zukunft, daran besteht kein Zweifel“, sagt Korte. Bei der MVG möchte man aber warten, bis die Technik ausgereift ist und die Anschaffung wirtschaftlich ist.

Die CSU will aber nicht nur den ÖPNV umweltfreundlicher machen, sondern auch den motorisierten Individualverkehr. So sollen, ebenfalls bis 2030, alle Autos im städtischen Fuhrpark durch emissionsfreie Modelle ersetzt werden. Auch die Ladeinfrastruktur möchte die Partei rascher ausbauen. Zusätzlich zu den bis Ende 2017 vorgesehenen 100 Ladesäulen sollen 100 weitere Stationen errichtet werden, dies auch an geeigneten Taxistandorten. Nach der Sommerpause werden die sechs CSU-Anträge behandelt.

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